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Xiaomi – Der Smartphone-Newcomer

Date Posted: 25 Juli, 2014

mi4Während die Gerüchteküche zum neuen iPhone, das voraussichtlich im Herbst auf den Markt kommen soll, auf heißer Flamme brodelt und das neue Samsung Galaxy 5 bereits seit einiger Zeit erhältlich ist, ist es ein junges chinesisches Unternehmen, das gerade die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich zieht. Xiaomi, erst 2010 gegründet, stellt vor einigen Tagen ihr Flaggschiff, das Mi4 vor. In China bereits seit vier Jahren einer der führenden Hersteller für günstige High-End-Smartphones, will das Unternehmen nun weitere Märkte im Sturm erobern.

Eine echte Alternative?

Die Positionierung des Herstellers ist klar: Während die Branchenriesen von Apple und Samsung um die Spitzenposition streiten, will sich Xiaomi mit leistungsstarken aber dennoch günstigen Smartphones ebenfalls im Markt etablieren. Gründer Lei Jun gilt in China bereits als der Nachfolger von Apple-Gründer Steve Jobs. Das Mi4 kündigt er in Verbindung mit der eigenen Software, die auf Android basiert, ganz bescheiden als „das schnellste Smartphone der Welt“ an. Inwiefern das letztendlich zutrifft, lässt sich bisher kaum beurteilen, allerdings muss sich das Smartphone wahrlich nicht hinter der Konkurrenz verstecken. Mit einer Bildschirmdiagonale von 5,5 Zoll und Full-HD-Auflösung sowie 3 GB Arbeitsspeicher, einem Quadcore-Prozessor und einem leistungsstarken Akku katapultiert es sich direkt in obere Region der aktuellen Smartphone-Generation. Mit der eigenen, an iOS erinnernden Benutzeroberfläche Miui soll das Smartphone zudem schneller sein als die Android-Konkurrenz.

Auch optisch lässt sich eine Ähnlichkeit mit dem Branchen-Primus von Apple nicht abstreiten. Beim Metallrahmen und der Kunststoffrückseite im Aluminium-Look haben sich die Designer eindeutig vom iPhone inspirieren lassen. Doch das iPhone lediglich zu kopieren ist nicht Xiaomis Ziel. Laut Lei Jun sei das Mi4 „besser als das iPhone“ und selbst das „Weiß ist weißer.“ Zumindest an Selbstbewusstsein mangelt es dem Einsteiger nicht.

Neben dem Smartphone kündigte man auch direkt ein Fitnessarmband für knappe 10 Euro an. Das „Mi Band“ zeichnet Schritte und Informationen zum Schlafverhalten auf und kann auch mit dem Smartphone interagieren. Mit einem solchen Preis können die Konkurrenzprodukte bei weitem nicht mithalten. Somit könnte das also der perfekte Einstieg für die Firma im internationalen Markt sein – vorausgesetzt das Gerät hält technisch, was es verspricht.

Googlelos im eigenen Land

Auch wenn das Smartphone auch in China auf Android basiert, gibt aufgrund der dortigen Internet-Zensur kaum Google-Apps. Angebote wie Google Maps, YouTube aber auch Plattformen wie Facebook und Twitter sind in der Volksrepublik gesperrt. Mit dem Vordringen in den internationalen und vor allem westlichen Markt, wird es also auch interessant, inwiefern ein problemloses Integrieren vieler hierzulande beliebten Apps umgesetzt werden kann. An der nötigen Expertise dafür fehlt es nicht. Hugo Barra, ehemaliger Vize-Chef bei Android, wechselte bereits im letzten Sommer zum chinesischen Newcomer und ist nun dafür verantwortlich, dass die geplante globale Expansion auch funktioniert. Die Markteinführung in Russland, Brasilien, Indien und der Türkei ist bereits bekannt gegeben. Ob es noch in diesem Jahr ein Xiaomi-Smartphone in Deutschland geben wird, ist bisher noch unklar.

Dass sich Xiaomi aber derzeit in einer guten Position befindet, wurde spätestens in den vergangenen Monaten klar. Eine Top-Ten-Liste der erfolgreichsten Smartphones im Mai 2014 beinhaltete bereits zwei Produkte des chinesischen Herstellers. Auf den verbliebenen Plätzen tummeln sich nur Produkte von Apple und Samsung – andere asiatische Konkurrenten wie HTC und Huawei blieben außen vor. Insgesamt scheint Xiaomi sich wirklich zu einem ernsthaften Konkurrenten für die Branchenriesen zu mausern. Die Optik stimmt und, viel wichtiger noch, auch das Innenleben ist konkurrenzfähig. Der größte Vorteil dürfte aber der Preis sein: mit einer 16-Gigabyte-Version zu einem Preis von umgerechnet 239 oder der 64-Gigabyte-Version für 299 Euro kann man Apple und Samsung klar abhängen. Gerade in China feiert diese Billig-Politik einen riesigen Erfolg – iPhone-Modelle sind dort für den Großteil der Menschen nicht bezahlbar. Gleichzeitig verzichtet Xiaomi auf groß angelegte Werbekampagnen, vertreibt die Modelle hauptsächlich in kleinen Stückzahlen über das Internet. Der Preis ist es, der Medien und Kunden gleichermaßen über Xiaomi sprechen lässt. Es scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis das erste Xiaomi-Smartphone auch in Europa ankommen wird. Einen Gewinner dieses am Horizont nahenden Dreikampfs im Smartphone-Markt gibt es schon: den Technik-Fan.

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