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XBOX ONE – Der Kampf um das Wohnzimmer

Date Posted: 26 Mai, 2013

Nicht nur der FC Bayern München und Borussia Dortmund haben aktuell um den Thron gekämpft – auch Xbox One und PlayStation 4 tun dies. Dabei habe ich noch immer Bill Gates im Kopf. Nicht, weil ich ihn sonderlich verehren würde – nein, er rief schon zu Anfang des Jahrtausends den Kampf ums Wohnzimmer aus. Es war der Zeitpunkt, als die erste Xbox – also jene, die ich gerne als „Xbox Eins“ bezeichne – der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Mit der Xbox 360 wurde der Kampf nochmals intensiviert. Nun – jetzt kämpft man mit HighTech.

„Xbox, on!“ Ein Déjà-vu

Deshalb war die kurze und knackige Xbox Reveal-Show am Dienstagabend ein echtes Déjà-vu für mich. Als Don Mattrick da plötzlich „Introducing Xbox One“ sprach, dachte ich „Huh?! – gibt es nun erstmal eine Box-Historie?“ Denkste: Die nennen die neue Generation tatsächlich Xbox One. Nicht weil‘s die erste Xbox ist, sondern weil‘s die erste Konsole ist, die alles unter einer Klavierlackfront vereint, was so nach Microsofts Gusto ins Wohnzimmer gehört: Games, Filme, Bilder, Musik und Skype. Das alles per Gesten und Sprache steuerbar. Das muss man so erstmal kommunizieren. Bisher galt das Credo, durch eine Ziffer am Namensende mehr Aktualität zu signalisieren.

„Sony nennt das Ding PlayStation 3?“

„Hey, dann nennen wir’s Xbox 360. Ha!“

Offenbar hat Microsoft das jetzt nicht mehr nötig. Dafür gibt es um so mehr TV, Sports und „Call of Duty“, wie dieser witzige Zusammenschnitt demonstriert.

Ja, das neue ONE steht für „All-in-One“ – jetzt stimmt’s wirklich. Nach der Reveal-Show wusste ich: Zumindest die PlayStation 3 ist ab Herbst 2013 in meinem Wohnzimmer überflüssig. Xbox One hat ein Blu-ray-Laufwerk. Denn Blu-ray schaue ich deutlich häufiger mit der PS3, als ich dort Games spiele. Bis auf exklusive Perlen wie „Heavy Rain“ oder „God of War“ natürlich. Multiplattformspiele zocke ich auf der Xbox 360. Mag den Controller einfach lieber. Die restlichen Specs der Xbox One gibt es hier, hier und hier nachzulesen. Betrachten wir nun, was Microsoft da überhaupt kommunizieren wollte und kommuniziert hat.

„Xbox, watch TV!“ Das war Effizienz

Zunächst wollte der Windows-Konzern den Japanern von Sony mal zeigen, wie effizient eine Reveal-Show sein kann. Es dauerte genau sechs Minuten, da war die Konsole im Bild. Rekord! Ganz ohne Diagramme und Marketing-Mantra im Vorfeld.  Da wurde die gestrige Entscheidung, wer von Heidi Klums Mädels im Finale ist, deutlich länger rausgezögert…

Um 20.03 Uhr war die Show zu Ende. Wie von Major Nelson auf Twitter angekündigt: eine knappe Stunde. Ebenfalls Rekord. Nun folgte eine wahre Coverage-Flut: Die Bilder der neuen Xbox-Hardware (Controller, Konsole und Kinect) sind omnipräsent. Wollen Redaktionen auch Sony einbinden, müssen sie sich weiterhin mit einem Bild des Controllers zufriedengeben. Mehr hat Sony noch nicht gezeigt.

Auch inhaltlich setzte Microsoft auf das Gegenteil der Sony-Präsentation. Bei Sony ging’s um Spiele. Bei Microsoft um Hardware – und was sie kann. TV, Multimedia und Bedienung bekamen genau so viel Platz, wie die Spiele. Das ist mehr als Zufall. Es ist eine Ansage: Die Xbox One sieht nicht nur so aus wie eine Settop-Box. Sie will Humax und Co. aus dem Wohnzimmer vertreiben und die PlayStation 4 davon abhalten, zukünftig wieder in den Lowboards unter großen Flatscreens zu stehen. Immer wieder fielen die Worte TV und Sports.

Und ich wette: Die PlayStation 4 wird ganz anders aussehen als die Xbox One.

Microsoft timte die Veröffentlichung minutiös. Schon vor einigen Wochen wurden auswählte Medien nach Redmond gebeten, um sich die Xbox One anzusehen. Diese Berichte gingen parallel zur Präsentation online. Diese Medien bekamen schon im Vorfeld alle Informationen, die auch auf dem Reveal-Event kundgetan wurden. Spiegel Online oder Wired hatten genug Zeit, die Artikel ausladend auszuarbeiten, sodass Dienstagabend, Punkt 19 Uhr umfangreiche Xbox One-Artikel online gehen konnten. Clever. All die Twitteratis, Live-Blogger und Echtzeit-Journalisten hatten im Netz genug Links, auf die sie verweisen und die sie teilen konnten. So war die Berichterstattungsdichte auf allen Kanälen enorm.

„Xbox, go home!“  Hoffentlich nicht

Die Diskussionen, die umgehend einsetzen, hatten genug Brennstoff. Sie waren keinesfalls so negativ wie im Falle der PS4-Präsentation. Immer wieder wird vom Kampf ums Wohnzimmer geschrieben und gesprochen. Ich vermute: Er ist eine Vorentscheidung. Die Xbox One ist in puncto Design, Hardware und auch angekündigten Features nun wirklich die Eierlegendewollmilchsau, die schon Xbox und Xbox 360 sein sollten. Wenn Sony nicht noch ein paar Killer-Features aus dem Hut zaubert, wird der einzige Grund, zur PS4 statt zur Xbox One zu greifen, ein exklusives Spiele-LineUp sein.

Es sei denn, all die Horrormeldungen über missachtete Privatsphäre werden wahr… dann disqualifiziert sich die Xbox One bei mir. Wäre schade.

Zudem hat die Xbox One-Präsentation ihr erstes Social-Media-Phänomen: den Call of Duty-Dog. Direkt, nachdem der Kampfschäferhund in Call of Duty: Ghosts zu sehen war, eröffnete ein Witzbold einen Satire-Twitter-Account im Namen des Vierbeiners. Hintergrund: Quasi ein Aufschrei gegen die Innovationslosigkeit der CoD-Serie. Schon direkt nach der Eröffnung brachte er es auf knapp 5.000 Follower. Jetzt sind es bald 20.000.

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