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Wenn Image (doch nicht) alles ist

Date Posted: 26 Oktober, 2012
Ipad mini
Wer zweifelt eigentlich daran, dass das geschrumpfte iPad ein Erfolg wird? Bild: Apple

Haben Sie’s schon gehört?  Die haben das iPad geschrumpft! Und schon wird in meinem Bekanntenkreis Apple nicht mit Birnen, sondern mit dem Kontostand verglichen. Aber mit solchen Mätzchen komme ich in meinem faszinierten Freundeskreis nicht weiter: Für die meisten meiner Bekannten zählt nur die Frage „Soll ich oder soll ich nicht?“. Nach dem Warum fragt keiner. Hardware-Leistung oder gar Preis-Leistung? Nö. Ich finde, derart Ordinäres prallt an Apple ab. Aber nicht mehr mit so großem Schmackes wie in den Jahren zuvor. Dennoch besitzt Apple dank eines klasse Image nach wie vor den unglaublichen Luxus keine Hardware verkaufen zu müssen – was da ab nächster Woche in den Apple-Stores liegen wird, ist das Aluminium gewordene „Begehrenswerte“. Ein iPad mini mit LTE und 64 Gigabyte Speicher für 659 Euro – das ist Luxus –aber nicht unerreichbar. Das ist für den Normalverdiener Grenzgebiet. Und Grenzen testen wir doch alle gerne aus.

Wer sich jetzt noch mit dem Kindle Fire HD im ICE Frankfurt-Köln blicken lässt, hat keine Ausreden mehr. Ich bin mir sicher: Nur ein einziges Low-Budget-Produkt aus dem Hause Apple und die Luxus-Magie würde zur allzu weltlichen Marke. Das wird so schnell aber nicht passieren, denn schon für das Weihnachtsgeschäft wird Apple ein Rekordumsatz vorausgesagt. Mal wieder. Das Image des angebissenen Apfels ist noch immer alles.

Aber warten Sie mal: Da war doch ein neuer Spieler in der Tablet-Stadt. Microsoft Surface. Okay, das geht nicht so leicht von den Lippen wie iPad. Ist auch bei Weitem nicht so entwaffnend selbsterklärend wie iPod. Aber es kann was, das Surface. Nicht nur oberflächig betrachtet – auch innerlich. Dennoch schwebt über dem Surface der dunkle Schatten des kolossal gescheiterten Zune. Ich erinnere mich gar nicht mehr genau, wie das Gerät überhaupt aussah. Microsoft und Hardware – dieses Image hat Kratzer. Werden die Konsumenten diesmal vernünftig darüber informiert, was das Gerät kann? Denn genau das muss Microsoft tun. Hier reicht es nicht, einfach mal eine Nachricht mit dem Inhalt „Wir haben euch was zu zeigen“ zu verschicken, wie das Apple bezüglich iPad Mini tat. Bei einem Preis von 679 Euro für das 64-Gigabyte-Modell sehen wir aber auch: Ein Einsteiger-Image möchte sich Mircosoft keinesfalls zulegen. Zumindest im Hardware-Bereich. Ob das fruchtet, müssen wir wohl abwarten, denn der Erfolg des Surface steht und fällt mit dem von Windows 8. Das wird deutlich günstiger verkauft.

Steve Ballmer
Mircosofts Steve Ballmer bläst zur Attacke. Man setzt sozusagen alles auf eine Kachel. Bild: Microsoft

Apropos Windows 8. Da wurde diese Woche in Berlin mehr als eine bloße Software gezeigt. Das ist auch keine bloße Bedienungsrevolution. Das ist eine Offensive. Auch fürs Image. Wenn Sie mich fragen, plant Microsoft da ein bisschen mehr wie Apple zu werden. Und Windows 8 steht im Mittelpunkt. Metro-Design auf allen Kanälen: Windows Phones werden durch Berührungen gesteuert, das Surface sowieso und vor Xbox 360 Kinect im Kachel-Design fuchteln wir ja schon länger herum. Ein geschlossenes Ökosystem. Wie weit Microsoft für diesen Imagewechsel bereit ist zu gehen, sehen wir daran, wie erstaunlich man sich doch mit der bisherigen Basis – den Desktop-Usern – anlegt. Denn ob ich zukünftig diesen Blog am Schreibtisch durch Touch-Bedienung gestalten möchte, muss sich erst noch herausstellen. Denn bis jetzt hat Microsoft in meinem Empfinden noch ein Schreibtisch-Image.

Wie sieht das bei Ihnen aus? Schon erste Erfahrungen mit Windows 8 gemacht?

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