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Was heißt die Abkürzung tl;dr?

Date Posted: 4 März, 2015
tl;dr
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Das Internet ist voller neuer Begrifflichkeiten und Abkürzungen. Besonders häufig stolpern Internet-Nutzer über die Abkürzung tl;dr. Speziell für Autoren gehört die Abkürzung tl;dr bereits zum festen Vokabular. Ein Erklärung für die Abkürzung findet sich deshalb recht selten. Als Kommunikations-Agentur sehen wir es als unsere Pflicht den tl;dr-Ausdruck zu übersetzen. tl;dr ist nämlich ein Akronym und steht für „too long; didn’t read“ (zu lang; nicht gelesen).

Wie kommt es zu der Abkürzung tl;dr?

Auf dem Daten-Highway geht es schnelllebiger und kurzweilig zu sich. Die Aufmerksamkeitsspanne des Nutzers ist meistens recht kurz, und damit auch die Geduld sich mit langen Texten auseinanderzusetzen. Das Interesse des Netzakrobaten muss möglichst schnell geweckt werden, um ihn für längere Zeit an den eigenen Inhalt zu binden. Das kann sich mitunter als schwierig erweisen, da wichtige Themen nicht immer als Video, Bild oder kurzer Text abgehandelt werden können. Ungeduldige Leser haben natürlich schnell einen Ausdruck gefunden, um darauf aufmerksam zu machen, dass ein Text zu lang für ihren Geschmack ist. In den Kommentaren wird patzig die Abkürzung tl;dr gepostet und der Inhalt ignoriert – man habe keine Zeit für ausschweifende Prosa.

Was bedeutet die Abkürzung tl;dr innerhalb eines Artikels?

Autoren von Internet-Artikeln reagierten prompt. Um den Lesegewohnheiten der Besucher entgegenzukommen, haben die Redakteure damit angefangen am Ende eines Artikels eine kurze Zusammenfassung des Inhalts zu schreiben. Nach der Abkürzung tl;dr wird die Quintessenz des Artikels in wenigen Worten wiedergegeben. Abgeschaut wurde diese Verwendung der Abkürzung vor allem bei den Beiträgen in Foren. Das „too long; didn’t read“-Kürzel markiert die Stelle, die jedem Leser die Gelegenheit gibt den Inhalt in 1-2 kurzen Sätzen aufzunehmen. Sascha Lobo beispielsweise tut das bei jeder seiner Kolumnen auf Spiegel Online.

Ist tl;dr ein wichtiges Text-Feature geworden?

Schuld an der tl;dr-Entwicklung sind aber nicht nur die Leser, sondern auch das veränderte Leseverhalten durch das Überangebot von Inhalten im Internet. Web-Nutzer lesen nicht mehr Wort für Wort, sondern scannen Texte nach einem bestimmten Ablauf, wie der dänische Forscher Jakob Nielson herausfand. Dadurch ist es gar nicht möglich, dass alle wichtigen Informationen hängen bleiben. Eine kurze Zusammenfassung am Ende kann also durchaus hilfreich sein – für eine exakte Auseinandersetzung mit komplexen Themen reicht sie selbstverständlich nicht.

Welche Konsequenzen lassen sich aus dem Kürzel tl;dr ziehen?

Hier gibt es zwei Seiten der Medaille: Es ist eine Kunst, sich kurz zu fassen. Wer ein Thema in wenigen Worten zusammenfassen und wiedergeben kann, hat seinen Inhalt in der Regel sehr gut verstanden und sich Gedanken über seinen Beitrag gemacht. In sozialen Netzwerken wie Twitter wird sogar auf die Begrenzung von 140 Zeichen gepocht – populäre Twitter-Accounts, die nicht von Prominenten geführt werden, sind deshalb so beliebt, weil sie regelmäßig auf den Punkt sind – trotz der Zeichenbegrenzung der Kurznachrichten-Plattform. Das sind Witze, allgemeine Beobachtungen oder Kritiken an bestimmten Sachverhalten. Die Kommunikation über Twitter ist durch die Kürze der Nachrichten zwar schneller, aber macht sie in manchen Fällen auch schwieriger. Missverständnisse führen zu Auseinandersetzungen. Deren Lösung über Twitter zu schaffen, glückt allerdings in den seltensten Fällen, denn zum wirklichen Argumentieren reichen 140 Zeichen bei weitem nicht aus.

 

tl;dr: Sich kurz fassen zu können ist eine Kunst, die man beherrschen sollte. Allerdings ist es manchmal ebenso wichtig, Dinge auszuformulieren.

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