Videoplattform Vessel: echte YouTube-Konkurrenz?

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Die neue Videoplattform Vessel versucht YouTube den Thron als Videoplattform Nummer Eins streitig zu machen. Mit exklusiven Lizenzverträgen mit Universal und Warner, schlägt das Unternehmen aus San Francisco einen neuen Weg ein. Die exklusiven Videos erreichen Nutzer von Vessel bis zu 72 Stunden früher als auf anderen Plattformen. Wer den Service nutzen möchte, muss mit einem kostenpflichtigen Abo-Modell Vorlieb nehmen: Vessel kostet in den USA 2,99 Dollar im Monat.

Exklusivität als USP für Vessel?

Hinter Vessel (zu Deutsch: Behältnis) steckt unter anderem der ehemalige Hulu-CEO Jason Kilar. Zum Start kooperiert die Video-Plattform mit mehr als 150 Partnerfirmen, darunter Internet-Video-Netzwerke wie Machinima, Funny or Die und Buzzfeed. Als Finanzpartner gewann das Portal unter anderem Amazon-Chef Jeff Bezos, der mit Amazon Instant Video ebenfalls einen Streaming-Service anbietet. Während YouTube diesem Jahr Musik-Streaming-Services mit Music Key angreift, bekommt die Plattform namhafte Konkurrenz auf ihrem eigenen Spezialgebiet.

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Kann die Exklusivität für Videos gewährleistet werden?

Ob Vessel die versprochene Exklusivität überhaupt gewährleistet, steht bislang noch aus. Selbst auf YouTube laden Nutzer täglich zahlreiche illegale Rips hoch. Bislang unterhält das Portal täglich mehr als eine Milliarde Nutzer. In jedem Fall entsteht durch Vessel eine neue Konkurrenz-Situation für YouTube. Kooperationspartner Universal sieht darin eine besondere Chance für Künstler finanzielle Mittel für ihre Kunst zu erhalten. Vorausgesetzt, es gibt genügend Nutzer, die diese Inhalte überhaupt exklusiv sehen und bezahlen wollen.

Was Vessel kreativen Video-Schöpfern bringt

Neben exklusiven Inhalten für Nutzer, zielt die neue Video-Plattform vor allem auf die Rekrutierung von YouTube-Stars. Die bekanntesten YouTuber leben bereits von ihren Einnahmen. Mit Vessel, dessen Exklusivität, dem vorgestellten Abo-Modell und zusätzlicher Werbung, könnten Sie zukünftig höhere Einnahmen generieren als auf Googles Dienst. Das versprechen zumindest die Macher der neuen Plattform. Nach eigenen Schätzungen generieren Video-Ersteller auf Vessel circa 50 Dollar für 1.000 Views. Insgesamt erhalten Macher dann 60% der Abo-Einnahmen und 70% der Werbeeinnahmen, prozentual verteilt nach Sehzeit. Geht die Rechnung auf, verdienen Kreative bis zu 15% mehr als auf YouTube.

Welche YouTube-Stars wagen den Umstieg?

Für YouTube-Stars besteht ein geringes Risiko, wenn sie Vessel erstmal ausprobieren wollen. Die Exklusivität dauert lediglich 72 Stunden, danach teilen sie sie einfach auf YouTube und anderen Plattformen. Vessel muss von Beginn an Erfolg versprechen, ansonsten bleiben YouTuber auf ihrer vertrauten Plattform. Hinzu kommt: Sind (besonders junge) Zuschauer gewillt, plötzlich Geld für etwas zu zahlen, dass sie bis jetzt völlig kostenlos erhielten? Für YouTuber lohnt ein Umzug nur, wenn die Einnahmen nicht einbrechen. Vessel steht noch ganz am Anfang, doch auch unter Druck – immerhin sagte man dem Branchenspitzenreiter den Kampf an. In den Vereinigten Staaten wechselten gewann das Unternehmen den Komiker Shane Dawson und die Gruppe Good Mythical Morning. Beide Kanäle unterhalten auf YouTube mehr als sechs Millionen Abonnenten.

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Vessel und YouTube im direkten Vergleich

Neben dem Abo-Modell, das den offensichtlichsten Unterschied zu YouTube darstellt, gibt es vor allem optische und funktionale Unterschiede zwischen den Plattformen. Vessel setzt auf eine moderne, klare Benutzeroberfläche und wirkt auf den ersten Blick übersichtlicher als YouTube. Empfohlene Videos erscheinen größer und lenken direkt Aufmerksamkeit auf sich. Weniger im Fokus stehen die Kommentare, die ihr Dasein recht weit unten fristen. Gerade die Kommentare zeichneten YouTube (wenn nicht immer positiv) aus und erschufen einen individuellen Community-Charakter.

Inhaltlich liegt der Fokus der neuen Videoplattform bislang voll auf den USA. Noch ist nicht klar, ab wann exklusive, deutsche Inhalte auf der Plattform erscheinen. Trotz des attraktiven Verdienst-Modells für Video-Macher, ist es fraglich, ob Vessel YouTube vom Thron schubsen kann. Der Erfolg steht und fällt mit der Verpflichtung bekannter Internet-Video-Größen und dem Willen der Fans für 72 Stunden Exklusivität zu zahlen. Da viele YouTube-Kanäle nicht von Tagesaktualität leben, bringt Exklusivität möglicherweise keine großen Vorteile.

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