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Verspieltes Deutschland: Videospiele auf dem Weg zum Kulturgut

Date Posted: 2 April, 2014
Bild: www.gamespress.com

Während Filme bereits seit Dekaden als Unterhaltungsmedium generationenübergreifend in der Gesellschaft angekommen sind, wurden digitale Unterhaltungsmedien bislang noch nicht in gleichem Umfang akzeptiert. Zu Unrecht, wie die jährlichen Milliardenumsätze der Industrie beweisen. Zwar existiert neben den Hauptabsatzmärkten wie dem amerikanischen und asiatischen Markt noch immer ein starkes Gefälle, Europa holt jedoch immer stärker auf. Laut einer aktuellen Studie der Bundesstelle Interaktive Unterhaltungsmedien e.V. verzeichnet vor allem Deutschland starken Spieler-Zuwachs. Ist der gesellschaftliche Durchbruch in Deutschland bereits geschehen?

Digitale Unterhaltung boomt

Für die Ergebnisse der am 10. März 2014 veröffentlichten Studie des BIU wurden im Konsumentenpanel durch die GfK 25.000 Deutsche repräsentativ befragt. Daraus ging hervor, dass zu Beginn des aktuellen Jahres die Nutzerzahl für digitale Spiele auf 46 Prozent anstieg, was 34 Millionen Menschen in Deutschland entspricht. BIU Geschäftsführer Dr. Maximilian Schenk sieht das als Beweis dafür, dass digitale Spiele schon längst ein Massenmedium sind. Auch sieht er Spiele als Leidenschaft sowie Kulturgut. Weiter bezeichnet Schenk Videospiele mittlerweile als festen Bestandteil des modernen Familienlebens. Den deutlichsten Anstieg zeigte die Studie bei täglichen Nutzern. Mit einem Plus von rund 31 Prozent auf insgesamt 13,5 Millionen Menschen wuchs die Zahl der täglichen Nutzer erheblich an. Besonders bemerkenswert: Die Altersgruppe über 50 wuchs im Vergleich zum Vorjahr um 12 Prozent an.

Kulturgut Videospiel

Die Zahlen des BIU belegen, dass Videospielen gerade in jüngster Vergangenheit ein bedeutender Schritt in die gesellschaftliche Mitte gelungen ist. Digitale Unterhaltung wird fortlaufend zum konsensfähigen Medium für alle Gesellschaftsschichten und Altersklassen. Eine Verlagerung vom einstigen Nerdtum zum Mainstream geschieht mit zunehmender Verbreitung von Soft- und Hardware. Einen großen Anteil daran haben die sich immer größerer Beliebtheit erfreuenden Casual-Games wie beispielsweise das Browser-Game „Die Siedler Online“. Durch den einfachen und vor allem schnellen Spieleinstieg bietet diese Sparte der Videospielbranche auch Nichtspielern die Chance, Videospiele problemlos und ohne Mehraufwand in die Freizeitgestaltung einzubeziehen. Das deutlichste Anzeichen für diesen Trend setzen die Studien-Zahlen für die Altersgruppe 50plus. Der erhebliche Anstieg zeigt, dass auch im vermeintlich hohen Alter eine durchaus große, ernstzunehmende Nachfrage an Videospielen besteht. Gerade alte Klassiker oder digitale Adaptionen realen Kinderspielzeugs aus der eigenen Jugend verleiten jene Kunden zum Spielen. Ein passendes Beispiel liefert die Digital-Abteilung des Puzzle-Herstellers Ravensburger. Mit der App „Ravensburger Puzzle“ schafft ein greifbares Medium, das Kinder und Erwachsene bereits seit mehreren Jahrzehnten zu begeistern weiß, ohne Qualitätsverlust den Sprung in die digitale Welt.

Damit befindet sich das Medium Spiel auf einem ähnlich steinigen Weg, wie ihn heute etablierte Medien schon hinter sich haben. Film, Fernsehen oder das Internet vor dem Jahrtausendwechsel wurden in ihrer Anfangszeit von der Gesellschaft stets kritisch betrachtet und mit Vorurteilen überschüttet. Gerade in der Adaption von Veränderungen die ihrer Zeit weit voraus sind, zeigt sich die Gesellschaft nicht selten von ihrer grundskeptischen Seite. Maßgebende Faktoren hierfür sind damals wie heute mangelnde Aufklärung und Kommunikation. Es gilt den Menschen als „Gewohnheitstier“ aus seiner Komfortzone herauszuholen und aufzuklären, um ein gesellschaftliches Umdenken einzuleiten. Ein Auftrag, dem der Blog von Publisher Electronic Arts bereits seit Jahren aktiv nachkommt. Dabei trägt Autor Martin Lorber dazu bei das Medium Computer- und Videospiele in der Gesellschaft zu verankern, Debatten zu versachlichen sowie Bedeutung, Chancen und Möglichkeiten in der Öffentlichkeit zu thematisieren.

Die Videospiel-Industrie steht für Innovation, großartige Erlebnisse und einen Unterhaltungswert für jede Altersgruppe. Wir, die wir manchmal etwas neidisch auf die Märkte in Amerika und Asien hinüberblicken, in denen Videospiele längst als Kulturgut anerkannt sind, betrachten die Ergebnisse der BIU-Studie mit Wohlwollen. Das Spielen gehört ohne Zweifel zur menschlichen Natur. Sei es das aufwendige High-End-Spiel, ein simples Minispiel für zwischendurch oder das Puzzle auf dem iPad – Videospiele kennen heute mehr denn je keinerlei Altersgrenzen oder Schranken.

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