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Ultimative Kommunikation

Date Posted: 5 April, 2012

Im Moment haben wir einen Praktikanten bei uns, der sich für die Abläufe und die Arbeitsweise in unserer Agentur interessiert. Anhand seiner Schilderungen über die Sportart Ultimate Frisbee stellten wir uns folgende Frage:

Was verbindet PR und Sport gleichermaßen? Kommunikation. Darum nehmen wir das Thema in Form eines Erfahrungsberichtes an dieser Stelle in den Blog auf:

Ich arbeite derzeit hier und spiele Ultimate Frisbee. Erst die Wenigsten werden davon gehört haben: Ultimate Frisbee ist ein amerikanischer Newcomer-Sport, der durch Schnelligkeit und Athletik jeden Zuschauer in seinen Bann zieht. Was auf dem Feld im Spiel von Kommentatoren als „eleganter Sport“ umschrieben wird, hält ein hohes Maß an Teamgeist und Kommunikation zwischen den einzelnen Spielern aber auch mit ihren Coaches bereit. Man kann sogar sagen, dass diese Sportart ohne Kooperation und Kommunikation erst gar nicht möglich ist…

Am vergangen Wochenende hatte ich  ein Trainingslager der Deutschen Mixed Nationalmannschaft, mit der ich neben einigen Trainingsturnieren in Gent, Genf und Amsterdam im Juli diesen Jahres auch an den Weltmeisterschaften in Sakai, Japan, den WUGC 2012 teilnehmen werde. Das Trainingslager fand auf dem Sportgelände des ASV Köln statt.

Die Trainier hatten uns im Vorfeld bereits oft ans Herz gelegt, viel untereinander zu kommunizieren und uns Nachrichten per SMS oder Facebook zu schreiben. So würden wir uns besser kennenlernen und der Zusammenhalt des Teams würde gestärkt werden. Dies sei eine wichtige Grundlage für das gemeinsame Spiel auf dem Feld.

Noch vor dem eigentlichen Training, dessen Beginn auf Samstagmorgen, 09:00 Uhr terminiert war, trafen wir uns mit den Trainern am Abend zuvor, um das Team zu sammeln und einige Maßnahmen des Teambuildings bei einem gemütlichen Abendessen durchzuführen.

Ein Aspekt dieser Teambuildingmaßnahmen war zum Beispiel das Übertragen von Verantwortung: Jedem Spieler und jeder Spielerin wurde eine Aufgabe erteilt, die er bzw. sie auf jedem Trainingslager und Turnier bis nach den Weltmeisterschaften zu erfüllen habe. Die „Jobtitel“ folgen alle auf Englisch, weil wir zum Teil englischsprachige Teammitglieder haben und die Begriffe auf englisch wesentlich eingänglicher sind.

Die Motivationleader und Spiritleader hatten zum Beispiel zur Aufgabe, das Team im Falle eines missglückten Spielzuges oder einer Turnierniederlage wieder zu motivieren, eine positive Einstellung und gute Stimmung im Sinne des Respekts untereinander und gegenüber den gegnerischen Teams zu verbreiten. Denn der Fokus auf den nächsten Spielpunkt ist in solchen Situationen besonders wichtig, nicht das Kopfzerbrechen über das was zuvor falschgelaufen ist.

Ein Meal-and-Transportation-Coordinator bekam zur Aufgabe, nach den Trainings- und Turniertagen für eine Gaststätte und eine Transportmöglichkeit zu sorgen, die das ganze Team zu dieser befördern sollte.

Einer unserer Mitspielerinnen wurde aufgetragen, als Jersey Coordinator die Bestellung und das Austeilen der Teamtrikots zu übernehmen.

Solche und weitere Aufgaben wurden auf alle Spieler, die auf diese Weise emotional noch mehr an ihr Team gebunden wurden, verteilt. Dies hatte zum Ziel, die Handlungsbereitschaft der Teamkollegen zu steigern und die Wichtigkeit der Eigeninitiative als Mitglied einer Nationalmannschaft hervorzuheben. Auf einen Nenner gebracht bedeutete es also, dass ab diesem Moment jeder Spieler für das Wohlergehen seines eigenen Teams ein Stück weit verantwortlich war.

An den beiden folgenden Tagen trainierten wir hart: Auf dem Trainingsplan standen viele neue Spieltaktiken. Für mich als Rookie der Nationalmannschaft war dieses hohe Maß an Input eine völlig neue Erfahrung. Klar, mir gelang nicht alles beim ersten Versuch, häufig unterliefen mir bei der Positionierung auf dem Spielfeld Fehler. Aber die Kritik, die ich und auch andere Spieler dafür von den Trainern bekamen, war stets konstruktiv und an jeden Spieler individuell angepasst. Ab und zu wurde man zur Seite genommen, der Fehler wurde erklärt und man bekam sofort einen Tipp, wie es das nächste Mal besser zu machen wäre. In den betreffenden Spielsituationen wurden den einzelnen Spielern sogar Anweisungen vom Spielfeldrand zugerufen. Wenn man es dann geschafft hatte, einen Fehler zu beheben, gab es zumeist auch eine positive Rückmeldung.

Im Verlaufe des Wochenendes herrschte zu jedem Zeitpunkt ein reger Austausch zwischen den Trainern und ihrem Team. Jeder von uns nahm den Eindruck mit, ihnen wirklich am Herzen zu liegen. Sie scherzten, lachten und trainierten mit uns, sodass Ihre übergeordnete Rolle nicht als unangenehm empfunden wurde. Es entstand viel mehr der Eindruck einer großen Familie, in der Jeder seinen Platz hat. Auf jeden wurde Rücksicht genommen und keiner blieb aus dieser Gemeinschaft ausgeschlossen.

Als ich sonntagabends völlig ausgepowert und mit Muskelkater auf dem Heimweg war, dachte ich noch lange über das Trainingslager und das Team nach. Es bestand zwar ein großer Leistungsdruck, besonders für die, deren Spielerfertigkeiten nicht mit denen der erfahrenen Spieler zu vergleichen war. Aber dennoch hatte keiner damit zu kämpfen, denn die Trainer und anderen Spieler schafften es immer, die richtigen Tipps zu geben und nach jedem zu sehen, sodass er oder sie niemals alleine spielerische Unzufriedenheiten zu bewältigen hatte.

In einem heutigen Unternehmen stellt Kooperation sowie Kommunikation eine vergleichbare Relevanz dar und ist somit ausschlaggebend für dessen Erfolg. Auch hier gibt es Teams, in denen jedes Mitglied eine klar definierte Aufgabe hat. Nur, wenn diese Aufgabe verantwortungsbewusst getragen und erfüllt wird, kann das Unternehmen dem Druck des Marktes standhalten. Verläuft die Kommunikation mangelhaft oder gar nicht, droht dem Team die Niederlage und das Unternehmen wird sich nicht lange auf dem Markt halten können.

Ich bin froh und zugleich stolz, ein Teil eines so fantastischen Teams zu sein – heute bereits in der Mixed Nationalmannschaft des Ultimate und in der Zukunft hoffentlich in einem ebenso tollen Unternehmens-Team.

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