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Causa Hoeneß – PR-Nebelbombe als Friendly Fire

Date Posted: 26 April, 2013

Irgendwann in der Nacht auf Dienstag ging es los: Schockierte BVB-Fans posteten es in den sozialen Netzwerken: „Götze geht zu den Bayern!“ Einige wähnten einen makaberen Scherz. Andere mahnten zur Ruhe. Vielen aber dämmerte es bereits: Super-Mario wird bald in Weißbier duschen und Lederhosen tragen. Eigentlich – so könnte man glauben – Transfer-Hammer, Mega-Nachricht und Skandal zugleich. Wie es doch so viele in der Welt des modernen Fußballs gibt. Doch die Meldung ist wahrscheinlich weit mehr: ein PR-Coup. Das glaubt nicht nur wildcard. Selbst Dortmunds Trainer Jürgen Klopp hält die Sache für keinen Zufall: „Jeder kann sich vorstellen, warum das jetzt geschehen ist.“

Die Causa Hoeneß soll entschärft werden. Dazu greift der FC Bayern anscheinend zu zwei Kommunikationsmaßnahmen: In einem Exklusiv-Interview Reue zeigen und eine Nachricht lancieren, die Hoeneß von den Titelzeilen verdrängen soll. Natürlich gibt es zumindest für den zweiten Teil keinen Beweis dafür, dass es sich hier um bewusst gesteuerte Krisenkommunikation des FC Bayern handelt, doch die Ablenkungstaktik kennt wohl jeder von uns: Die Aufmerksamkeit des anderen gezielt auf eine zweite Person lenken.

PR-Nebelbomben werfen

Die Nebelbombe hilft nicht immer.
© Vadym Tynenko

Falls die Nachricht von den Münchenern tatsächlich vorsätzlich an die BILD gegeben wurde, um damit von der Steueraffäre des Uli Hoeneß abzulenken, funktionierte der Coup nicht, wie gewünscht. Zwar war Hoeneß für einige Stunden aus dem Schussfeld, doch die Steueraffäre und der Kauf Mario Götzes für 37 Millionen Euro kombiniert, entwickelte sich schnell zu einem doppelten Image-Schaden – zumindest außerhalb der Anhängerschaft des FC Bayern. Die jubelt natürlich – haben sie doch in der Saison 2013/2014 das wohl aktuell größte deutsche Fußball-Talent in ihren Reihen.  Wer Hoeneß oder dem FC Bayern zuvor die Macht des Kapitals vorwarf, sieht sich nun allerdings bestätigt. Zumal Hoeneß noch vor wenigen Wochen davor warnte, in der Bundesliga dürfe es keine spanischen Verhältnisse geben.  „Es gibt ein großes Leistungsgefälle in der Liga. Das kann uns nicht recht sein. Wir müssen analysieren, warum das so ist“, sagte Hoeneß dem Kicker.

Für seine Kritiker ist das nun glasklar: Glauben kann man dem kein Wort. Die viel bessere Krisen-PR war der Kantersieg des Teams über den FC Barcelona am Dienstagabend. Dummerweise war Hoeneß selbst im Stadion anwesend und ließ sich jubelnd fotografieren. Nicht gerade das, was PR-Profis in einer solchen Situation raten: Entschuldigen, abtauchen und Zeit gewinnen.

Krisen-PR für Götze?

Nach Bekanntgabe hätte eigentlich Mario Götze Krisen-PR nötig gehabt. Am Dienstag brach ein Shitstorm über den 20-jährigen herein. Sekündlich hagelte es schwerste Schmäheinträge auf seiner Facebook-Seite. Schon Mittags konnten erboste Fans keine Einträge mehr auf seiner Pinnwand vornehmen – die Funktion wurde abgeschaltet. Also stürzte man sich auf die neusten Bilder Mario Götzes und kommentierte dort. Sein Bild  aus Paris vom Evonik Stand von der in-cosmetics-Messe bringt es auf über 15.000 Kommentare. Die wenigsten davon sind schmeichelhaft.

Die passende Krisen-PR lieferte dann das Gespann Klopp-Götze selbst: Der Trainer, indem er offen alle BVB-Anhänger aufrief, den Frust zuhause zu lassen, um die Mannschaft ausnahmslos zu unterstützen. Der Spieler, indem er zurückhaltend einlief und furios aufspielte.

Die Wogen der Empörung im Falle Götze glätten sich. Ob es bei Uli Hoeneß ebenfalls funktioniert? Warten wir es ab.

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