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Tidal – der neue Stern am Musik-Streaming-Himmel?

Date Posted: 10 April, 2015

„Tidal is the future of music“ – eine vollmundige Ankündigung eröffnet die Pressekonferenz des neuen Musik-Streaming-Dienstes Tidal in der letzten Woche. Hinter dem Service steckt Rapper Jay-Z, der den norwegischen Streaminganbieter Wimp aufkaufte und daraus Tidal machte – für verhältnismäßig günstige 50 Millionen Dollar. Neben Jay-Z präsentierten sich Madonna, Rihanna, Beyoncé, Usher, Kanye West und andere große Popstars als Teilhaber des Streaming-Dienstes. Tidals Alleinstellungsmerkmal: verlustfreie, hohe Klangtreue, HD Musik-Videos, exklusiv kuratierte Inhalte und Megastars.

Tidal
© Tidal

Das Businessmodell von Tidal

Exklusivität und Star-Power hat seinen Preis. Jay-Z und Co. verlangen für eine Premium-Mitgliedschaft monatlich 9,99 US Dollar. Dieses Modell beinhaltet allerdings nicht den Genuss von verlustfreier, klangtreuer Musik, sondern lediglich Standard-Audio-Qualität. Für die gehobene Variante und bessere Musikqualität, werden 19,99 US Dollar fällig. Der gute Gedanke dahinter: höhere Erlöse für Musiker, die Teil des Projektes sind – hier hat sich speziell Spotify nicht mit Ruhm bekleckert. Dass die exklusiven Stars zum größten Teil zu den Top-Verdienern der Branche gehören, stößt dagegen sauer auf.

https://www.youtube.com/watch?v=egShCjfvi9s

Wird Tidal echte Konkurrenz für Spotify?

Rein optisch sind die Unterscheidungsmerkmale zur großen Konkurrenz wie Spotify gering. Sortierungen nach Genres, Erstellen von Playlists und das Definieren von Favoriten ist bekannt. 2014 hatte Spotify 60 Millionen Nutzer – 15 Millionen bezahlen davon die Gebühr für das Premium Upgrade. 45 Millionen sind Free-User. Diese Option gibt es bei Tidal gar nicht erst. Für Tidal spricht die hohe Klangqualität, dagegen der hohe Preis. Zudem stellt sich die Frage, inwiefern eine solch hohe Klanqualität von Nutzern gewünscht ist? 45 Millionen Free-User zahlen keine 9,99 US Dollar und hören Musik in 160kbps-Qualität. Die Prozentzahl an Nutzern, die für Tidal tiefer in die Tasche greifen muss, schätzen Experten als sehr gering. Für Streaming unterwegs ist Musik mit einer so hohen Datenrate ebenfalls (noch) nicht geeignet.

Tidal
© Tidal

Superstars und Exklusivität – reicht das?

Eine Bühne voll mit hochrangigen und weltbekannten Musik-Stars – das ist durchaus beeindruckend. Über Ostern erhielten Tidal-Hörer bereits erste Exklusiv-Titel von Rihanna und Beyoncé. Bei Tidal wird geplant, ganze Alben exklusiv auf der Plattform laufen zu lassen. Die Definition und Länge dieser Exklusivität ist dabei nicht bekannt. Fängt Tidal nicht direkt Feuer, nützen die großzügigen Zahlungsmodelle für die Künstler nichts. Der Hashtag #fucktidal zeigt bereits, dass Fans der Musiker auf sozialen Netzwerken wenig von dieser Form der Exklusivität halten.

Neue Konkurrenz von Apple: Beats Music

Neben Spotify kommt in diesem Jahr weitere Konkurrenz dazu. Apple kündigte an, den Streaming-Service Beats Music zu starten. Apple besitzt einen großen, zahlungswilligen Kundenstamm und eine standardmäßige Integration in Apple-Hardware bedeutet bereits vom Start an viele (potenzielle) Kunden. Mit Zugriff auf mehr als 20 Millionen Songs konkurriert man ebenfalls direkt mit Branchen-Primus Spotify. Zumdindest technisch wirkt Apples Service dem von Jay-Z überlegen. Tidals wirkliches Alleinstellungsmerkmal bisher ist die Star-Power und eine erzwungene Exklusivität, die Nutzer nach ersten Reaktionen für eher mäßig interessant halten. Ob große Namen und das Versprechen, dass Nutzer mit ihren Stars durch Tidal in Kontakt kommen können ausreichen, um ein Erfolg zu werden?

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