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System-Seller Royal Baby: Der königliche Nachwuchs in den Medien

Date Posted: 26 Juli, 2013

Wenn die britische Zeitung „The Sun“ ihren Titel zu „The Son“ ändert, kann das nur eines bedeuten – endlich ist das Royal Baby da! Kate und William durften am Dienstag freudestrahlend vor den Eingangsbereich des Sankt-Mary-Krankenhaus‘ in London treten und den kleinen George Alexander Louis der Medienwelt präsentieren. Wer glaubt, dass auch nur eine Sekunde des gesamten Baby-Spektakels zufällig war, der irrt. Die gesamte Schwangerschaft der ursprünglich bürgerlichen Kate war ein Medien- und Handelsereignis der Triple-A-Kategorie – zumindest im Boulevard. Zeitungen, Magazine, Websites, Blogs, TV, Handelsketten, Souvenir-Hersteller – ja selbst Twitter und die Designerin von Kates Kleid profitieren davon. Vor allem das Königshaus selbst: Der Royal Baby-Online-Shop ist eröffnet.

Royal Baby: Ein Twitter-Thema

Zeitweise gab es mehr als 25.000 Tweets pro Stunde zum Royal Baby. Diese Twitteratis sitzen mitnichten nur im Vereinten Königreich oder dessen Ex-Kolonien. Das britische Königshaus ist international sehr beliebt. Beliebter denn je. Die Weltpresse berichtete ausschließlich positiv. Woran liegt’s? Ich würde sagen: beste PR. Es wäre problemlos möglich, sich Charles, Harry, William, die Queen und auch Kate in einem typischen Soap-Vorspann vorzustellen. Da sind alle Rollen bestens besetzt: Komplotte, Skandale, Rebellion, Traumhochzeiten und unglaubliche soziale Aufstiege. Schaffen es die niederländischen, spanischen oder schwedischen Monarchen lediglich Boulevard-Magazine alter Schule, sind William und Kate Dauergast in hippen und erfolgreichen Blättern wie inTouch. Und was sah sie wieder gut aus, die frische Mutter. Das blau-gepunktete Kleid von Designerin Jenny Packham ließ deren Seite zeitweise zusammenbrechen. Keine Frage: Was Kate trägt, das wird ein Top-Seller. Jetzt, mit Restbabybauch, den sie stolz zeigt, leistet sie zudem unschätzbar wertvolle PR für die Monarchie. Kate stammt nicht nur aus bürgerlichen Verhältnissen – sie bewahrte sich auch diese Geisteshaltung. Wie wenig Angriffsfläche Kate und William gerade mit ihrem Understatement-Auftritt am Dienstag den Kritikern bieten, zeigen die Aussagen der anti-royalen Joan Smith, deren größtes Problem mit der Monarchie aktuell das Geschlecht des Kindes zu sein scheint. Ja, die Royals sind eine Soap, die immer gesendet wird. Kate ist der Link in die Mitte der (internationalen) Gesellschaft. Das Royal Baby der Quotengarant.

Das Royal Baby bietet extrem viele Ansatzpunkte, um Content zu generieren. Ihr lest gerade einen solchen – doch davon ab: Da wird  der Verwandtschaftsgrad analysiert, zum 1000. Mal über die deutschen Wurzeln der Windsors geschrieben, Williams Mode gelobt und natürlich auch viel Hohn und Spott über die sozialen Netzwerke geschickt. Kress zitiert da meine persönliche Twitterperle des Tages:  Der Bub wiegt 8 Pfund, das sind umgerechnet 9,32 Euro. #RoyalBaby @RalfdeRaffe

Royal Baby: Ein boulevardeskes Thema

Doch gerade in den deutschsprachigen Teilen der sozialen Netzwerken zeigt sich, welche Bedürfnisse das Royal Baby bedient. Auch wenn der Spross Themen wie Prism diese Woche aus den großen Publikumsmedien verdrängte – in den sozialen Netzwerken sieht es anders aus. Denn der am besten gerankte Beitrag zum Royal Baby bei 10.000 Flies ist diese Woche auf Platz sieben zu finden. Dass dieser vom Satire-Blog Der Postillon stammt, ist bezeichnet. Erst auf Platz 24 findet sich der nächste Royal Baby-Beitrag. Diesmal einer von RTL.de. Artikel, die sich ganz ohne Humor um das Royal Baby drehen, werden offenbar nicht gerne auf Facebook oder Google+ geteilt. Der Grund? Liest die Zielgruppe nur und teilt nicht? Offenbar geben Fußball und Prism mehr Anlass zu Diskussionen, da Beiträge mit dem Inhalt die Top 20 bestimmen. Das Royal Baby ist außerhalb Twitters ein passives Medienthema, Prism hingegen eines, das starke Aktivität verursacht.

Wer es in den nächsten Tagen kommunikativ nutzen möchte, sollte das bedenken.

UPDATE:

Heute schrieb auch  Uwe Mommert über den royalen Rausch auf medienrot.de. Sehr lebenswert!

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