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Studie behauptet: Facebook-Konsum ruft Neid hervor

Date Posted: 22 Januar, 2013

Seien Sie mal ehrlich: Wie oft empfanden Sie beim Durchscrollen Ihrer Facebook-Freundesliste Neid? Glaube ich einer Studie der Technischen Universität Darmstadt und der Humboldt-Universität zu Berlin, dann trifft das auf rund 30 Prozent von Ihnen zu. Besonders gefährdet sind Sie, wenn Sie ein sogenannter Passiv-Konsument sind – also nur gucken und selbst nichts einstellen. Die Studie präzisiert die Erkenntnis: Es handelt sich in sozialen Netzwerken um „Freizeit-Neid“.

An erster Stelle der Neidobjekte liegt in Deutschland sowohl offline als auch online das Themenfeld „Reisen und Freizeit“. „Dies wird durch die vielen geposteten Urlaubsfotos begünstigt, die besonders unter deutschen Facebook-Nutzern beliebt sind“, sagt Dr. Thomas Widjaja von der TU Darmstadt. Die Missgunst bezieht sich also auf alles, was Ihre Freunde nach Feierabend so tun. Das Problem: Da auch aktive Nutzer nicht gegen Neidgefühle immun sind, starten die Betroffenen eine „Mein Leben ist total klasse“-Gegenoffensive. Ergo: Viele stellen ihr Leben positiver dar, als es tatsächlich ist. So entsteht ein Blender-Pingpong, das – je nach Vernetzungsgrad – extreme Selbstdarstellungsauswüchse annehmen kann. Nun ja, Neid muss man sich bekanntlich verdienen.

Ist Glück auf Facebook teilbar?

Ich habe meine Freundesliste daraufhin mal kritisch überprüft – übrigens auch mein eigenes Posting-Verhalten. Ich fürchte, die Damen und Herren aus Darmstadt und Berlin haben zumindest nicht unrecht. Ich frage mich gleichzeitig, ob Facebook auch den gegenteiligen Effekt haben kann. Rufen negative Statusmeldungen mehr Empathie oder mehr Schadenfreude hervor? Ich werde da mal drauf achten. Wahrscheinlich ist das der Dschungelcamp-Effekt: Freunde, die zuvor besonders hell blendeten, gönnt man auch mal den tiefen Fall. Wieso? Weil es ihnen vermeintlich besser ging, als uns selbst – der Gipfel der Ungerechtigkeit! Etwas niederträchtig, aber alles allzu menschliche Emotionen.

Sollten Sie jetzt partout nicht verstehen, über welche Gefühlszustände ich im letzten Absatz schrieb, dann schlüpfen Sie in Sandalen und ein weißes Gewand – Sie haben das Potenzial heilig gesprochen zu werden. Das folgende Heiligen-Posting wird mindestens 30 Prozent Ihrer Facebook-Freunde so richtig neidisch machen. Das ist wissenschaftlich bewiesen.

Übrigens: Die Wissenschaftler wollen die Studie fortsetzen, um „die Auswirkungen der Facebook-Nutzung auf Neidgefühle und deren Konsequenzen in verschiedenen Kulturen“ zu untersuchen.

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