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Erst leihen, dann vielleicht kaufen: Startup Lumoid als Trendsetter?

Date Posted: 25 April, 2014
Bild: © alexisdc – Fotolia.com

Es ist eine Lebenseinstellung, die viele bestimmt von ihren Eltern oder Großeltern vermittelt bekamen: Dinge werden erst gekauft, wenn das notwendige Geld dafür vorhanden ist. Sie stammt aus einer Zeit, in der Kredite, Finanzierungen oder andere auf die Zukunft ausgelegte Zahlungsvarianten in der Gesellschaft fernab jeglicher Akzeptanz existierten. Einer repräsentativen Umfrage des Bankenfachverbandes in Kooperation mit der GFK, dem größten deutschen Marktforschungsinstitut, zufolge nutzten im letzten Jahr 40% der Befragten zum Umfragezeitpunkt bereits mindestens eine Finanzierungsmöglichkeit. Ein Startup-Unternehmen aus San Francisco widmet sich dem Schritt vor dem Kauf eines Konsum- oder Luxusguts. Die Geschäftsidee basiert auf dem Prinzip der Leihe und könnte dem Technik-Sektor einen neuen Impuls geben.

Ausprobieren statt investieren

Das Geschäftskonzept von Lumoid, so der Name des Unternehmens, soll den Begriff des Besitzes unterhöhlen. Der Besitz an einem technischen Gerät wird durch den Zugang ersetzt. Lumoid soll nach Aussagen von Gründerin Aarthi Ramamurthy für Gadgets und Co. das erreichen, was Visionen wie Uber und Spotify für Autos und Musik erreicht haben. Das bedeutet: Ramamurthys Unternehmen funktioniert ähnlich einem monatlichen Abo-Modell, wobei Hersteller basierend auf dem Leihverhalten und abschließenden Fazit des Nutzers sowohl belohnt als auch bestraft werden. Bislang beschränkt sich Lumoid noch auf den Kamera-Sektor. Neben GoPro-Kameras werden auch Objektive verliehen. Dabei versucht Ramamurthy einen ähnlichen Weg zu gehen wie es beispielsweise von Baumärkten bekannt ist. Anstatt eine Maschine zum Abschleifen des alten Fußbodens für den einmaligen Gebrauch zu kaufen, wird sie schlicht für die benötigte Zeit gemietet. Ähnlich gestaltet sich das Bild bei Kameras und Objektiven. Nicht nur dass beide sehr kostenintensiv in der etwaigen Anschaffung sein können, so werden auch insbesondere Objektive oft nur in bestimmten Situationen gebraucht. Zum Preis von acht bis 18 US-Dollar verleiht Lumoid sowohl Kameras als auch die zugehörigen Objektive. Die Zukunft ihres Unternehmens sieht Ramamurthy jedoch im Segment der Gadgets, Wearables, Spielekonsolen oder sogar 3D-Druckern und beweist dabei ein Auge für den aktuellen Zeitgeist. Aufgrund des stetig wachsenden Angebots innerhalb der Technik-Branche ist es beinahe unmöglich, alle Produkte einmal auszuprobieren, geschweige denn einem realistischen Alltagstest zu unterziehen, um einen authentischen Eindruck des Geräts zu bekommen. Testexemplare in Händlerregalen sowie Unboxing- und Testvideos auf Videoportalen wie Youtube sind in diesem Fall zwar eine nette Sache, jedoch kein wirklicher Ersatz. Mit Lumoid können Interessenten sowohl das favorisierte als auch die diversen Konkurrenzprodukte für den Bruchteil des jeweiligen Kaufpreises ausprobieren. Gefällt das entliehene Gerät, kann es sogar mit Mitglieder-Ermäßigung gekauft werden.

Förderung der „Generation Pump?“

Bei aller Freude über die Möglichkeit, Gadgets bald vor dem Kauf richtig ausprobieren zu dürfen, sollten die Gefahren der Idee nicht unerwähnt bleiben. So gesellschaftstauglich Finanzierungen, Kredite und Co. heute auch sind, muss auch erwähnt werden, dass es sich um Geldschuld handelt, die beglichen werden muss. Die zunehmende Verschuldung zieht bereits auf Staatsebene beängstigende Kreise und erreicht die Privathaushalte ebenfalls immer öfter. Unternehmen wie Lumoid sind dabei mitnichten die ersten und werden auch nicht die letzten Vertreter ihrer Zunft sein. Der Weg zum nächsten Konsumgut scheint generell immer einfacher zu werden. Finanzierungsmodelle sind zunehmend auf den Kunden zugeschnitten, um ihn möglichst schnell zum nächsten Kauf zu bewegen. Die damit einhergehende finanzielle Selbstüberschätzung der Privatperson ist lediglich eine konsequente Folge dieses Trends. Erschafft sich die Wirtschaft also gerade eine „Generation Pump“, die blindlinks von einer Verpflichtung in die nächste rennt – eine Generation der Besitzvollen und Eigentumsarmen? Das sind Fragen, die an dieser Stelle nicht endgültig geklärt werden können, aber in diesem Kontext zweifelsohne gestellt werden müssen.

Unter den Tech-Freaks in unserer Redaktion weckte Lumoids Geschäftsmodell durchweg positive Reaktionen. Die Idee klingt spannend und sollte der monatliche Obulus auch noch einigermaßen im Verhältnis zur gebotenen Leistung stehen, würden wir uns freuen das Start-Up auch in Europa begrüßen zu dürfen. Gemessen an der Akzeptanz der Userschaft vergleichbarer Unternehmen, sehen wir eine durchaus große und entsprechend passende Marktlücke für Lumoid.

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