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Springer hat Angst vor Google – ich auch?

Date Posted: 30 April, 2014
Bild: wildcard

Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer SE, schrieb einen Brief – einen öffentlichen Brief – der enorme internationale Aufmerksamkeit erregte. Der Inhalt ist an Google-Verwaltungsratsvorsitzenden Eric Schmidt gerichtet und hat einen bisher einmalig ehrlichen Inhalt: Döpfner gibt darin als erster deutscher Top-Manager zu, was bisher nur Netz-Aktivisten oder Verschwörungstheoretiker zum Besten gaben – die Angst vor der geballten Marktdominanz des Google-Imperiums. Döpfner setzt die Axel Springer AG – immerhin eines der mächtigsten europäischen Medienhäuser– ins Verhältnis zu Google und kommt zum Schluss, dass sich „David und Goliath“ hier nicht auf Augenhöhe begegnen – was ich prinzipiell nicht verwunderlich finde, da auch die historisch bedachten Figuren von David und Goliath qua Körpergröße schon nicht auf Augenhöhe waren. Springer brauche Google, Google aber nicht Springer. Sind wir überrascht?

Die enorme Abhängigkeit bereite Döpfner, wie auch vielen anderen Entscheidern in großen Verlagen, starke Bauchschmerzen.  Den wirklich langen Brief gibt es nun in voller Länge auf FAZ Online zu lesen. Zudem gibt es in der Blogosphäre auch ordentlich Kontra. Hier möchte ich mich vielmehr selbst fragen, ob auch ich Angst vor Google habe und den Ball dann an unsere Blogleser weiterspielen.

Ich habe es gegoogelt

Wir hatten in der Vergangenheit bereits über das LSR, Google Glass und das Image Googles gebloggt. Vor allem im letztgenannten Beitrag aus dem Januar 2013 wünschte sich wildcard CEO Georg Reckenthäler eine breite gesellschaftliche Debatte über Machtblöcke, wie Google einen solchen faktisch darstellt. Warum diese aber nicht wirklich stattfinden, mag auch daran liegen, dass es den meisten Bürgern dann doch egal ist. Dies zeigt auch die jüngst von der GfK im Auftrag der ebenfalls bei Springer beheimateten WELT durchgeführten Untersuchung. 76,9% der befragten Bürger antworteten auf die Frage, ob sie nach dem NSA-Skandal ihren Umgang mit Daten geändert haben, mit „Nein“. Auf die Frage, warum das nicht geschah, antworteten die meisten, sie hätten nichts zu verbergen. Warum? Nicht jeder verfügt über ein übergreifendes gesellschaftliches Engagement, sich für Dinge einzusetzen, die ihn direkt (noch) nicht betreffen. Das ist menschlich. Erst, wer persönlich von etwas betroffen ist, zeigt in der Regel eine wirkliche Reaktion. Genau so ist das auch im Falle von Döpfners Brief: Die Axel Springer SE ist direkt betroffen. Mathias Döpfner fürchtet Nachteile. Große Nachteile. Entsprechend laut ist sein Aufschrei. Als Kommunikationsagentur haben wir glücklicherweise eine sehr hohe Achtung vor und sehr enge Bindung zu den Kollegen im Journalismus, dürfen aber auch die Gegebenheiten des Marktes für unsere eigenen Stärken einsetzen. Kampagnen, die wir über PR oder Digitaldialog leiten, werden von den Kunden per Google Analytics ausgewertet. Google ignorieren hieße fahrlässig agieren.  So hat mich schon lange kein Kunde gefragt, wie denn sein Ranking bei Ixquick oder bei Wolfram Alpha sei. Weshalb sich Google auch in unserer Branche dominant durchsetzen konnte, beschreibt beispielsweise der geschätzte Don Dahlmann auf seinem Blog.

 Google im Stimmungstief

Aber auch für einen Großkonzern wie Google können vermeintlich kleine Veränderungen in der Personalstruktur zu heftigem Wellengang in den Medien führen. Auslöser für die aktuell kursierende Berichterstattung ist der Weggang von Vic Gundotra, dem Google Plus-Vater. Mit diesem Abgang dreht sich das Personalkarussell innerhalb des Unternehmens. Rund 1000 Mitarbeiter sollen von einer Umstrukturierung betroffen sein und zukünftig in anderen Sparten eingesetzt werden. Während Arbeitskräfte lediglich neu positioniert werden, sehen viele Medien darin bereits den Untergang des Social Network Google Plus. Eine Fehl- Einschätzung, wie beispielsweise Sascha Pallenberg von mobilegeeks.de findet. Und auch die Statistik zeichnet ein positives Bild: Google+ ließ im Social Media-Ranking sogar Twitter hinter sich und musste lediglich Facebook passieren lassen.

Google – auch in der Kommunikation das Maß vieler Dinge

Um die eingangs durch mich selbst gestellte Frage zu beantworten, ob ich Angst vor Google habe? Nein. Ich gehe mit meinen eigenen Daten sensibel um. Ich veröffentliche keine Bilder meines Sohnes oder meine Urlaubstermine. Andererseits, im Telefonbuch auffindbar war ich bereits vor Google. Die Begründung ist so ehrlich wie logisch: Ich habe in meinem direkten Umfeld noch keine negativen Erfahrungen mit, wegen oder in Google machen müssen. Die Vorteile überwiegen bisher deutlich. Sollte sich das einmal ändern, werde ich meine Meinung überdenken? Wie steht es bei Euch.

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