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Sony und die PlayStation 4: PR im Windschatten der Konkurrenz

Date Posted: 6 Dezember, 2013
Bild: Sony

Es ist vollbracht. Die neue Ära im Bereich der Videospiele wurde mit den Heimkonsolen Xbox One und PlayStation 4 auch endlich in Europa vollends eingeläutet. Am letzten Freitag im November dieses Jahres feierte Sony zu Ehren ihres neuen Flagschiffs eine große Release-Party in der deutschen Hauptstadt. Prominente Fernseh- sowie Youtube-Sternchen gaben sich die Klinke in die Hand und rund 1000 neue Konsolen fanden einen neuen Besitzer. Gründe für Feierlichkeiten gab es aus der Sicht des japanischen Elektronik-Riesen Sony genug. Während wir letzte Woche den Weg der Xbox One von der Ankündigung bis hin zum Release der Konsole aus PR-Sicht rekapitulierten, beleuchten wir zum Wochenabschluss Sonys PR-Arbeit.

Steilvorlagen von Microsoft

Um den Kampagnenverlauf der PlayStation 4 metaphorisch auszudrücken, bietet sich ein kurzer Exkurs in die Welt des Fußballs an. Ein Spieler spielt seinem Mitspieler den Ball im besten Fall ideal zu, sodass dieser den Ball in aussichtsreicher Position in Richtung Tor schießen kann. Diesen Pass nennt man im Fachjargon eine (Tor-)Vorlage. Bis auf die Tatsache, dass Sony und Microsoft wohl nie in einem Team zusammenspielen werden, bringt die Metapher das PR-Wechselspiel der beiden Großkonzerne in diesem Jahr wohl am treffendsten auf den Punkt.

Von Anfang an: In der Nacht vom 20. auf den 21. Februar gab Sony offiziell die ersten Informationen über die neue PlayStation-Generation an die Öffentlichkeit. Auf einer Pressekonferenz sprachen die Japaner über die Pläne, Features und Architektur der neuen Konsole. Ein paar Spielszenen und Tech-Demos rundeten das Aufgebot für den Abend ab. Obwohl die Konsole selbst nicht zu sehen war und auch die großen Überraschungen ausblieben, war die Community im Nachgang erstaunlich ruhig. Der erste Ausblick auf die nächste Generation entschädigte für fehlende Highlights und man wusste genau, dass das richtige Feuerwerk erst auf der wichtigsten Entertainment-Messe im Spielebereich, der E3, gezündet wird. Sony war in der Next-Gen-Ära angekommen – jetzt konnte Microsoft kommen.

Microsoft kam, präsentierte und erntete harsche Kritik. Nicht nur, dass die Präsentation der XBOX ONE neben der Konsole selbst beinahe ausschließlich die TV-Funktionen der Konsole herausstellten, kam Microsoft auch in den Folgewochen bis zur E3 nicht aus den Negativ-Schlagzeilen. Die neue Gebrauchtspielphilosophie, der Onlinezwang und die Funktionen des neuen Kinect-Sensors sorgten für extreme Aufruhr innerhalb der Spielergemeinde. Die Folge: Die PlayStation 4 wurde selbst für eingefleischte Xbox-Fans eine echte Alternative. Mit Sonys großem Auftritt auf der E3 rechnete allerdings bis dato niemand.

 

Die kalendarische Mitte des Jahres ist für Videospieler bereits ein kleiner Vorgeschmack auf Weihnachten. Wenn im Juni in L.A. die Tore zur Electronic Entertainment Expo (kurz E3) öffnen, werden die Augen vieler Gamer größer und die Brieftasche perspektivisch kleiner. Hier wird bereits gezeigt, was in naher Zukunft in den Laufwerken rotiert. Traditionell geben die „Big Three“, also Microsoft, Sony und Nintendo mit den jeweiligen Pressekonferenzen den Startschuss für das Zocker-Eldorado. Während in den Jahren zuvor die Vorfreude auf die Messe die Berichterstattung prägte, waren Microsofts inzwischen bestätigte Einschränkungsmaßnahmen für die neue Konsole das Reizthema der Medien. Daran konnte eine im Vergleich zum Vorjahr sehr starke Pressekonferenz ebenfalls nichts ändern.

Sony als Vollstrecker

Hinzu kommt, dass Sony mit der eigenen Pressekonferenz den Finger in die klaffende PR-Wunde Microsofts legte. Auf der Bühne bezog Sony, in Person von Präsident und CEO von Sony Computer Entertainment of America Jack Tretton, erstmals Stellung zu Microsofts Plänen. Binnen weniger Minuten distanzierte sich Tretton stellvertretend für Sony von allen Plänen Microsofts und erklärte, dass auf der PlayStation 4 genau jene nicht umgesetzt werden. Die PlayStation 4 wird ohne Online-Zwang, ohne etwaige Gebrauchtspielgebühren oder fragwürdige Kopierschutzmaßnahmen in den Handel kommen. Dabei benutzte teilweise dieselben rhetorischen Mittel und Begrifflichkeiten wie die Konkurrenz und sorgte für den vorläufigen Vorbeimarsch des Unternehmens. Microsofts Vorlage war somit versenkt. Das große Finale dieser Rede war der um 100 Dollar/Euro billigere Verkaufspreis. Und das Publikum? Die Anwesenden Journalisten umjubelten in diesen Minuten beinahe jeden Satz des CEOs und setzten partiell sogar zu Sprech-Chören an. Noch im Zeitraum der Messe veröffentlichte Sony zudem ein kurzes Video, welches die Gebrauchtspielthematik noch einmal aufnahm und Microsoft einen weiteren Seitenhieb verpasste. Dass dieses Video auf Youtube zum Running-Gag avancierte, versteht sich in der heutigen Zeit beinahe von selbst.

Konkurrenzbeobachtung ist wichtig

Aus unternehmerischer Sicht ist das Vorgehen Sonys mit Sicherheit ein Paradebeispiel in puncto Marketing und Unternehmenskommunikation und zeigt, dass eine umfassende Beobachtung der Konkurrenz im eigenen Segment ein elementarer Bestandteil eines jeden Unternehmens sein sollte. Zugegeben: Solch einfache und zugleich große Chancen, einen großen Coup gegenüber der Konkurrenz zu landen, werden im Normalfall nicht allzu oft auftreten. Und doch dient Sonys Verhalten als gute Vorlage dafür, wie man solche Chancen erkennen und nutzen kann. Social-Media-Kanäle wie Twitter, Facebook oder Youtube werden gerade in Zeiten der Unzufriedenheit von der breiten Masse genutzt, um dem eigenen Unmut kund zu tun und sich von Gleichgesinnten in der Meinung bestätigen zu lassen. Um solche Shitstorms richtig einzuschätzen und auch die teils komplexen Facetten des Sozialen Netzwerks zu verstehen, ist Monitoring ein grundlegend wichtiger Punkt. Mit Themen des Social-Media-Alltags wird nicht immer so umgegangen wie man es vielleicht im Vorfeld erwartet. Hinter Kommentaren auf den einschlägigen Plattformen steht pro User immer mindestens eine Meinung zum aktuellen Thema. Somit muss die Entwicklung innerhalb der Kommentare genauestens beobachtet werden, um einen aufkommenden Shitstorm möglichst schnell erkennen und entkräften zu können. Im Hinblick auf Sony hat sich beispielsweise der Mut, die von der Community kommunizierten Aufreger hinsichtlich der Konkurrenz offen anzusprechen, in einer sehr erfolgreichen Pre-Launch-Phase zu Buche niedergeschlagen. Die Konsole findet seit der E3 großen Anklang bei der Kundschaft und auch das Unternehmen profitiert seither von der positiven Grundstimmung in der öffentlichen Wahrnehmung. Dabei war die Social-Media-Aktivität seitens Sony abseits des erwähnten Youtube-Videos und den Seitenhieben auf der E3 sowohl davor als auch danach praktisch nicht vorhanden. Man nutzte die Gelegenheit einmalig, landete den PR-Treffer, zog sich dann schnell wieder zurück und ließ die Community feiern.

Es lohnt sich also, die Konkurrenz auf dem Markt genau zu analysieren und persönliche Stärken dadurch aufzubauen oder zu festigen. Vielleicht ist eine Vorlage des Mitbewerbers bereits auf dem Weg und muss nur noch verwandelt werden.

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