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Shareconomy: Alles ist teilbar – nur die Null nicht

Date Posted: 8 März, 2013

Shareconomy – was ist das? Vor allem ein Kunstwort, ein Begriff, der kommunikativ noch ziemlich leer ist. Aktuell nutzen ihn Unternehmen und die Medien noch nach Belieben. So kann das nicht bleiben. Füllen wir ihn zunächst mit etwas Humor.

Stellen wir uns mal folgendes Szenario vor: Zwei ehemalige Schulkameraden – Abi-Jahrgang 2013 – treffen sich zehn Jahre später auf der Straße. Der eine zückt wie im Sparkassen-Spot-Klassiker direkt drei Bilder: „Dein Haus! Dein Auto! Deine Frau!“ Sein Gegenüber zeigt sich überrascht: „Ach so funktioniert das mit der Shareconomy? Dann überleg‘ ich mir das auch mal.“ Teilen wir bald alles mit unseren Mitmenschen? Online wie offline?

Shareconomy – Besitz war gestern

Das Startup Friendsurance hat eine Infografik zur deutschen Shareconomy gebastelt.
Bild: Friendsurance

Shareconomy – der Leitgedanke der jüngst zu Ende gegangenen CeBit – könnte den Grundstein für Jubelschreie jeglicher „Sozialromantiker“ werden. Sicher, die eingangs beschriebene Szene ist überspitzt und Thema unseres heutigen Communicartoons – aber ist eine solche Szene wirklich unmöglich? Heute teilen die Digital Natives online wie selbstverständlich Wissen. Sie teilen Musik. Unternehmen teilen dank ihrer Social-Media-Kommunikation Wissen direkt mit den Konsumenten. User teilen ihre Erlebnisse in sozialen Netzwerken – und hier klopfen wir schon an die Tür zur Offline-Welt: Crowdfunding, Car-Sharing, Bike-Sharing – das kostet noch Geld. Partnertausch gibt’s schon länger. Legal und illegal, dafür aber kostenlos. Und auf RTLII.

Die interessante Frage ist nun: Wird sich das Online-Modell der Shareconomy zukünftig entwickeln? Die CeBit zeigte: Jeder Stand, egal wie klein, hatte irgendwo ein Cloudsystem oder ein kleines Wölkchen in seinen Broschüren abgebildet. Das Ding ist Thema. Es wird überall diskutiert. Zustimmend und eher skeptisch. Selbst die Kanzlerin hat ihre Meinung.

Denn der Gedanke zu teilen, ist einer der ältesten der Menschheitsgeschichte. Das berühmteste Beispiel wurde sogar so populär, dass es gemalt wurde und heutzutage jedem bekannt ist: das Abendmahl. Auch wenn es über die Jahre immer Zeiten gab, in denen auch weniger geteilt wurde, wie zum Beispiel der Wohlstand zu Zeiten der Renaissance oder das letzte Stück Pizza, um das sich meine Freunde gestern Abend gestritten haben, ist Nächstenliebe sicher kein verkehrtes Modell. Ich möchte jetzt nicht Sankt Martin spielen – aber ab und an mal über diesen Ansatz nachdenken, schadet nichts. Doch jetzt existiert mit dem Internet ein Mechanismus, der erstmals alle Menschen an diesem Prozess beteiligen könnte. Zumindest theoretisch.

Shareconomy – schon historisch gescheitert?

Mancher witzelte auf der Messe, dass der Versuch Shareconomy zu betreiben, historisch gescheitert ist. In der Sowjetunion und der DDR habe das Modell doch zu einem sehr überschaubaren Erfolg geführt. Diese Aussage wurde natürlich nonchalant mit Gelächter begleitet. Klare Sache.

Also, wie können wir in Zukunft alle „Shareconomisten“ werden?  Ohne wenig später „Die Mauer muss weg“ zu rufen? Wenn selbst der Gedanke, Wissen und Informationen zu teilen, für viele Menschen noch sehr gewöhnungsbedürftig ist? Die Akzeptanz dieses Konzepts bedarf wohl noch etwas Zeit, der Gedanke des Teilens muss sich in den Köpfen der Menschen weiter etablieren. Das Motto der CeBit 2013 ist somit eher als neuer Lifestyle aufzufassen und nicht als Aufforderung Zahnbürste und Unterhose dem Kollegen zu sharen.

Ich für meinen Teil werde es so halten wie bisher: Ich teile Informationen über das Netz mithilfe meiner Dropbox, Facebook oder per E-Mail. Meine Gedanken teile ich übrigens auch ganz gerne.

Was zukünftig passieren wird? Lassen wir uns überraschen, denn fest steht: Nur eines lässt sich nicht teilen – das ist die Null.

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