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Share Economy auf dem Vormarsch

Date Posted: 6 November, 2014
© Rawpixel - Fotolia.com
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Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland und Österreich täglich über 850 Fahrräder gestohlen. Insbesondere in Großstädten ist der „Bequemlichkeitsdiebstahl“ beliebt, bei dem ein Fahrrad spontan geklaut und nach einer kurzen Strecke herrenlos abgestellt wird. Dieses Problem wird mit Share Economy gut umgangen, indem ausleihbare Fahrräder an verschiedenen zentralen Orten bereitstehen und nach der gefahrenen Strecke am Zielort für einen neuen Kunden abgestellt werden. Der Konzeptname: Bikesharing. Doch nicht nur bei Fahrrädern macht dieses (Geschäfts-)Modell Sinn, sondern auch in vielen anderen Situationen.

Teilen ist in unserer Gesellschaft kein beliebtes Konzept. Ob bei Autos, Bücher, Kleidung, Wohnungen oder etlichen andere Dingen, Share Economy ist in nahezu allen Lebenslagen umsetzbar und trotzdem wird es in Deutschland noch eher selten genutzt. Die Möglichkeiten von Share Economy sind immer noch recht unbekannt und sogar der Begriff selbst ist vielen nicht geläufig: Laut einer für Spiegel-Online durchgeführten GfK-Studie haben von rund 2000 Befragten gut 84 Prozent keine Vorstellung, was mit Share Economy überhaupt gemeint ist. Je älter die Befragten waren, desto weniger Kenntnisse über das gemeinschaftliche Teilen sind vorhanden. Diejenigen, die Share Economy kennen, haben primär Wissen über oder Erfahrungen mit Carsharing (55,5 Prozent).

Statt ein eigenes Auto zu besitzen und die damit verbunden Umstände bezüglich Steuer, Versicherung und TÜV in Kauf zu nehmen, setzen bereits 757.000 Deutsche laut einer Statista.com-Statistik auf Carsharing. Warum sind andere Bereiche der Share Economy wie Couchsurfing und Airbnb in Deutschland unbekannter? Das Marketing von Carsharing ist der entscheidende Punkt: Alle für Carsharing aufbereiteten Autos sind mit großen Aufklebern als solche gekennzeichnet. Dem entgegen stehend sieht man einem Urlauber, der eine private Zimmervermietung anstatt eines Hotels in Anspruch nimmt den Unterschied nicht an.

Ein weiterer Clou dieses Carsharing-Geschäftsmodells ist, dass die Autos nicht örtlich fixiert sind, sondern auf einem beliebigen Parkplatz abgestellt werden können. So sind sie nahezu überall vorzufinden. Das zu Anfang aufgeführte Bikesharing funktioniert genauso.

Nahezu grenzenlose Share-Möglichkeiten

Nicht nur Mobilität kann geteilt werden. Die Anzahl von Geschäftsideen im Zuge von Share Economy wächst weiter an. Mittlerweile sind zahlreiche Unternehmen in Unterkünften, Geld-, Waren-, und Essensangelegenheiten sowie in der Modewelt zuhause. So ist es beispielsweise möglich, auf dem Portal Meine Ernte einen Gemüsegarten anzumieten. Dieser wird vorab bepflanzt und kann dann während der Saison von den Nutzern gepflegt werden. Freunde von Second-Hand-Mode werden womöglich auf Kleiderkreisel ihr Glück finden. Hier kann Kleidung getauscht, verkauft oder verschenkt werden. Das Hauptquartier des Unternehmens sitzt in Litauen und verspricht sich mit dem Konzept einen stilvollen Kampf gegen Verschwendung. Die Mode-Plattform wird hervorragend angenommen und auch im Social-Media-Bereich kann sich Kleiderkreisel sehen lassen: Fast eine halbe Million Fans kann die Facebook-Seite des Unternehmens zählen. Spannend hierbei ist, dass über 410.000 Fans aus Deutschland kommen. Etwas kleiner ebenso interessant ist das Portal Frents. Hier haben Nutzer die Möglichkeit, neben Mode und Autos auch Beamer, Telefone, Spiele, Musik und weitere Gegenstände zu leihen oder verleihen – frei nach dem Unternehmensmotto „Leihen und Verleihen unter Freunden und Nachbarn“.

Auch im Finanz-Sektor gibt es ein passendes Share Economy Portal: Lendstar. Dort haben die Nutzer der Plattform die Möglichkeit, Geld unter Freunden zu leihen, senden und zu teilen. Doch es gibt noch viele weitere Möglichkeiten zu teilen: Über Foodsharing zum Beispiel will man der Entwicklung entgegenwirken, in der pro Jahr pro Person 80kg Lebensmittel weggeworfen werden. Mit der App von Foodsharing kann man überflüssige Einkäufe einstellen oder kaufen. Die App berechnet sogar eine passende Route, damit verfügbare Lebensmittel schnell abgeholt werden können. Verbreiteter hingegen ist das Co-working. Für Freelancer, kleine Start-ups oder Kreative sind die Gemeinschaftsbüros die beste Möglichkeit in einer angenehmen Arbeitsumgebung mit anderen Leuten zu arbeiten. Zudem gibt es vor Ort zu einem bezahlbaren Preis, je nach Ausstattung auch Drucker, Flip-Charts, Beamer und andere Büroeinrichtungsgegenstände. Einige Co-working Spaces bieten darüber hinaus sogar Veranstaltungen an, die sich nach der beruflichen Richtung der Coworker richtet. Etwas bizarrer wird es hingegen beim Dogsharing. Wer nicht genug Zeit für einen treuen Vierbeiner hat, kann ihn sich zukünftig ebenfalls mit jemanden Teilen. Gerade für Menschen, deren Arbeitszeiten mit einem Hund nicht vereinbar sind, muss so nicht auf den besten Freund des Menschen verzichten.

Share Economy könnte in erster Linie dazu dienen, Ressourcen bewusster zu nutzen und den Gemeinschaftssinn zu stärken. Wer darin allerdings erfolgreicher ist als andere, gerät schnell wieder in die Kritik des Profiteurs (wie die Mietwohn-Portale Airbnb oder 9flats.

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