News & views

Selfie-Kampagnen: Von der Zuspitzung eines Trends

Date Posted: 16 Januar, 2015
© Canon
© Canon

Selfies sind ein kaum übersehbarer Trend in unserer Gesellschaft. Auch ich konnte mich ihm nicht immer verschließen. Ab und an drehe ich mich auch heute noch in ein gutes Motiv und grinse in die Kamera. Ob im Urlaub, auf Partys, mit Freunden oder als Werbekampagne: Die Fototechnik hat sich als Lifestyle etabliert und überrascht immer wieder mit einzigartigen Motiven. Fast 270 Mio. Aufrufe hat der #SELFIE Song auf YouTube, von dem ausgehend sehr viele User eigene Videos produziert und die sozialen Netzwerke damit gefüllt haben. Kaum ein trendbewusster Promi hat noch kein Selfie-Bild von sich auf seinem Twitter-Kanal veröffentlicht. Doch so langsam scheint sich dieser Trend durch die heftige Überreizung des Prinzips nicht nur abzunutzen, sondern den Internet-Nutzer richtiggehend zu nerven. Das liegt aber auch oft daran, dass die eingesetzte Hardware nicht richtig zur Situation passt. Dass hier durchaus noch ein Markt für bessere Aufnahmen existiert, beweist Canon mit der kürzlich vorstellten Kameras PowerShot N2. Der Nachfolger der PowerShot N besitzt nun ein drehbares Selfie-Display.

Extreme Selfie-ing

© Dangubic - Fotolia.com
© Dangubic – Fotolia.com

Bei all den vielen spektakulären und einzigartigen Selfies – ob von der Spitze eines Hochhauses oder mit einem Prominenten – vergisst man manchmal, wie sich das im Alltag widerspiegelt. Seit Smartphones mit viel Speicher und starken Kameras ausgestattet sind, wird nahezu alles fotografiert. Da liegt es nahe, sich selbst zu integrieren und es mit anderen zu teilen – ob erwünscht oder nicht. Auffälligster Trend dabei: Extreme-Selfie-Tourists. Damit meine ich Touristen, denen der tiefe Blick für die Sehenswürdigkeiten fehlt und sie diese nur als Selbstinszenierungsmotiv nutzen. Da wird alles versucht, um sich selbst in Szene zu setzen, eventuell sogar mit gehypten Hilfsmitteln wie einer Selfie-Stange als Armverlängerung für das Mobiltelefon. Dabei wird die Fragwürdigkeit mancher Bilder billigend in Kauf genommen – Auffallen ist das Motto. Diese Form der Selbstdarstellung hat sich zu einer Obsession im privaten Bereich entwickelt, die die Social Media-Kanäle füllt und viele User abwinken lässt. Nicht zuletzt sind auch Prominente sichtlich genervt davon, pausenlos Selfies über sich ergehen lassen zu müssen. Entsprechend schwierig erscheint vor diesem Hintergrund die Platzierung von wirksamen und unterhaltsamen Werbekampagnen auf der Basis des Selfie-Trends. Dabei besitzen Selfies unheimliches Potenzial – wenn es richtig eingesetzt wird.

Am Trend vorbei

Werbekampagnen haben den privaten Trend längst für sich entdeckt. Die Gründe sind offensichtlich: Mit Selfies kann sich jeder Nutzer auf irgendeine Weise identifizieren und ist in der Lage, einen persönlichen Gedanken an eine Kampagne zu richten. Was zu Beginn noch trendbewusst und sinnvoll erschien, wirkt inzwischen gezwungen, da viele Kampagnen ausschließlich auf den Selfie-Effekt zielen und die Botschaft wortwörtlich hinter einem netten Grinsen verschwindet. Die Erwartung liegt bei einer starken viralen Streuung durch „persönlich“ angesprochene Nutzer in ihrem eigenen Trendgebiet. Dies kann jedoch auch sehr geschickt gelöst sein, wie die versteckte Werbung mit Hilfe des sensationellen Oscar-Selfie von Ellen DeGeneres. Kaum jemand bekam mit, dass es der Technologieriese Samsung war, der hinter dieser Aktion stand, obwohl es für jeden klar ersichtlich hätte sein können. Ein voller Erfolg!

Das richtige Maß

Entsprechend ist es nicht das Ziel einer gut gemachten und tragfähigen Selfie-Aktion, einfach irgendeine beliebige Aktion auf die Beine zu stellen, die von jedem kommen könnte. Ein Gewinnspiel, bei dem die User nur einen Selfie von sich mit einem passenden Hashtag posten sollen, beeindruckt niemanden mehr. Stattdessen muss eine Kampagne frisch und lebendig sein, etwas Neues bieten und sich vor allem nicht aufdrängen. In der Selfie-Welt sind die Konsumenten und User die Experten und durchblicken problemlos, wenn sie jemand mit einer schlecht durchdachten Kampagne locken möchte. Gerade in einem Bereich, in dem man mit Offensive und Präsentation im Vordergrund steht, ist es umso viel mehr wert, wenn Bescheidenheit und Feingefühl eine Kampagne durchziehen. Samsung hat dies bei den Oscars erkannt und sich trotz eines hohen Werbebudgets und der Selfie-Aktion im Hintergrund gehalten und die Nutzer ihren Spaß an der Kampagne selbst entwickeln lassen. Es wäre zu wünschen, wenn sich dieser Gedanke öfter finden würde und sich vielleicht sogar bis in den privaten Bereich durchzieht.

Share this
arrow_upward