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Roboter-Autos auf deutschen Straßen – Vom Mythos zur Möglichkeit

Date Posted: 2 Oktober, 2014
© oliman1st - Fotolia.com
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Der Begriff „Roboter-Autos“ klingt in den meisten Ohren wie schräge Zukunftsmusik, als utopisches Google-Hirngespinst oder als Stoff aus einem Science-Fiction-Film. Tatsächlich ist dieser technologische Sprung jedoch näher an der Realisierung als man glauben mag, wie nicht nur der Trend auf der diesjährigen IAA gezeigt hat. Denn nicht nur die Zukunftsforschung beschäftigt sich mit den Möglichkeiten der selbstfahrenden Autos, sondern auch traditionelle Autokonzerne mit konkreten Plänen und starken Partnern. Lassen wir uns also bald von Robotern sicher und komfortabel über deutsche Straßen kutschieren?

Kein Mythos

Der amerikanische Bundesstaat Kalifornien vergab Mitte September 2014 zum ersten Mal Lizenzen zum Führen von selbstfahrenden Fahrzeugen. Damit wurde dem Antrag der Hersteller Audi, VW, Mercedes Benz und Google für 29 Fahrzeuge unter speziellen Auflagen stattgegeben. Der US-Hersteller General Motors hat sich hingegen zusammen mit der chinesischen Regierung in ein Eco-City-Projekt für das Jahr 2020 eingeklinkt, das ebenfalls automatisierte Automobile als Verkehrsmittel zur Verfügung stellen soll. Ohne Zweifel beginnt sich dieses Technologiefeld auf einen massentauglichen Weg auszurichten, den traditionelle Autohersteller als lohnendes Investment mit Perspektive ansehen. Der zentrale Punkt der Entwicklung und gleichzeitig die größte Sorge ist die Verkehrssicherheit, was durch optische Sensoren, netzgesteuerte Routen und frühzeitiges Erkennen von Gefahrensituationen gewährleistet werden soll.

Bayerische Roboter

Kürzlich kündigte auch BMW ein entsprechendes Projekt in China an, durch das hochautomatisiertes Fahren zunächst in Asien und vielleicht bald schon in Deutschland zu einem zentralen Faktor der Mobilität werden könnte. Das primäre Ziel ist zunächst die Etablierung einer Testphase auf den Autobahnen großer Städte wie Peking oder Shanghai. Dabei bieten die asiatischen Metropolen durch ihre einzigartige Infrastruktur eine besondere Herausforderung, der sich der bayerische Autohersteller stellen will und seine Technologie daran wachsen sehen möchte. Als Partner konnte BMW den Internetkonzern Baidu gewinnen, der die nötigen Informationen über Infrastruktur und Telemetrie bereitstellen wird. Der Münchner Autobauer geht damit einen starken Schritt in Richtung Zukunft und öffnet weitere Möglichkeiten, das autonome Fahren bald auch in Europa zu etablieren.

Herausforderung technologische Reife

Der europäische Markt unterliegt strengen Reglementierungen in den Bereichen der Straßenordnung und der Sicherheit, die vor allem die Bedingung stellt, dass ein menschlicher Fahrzeugführer notfalls die Kontrolle übernehmen können muss, beispielsweise durch ein Lenkrad. Insbesondere die diesbezüglich strengen Regularien Deutschlands dürften eine große Herausforderung für die Einführung von führerlosen Fahrzeugen darstellen, da nicht nur die Straßenverkehrsordnung einer Überholung bedürfe, sondern auch der Versicherungsstatus bei Unfällen zum Problem wird. Dies alles dürften Gründe sein, weshalb die Automobilhersteller ihre zukunftsweisenden Techniken zunächst auf „sicherem“ Terrain außerhalb Europas testen, bevor eine großflächige Einführung angestrebt werden kann. Der zentrale Aspekt wird eine technologische Reife sein, die sich etablieren und stabilisieren muss.

Trotz dieser Herausforderungen weist der Weg im Bereich der selbstfahrenden Autos deutlich auf eine massenmarkt-taugliche Technologie in den nächsten 20 Jahren hin. Die Vorteile dieses technologischen Wandels vom hochtechnisierten Multifunktions-Fahrzeug zu einem gänzlich fahrerlosen Gefährt liegen ebenso auf der Hand. Die Sicherheit auf deutschen Straßen könnte sich dadurch drastisch erhöhen, da menschliche Fehler kaum noch eine Rolle spielen und somit Gefahrensituationen deutlich effizienter und objektiver vermieden würden. Auch die grundlegende Effizienz des Verkehrssystems würde zunehmen, so dass vor allem die Infrastruktur entlastet würde. Die Planungen für automatisierte LKWs zur sicheren Optimierung von Transporten mit organisierendem Beifahrer laufen bereits. Doch die wohl wichtigste Komponente ist die Möglichkeit der steigenden Lebensqualität von körperlich beeinträchtigten oder älteren Personen, beispielsweise sehbehinderte Menschen. Mit Hilfe von Roboter-Autos wäre es ihnen möglich, ein normales Leben im Personentransport zu führen, ohne dauerhaft auf andere Menschen angewiesen zu sein. Die Vor- und Nachteile liegen somit offen und es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, bis diese Technologie Teil unseres Alltags wird

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