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Quizduell in der ARD – bald wieder appgesetzt?

Date Posted: 21 Mai, 2014
Bild: © ARD

Als die ARD im März dieses Jahres ankündigte, dass es für die beliebte Quiz-App Quizduell eine eigene interaktive Sendung plane, horchte die Medienwelt auf. Wenig später erklärten die Verantwortlichen die Visionen für das Format, dass in der letzten Woche zum ersten Mal über den Äther ging. So sollten die Zuschauer, die zu Hause vor dem Fernseher saßen, gegen die Kandidaten im Studio antreten und Geld gewinnen. Die Idee verdiente definitiv Applaus, wäre es doch die erste Sendung mit sinnvoller Second-Screen-Einbindung – die erste wirkliche interaktive Fusion von Internet und Fernsehen. Der Hype im Vorfeld war entsprechend groß und auch die Einschaltquoten waren ordentlich: 1,61 Millionen Zuschauer sahen die Debütsendung.

Datenleck, Hacker und kein System

Dann folgte allerdings das Desaster: Das Konzept scheiterte in der ersten Sendung kläglich. Während der Ausstrahlung sprach Pilawa erst von überlasteten Servern, dann von einem Hacker-Angriff. Die Zuschauer, die sich vor der Sendung in der App registrieren mussten, konnten letztendlich nicht teilnehmen. Der viel größere Skandal allerdings wurde im Laufe der letzten Woche bekannt. Durch ein Datenleck konnte auf die persönlichen Daten der registrierten Nutzer zugegriffen werden. Diese waren nur unzureichend gesichert und der Zugriff auf Klarnamen, Wohnort und E-Mail-Adresse somit leicht möglich. Wenig später wurde auch der Server-Ausfall durch Hacker in Frage gestellt. Womöglich waren es doch vor allem die zusätzlichen Funktionen und das Sammeln verschiedener Daten, welche die Server in die Knie zwangen.

APPwarten statt APPlaus

„Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen“ lautet ein altes Sprichwort. Immerhin reagierten Pilawa und die ARD auf den Skandal und die Häme der Onlinewelt mit Witz: Pilawa wettete medienwirksam, dass er, wenn die App in dieser Woche nicht funktioniere, einen Gastauftritt bei Verbotene Liebe veranstalten würde. Außerdem eröffnete man vom Sender aus einen Online-Shop, in dem die gebeutelten Zuschauer nun mehr oder minder witzig bedruckte Shirts erstehen können („Das Internet ist für uns alle Neuland“). Der Erlös geht an den „App-Entwicklernachwuchs“ – junge Entwickler können sich bei Pilawas Produktionsfirma bewerben und haben die Chance, das Geld zu gewinnen.

Für die ersten Tage blieb das natürlich witzig, aber die Selbstironie funktioniert nur kurze Zeit. Ursprünglich für 14 Folgen geplant, lief am Montag bereits die sechste Sendung ohne Beteiligung der App-Nutzer. Für gestern war ein Testlauf geplant, heute soll die Show zum ersten Mal nach dem erdachten Prinzip auf Sendung gehen. Nach mehr als einer Woche kann man das Experiment allerdings schon als gescheitert ansehen, da helfen auch alle witzigen Interviews und Ansagen nichts mehr. Die Frage ist nun allerdings, ob sich Sender in Zukunft überhaupt an solchen interaktiven Formaten vergreifen oder sie meiden. Die Idee war nämlich eine durchaus interessante – jetzt muss sie noch erfolgreich umgesetzt werden.

Die ARD hat nun zumindest gezeigt, wie man es nicht macht. Im März angekündigt, zwei Monate später im Fernsehen – im Nachhinein scheint es wie ein Schnellschuss. Der Aufbau eines Hypes hat gut geklappt und auch die Reaktion der Redaktion und Pilawa auf Twitter und anderen sozialen Netzwerken ist sympathisch. Allerdings ist es die technische Seite bei einem solchen Projekt die wichtigere. Was nach zwei Sendungen noch als kleine Panne abgetan werden konnte, ist mittlerweile durch Datenleck und Hacker-Angriff zu einer riesigen Lachnummer geworden. Hier fehlt es an aufklärender, transparenter und ehrlicher Krisenkommunikation. Natürlich kann man auch Shirts vertreiben, mit denen man sich selbst auf den Arm nimmt, allerdings sollte im Gegenzug auch offen auf die Probleme und die Lösungsversuche eingegangen werden. Vielleicht könnte man die eigentlich löbliche Idee einer interaktiven Quiz-Sendung im TV so noch retten.

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