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Praxis-Check: Sieben vermeidbare Fehler im Umgang mit Bloggern

Date Posted: 20 September, 2013
Bild: wildcard

Blogger Relations – was unter anderem in den USA gang und gäbe ist, wird von deutschen Unternehmen leider oftmals noch nur als Testballon betrieben. Warum das ein Fehler ist, erklären wir hier. Die Sensibilität im Umgang mit Bloggern fehlt oftmals noch. In der Praxis kommt es beim Erst-, aber auch beim Zweit- und Drittkontakt zu wiederkehrenden Fehlern. Wir stehen im ständigen Austausch mit vielen Bloggern und haben jetzt ihre Erfahrungen mit Unternehmen und Agenturen gesammelt und möchten sie hier als Hilfestellung für all jene teilen, die sich ernsthaft mit dem Thema beschäftigen möchten.

Fehler Nummer 1: Massenmail

Am Anfang einer jeden Beziehung („Relation“) steht die Ansprache. Dass einige Unternehmen und Agenturen hier anonyme Massenmails nutzen, ist schwer nachzuvollziehen. Keine professionell arbeitende PR-Abteilung würde wohl auf die Idee kommen, gleichzeitig Dutzende Zeitungsredakteure mit einem „Hallo Redakteure!“ anzumailen. In der Blogger-Ansprache ist das leider die Regel.  Nahezu alle Blogger, mit denen wir in Kontakt stehen, haben diese Erfahrung gemacht.  Nicht überraschend, dass eine solche Ansprache von den meisten Bloggern als Zeichen mangelnder Wertschätzung interpretiert wird. Auch gern genommen in der Kombination Massenmail plus entgeltlichem Bonus für das Abschreiben einer Pressemeldung, die dann zumeist nicht einmal zum Bloginhalt passt. Damit kommen wir zu Fehler Nr. 2

Fehler Nummer 2: Unkenntnis des Bloginhalts

Noch schlimmer wird ein solches Anschreiben, wenn es von einer völligen Unkenntnis des  Blog-Inhalts zeugt. Unternehmen, die einem Veganerblog ein neues Milchprodukt schmackhaft machen wollen, haben zwar erkannt, dass sich der Inhalt um Nahrung dreht, haben dabei aber offenbar wichtige Punkte übersehen. „Solche Mails landen bei mir direkt im Papierkorb“, sagt Camillo Pfeil vom Digital Lifestyle, Technik und Unterhaltungs-Blog IMAEDIA. „Wenn du bereits im ersten Satz merkst, dass sich da keiner mal die About-Seite deines Blogs angeschaut hat oder man dir Themen vorschlägt, die du kein einziges Mal verbloggt hast und, die auch gar nicht zum anderen Content passen“, beschreibt Ben Hammer vom Fotografie- und Lifestyle-Blog Ben Hammer die verfehlten Kontaktversuche.

Fehler Nummer 3: Geringschätzung des Typus Blogger

Manches Unternehmen, das die Aufmerksamkeit eines Bloggers gewonnen hat, zeigt schon in der Folgeaktion eine Falscheinschätzung des „Typus Blogger“. „Viele benutzen Blogs eben immer noch als billige Verbreitung ihres noch billigeren Produkts,“ resümiert Janina Westphal vom Design-, Lifestyle-Blog Mokkaauge. Blogger, wie Janina, sind verblüfft, dass einige Unternehmen offenbar noch immer der Meinung sind, es sei für den Blogger eine Ehre, über ihr Produkt schreiben zu dürfen. „Auch schön sind die Firmen, die wollen, dass man erst ein Produkt bei ihnen kauft und dann positiv darüber berichtet. Einige haben den Nutzen einfach noch nicht erkannt – und werden konsequent von mir gemieden“, berichtet Janina.

Anne Seubert vom Foodblog Kekstester bekam sogar schon Anfragen, die folgenden Wortlaut hatten:  „Du schreibst bitte einen Artikel und stellst unser Produkt vor. Wir geben dir dafür eine Produktprobe und einen Gutschein über 10 Euro in unserem Shop.“  Für Anne, die schon in der BILD, im Tagesspiegel oder der Frankfurter Rundschau gefeatured wurde, ein Affront.

Fehler Nummer 4: Zu wenig exklusiver Inhalt

Mit einer Pressemeldung kommt weder eine Agentur noch ein Unternehmen bei Blogs weiter. Um einen Blog die Möglichkeit zur Generierung von Content zu geben, muss entweder die Möglichkeit zum „Heavy-User-Test“ bestehen oder das Material exklusiv sein.

Fehler Nummer 5: Bewerbung um Events und Reisen

Von einem „neuen Trend“ berichten die kürzlich auf Spiegel Online gefeaturte Reisebloggerin Yvonne Zagermann von Just Travelous und Foodbloggerin Zorra von 1x umrühren bitte aka kochtopf: Seit Kurzem schreiben Unternehmen Bewerbungen um Recherchereisen aus. Oftmals wird ein Artikel über Unternehmen/Produkt samt Verlinkung als Qualifikationsmaßnahme angepriesen. Auch hier lassen die Ausschreibenden mangelnde Kenntnis durchblicken. „Solche Bewerbungen würde man gegenüber Journalisten nie anwenden“, sagt Yvonne.

Fehler Nummer 6: Butterfahrten als Events tarnen

„Das Schlechteste, was mir passiert ist, ist, dass mich eine Agentur nach New York eingeladen hat und es alles ganz schnell gehen sollte mit einer Zusage. Nach meiner Zusage hat sich aber niemand mehr gemeldet. Einen Tag vor Abflug gegen Abend schrieb man dann: Es tut uns leid, doch leider hat sich der Kunde anders entschieden und möchte keine Blogger mehr einladen “, erzählt Kim-Christopher Granz vom Design-, Fashion- und Fotografie-Blog Designlovr. Blogger, wie Kim, der mit rund 50.000 Unique Usern und über 110.000 Seitenaufrufen im Monat so manches Fachmagazin hinter sich lässt, wundern sich über solch eigenwilliges Verhalten.

Selbst, wenn Ansprache und Event-Einladung professionell gemeistert wurden, lauern in der Begegnung Stolpersteine. So mancher Workshop entpuppt sich als eine Werbeveranstaltung, ohne dass auch nur ein Blogger Hand an das gezeigte Produkt legen konnte. „Einseitige Kommunikation, wir durften reden aber die Ohren waren geschlossen“, beschreibt es Autoblogger Fabian Meßner von Autophorie. Fragen stellen nicht erwünscht. Wenn Unternehmen auf solchen Events Blogger mit einem Werbegeschenk und Händedruck entlassen, dann beschreibt es Zorra so: „In meinen Augen ist so eine Veranstaltung Geld- und Ressourcenverschwendung. Für das Unternehmen und mich.“

Fehler Nummer 7: Kein Interesse an stetiger Kommunikation

Gesetzt des Falls, die Ansprache stimmte, ein erstes Treffen in Form eines Workshops oder Events beinhaltete keinen Fauxpas, dann gibt es immer noch den Fehler des plötzlichen Kontaktabbruchs. „Ich durfte ja schon bei einigen Veranstaltungen mitmachen, was mir allgemein fehlt, ist das Nachfassen nach den Events. Man hört dann vielfach einfach nichts mehr“, mahnt Zorra. Als einfachen Lösungsvorschlag empfiehlt sie auch mal einen Kommentar im Blog durch den Unternehmensvertreter, wo es inhaltlich passt. Das zeugt von gegenseitigem Interesse.

Und die Zukunft der Blogger Relations? In einem exklusiven Gast-Beitrag für den wildcard-Blog  gibt Top-Blogger Robert Basic einen Ausblick.

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