News & views

PlayStation 4 in New York – die vermisste Konsole

Date Posted: 21 Februar, 2013

Gerne würde ich Ihnen an dieser Stelle davon erzählen, was gestern Nacht mein Ersteindruck der neuen PlayStation 4 war. Auf diesen Eindruck müssen Sie leider noch etwas warten – Sony kündigte um 0 Uhr mitteleuropäischer Zeit die PlayStation 4 an – ohne sie zu zeigen. Genau wie jegliche Revolutionen. Die PlayStation 4 wird ein Best-of bekannter (und guter) Ideen. Wenn Sie sich selbst überzeugen wollen, tun Sie das hier in der Wiederholung.

Was bleibt also aus spielerischer und kommunikativer Sicht von gestern Nacht übrig? Major Nelson – Microsofts Xbox-Botschafter – fasste die Sache mit einem Tweet ganz passend zusammen:

Wo ist die PlayStation 4?

Damit ist ein wichtiger Punkt schon aufgedeckt: Ich glaube nicht, dass Sony noch keine präsentationsfähige Fassung der PlayStation 4 besitzt. Ich vermute eher, die Japaner wollen zwar der Öffentlichkeit zeigen, da kommt was Großes – gleichzeitig aber dem Hauptkonkurrenten Microsoft nicht zu viele Details liefern. Dass Sony Microsoft letztlich in die Hände spielte, ist heute Vormittag die Essenz auf allen Kanälen.

Dass eine Ankündigung ohne eigentliche Konsole bei gleichzeitig riesiger öffentlicher Erwartung mit kurzen Posts der Enttäuschung in sozialen Netzwerken und langen Gesichtern vor dem Livestream endet, war abzusehen. Wie in unserem letzten Blog-Eintrag vermerkt, machte Nintendo diesen Fehler mit der Wii U. Genau wie Nintendo zeigte Sony gestern nur den Controller (und eine an Kinect erinnernde Kamera) – schlimmer noch: Die Konsole war nicht mal ein paar Sekunden lang zu sehen. Nintendo schob die Wii U 2011 zumindest noch nach.

Das Presse-Echo ist eher ernüchternd bis negativ. Auch die Börse regiert nicht unbedingt erfreut.

Keine Vorzeige-Kommunikation

Zumindest den neuen PlayStation-4-Controller gab es zu sehen. Neu: Touchpad und Sharing-Button.

Kommunikativ war das, was dieser Weltkonzern da bot, ebenfalls durchwachsen. Der Versuch, die Konsolen-Abstinenz mit dem hippen Slogan „Nicht mehr das Wohnzimmer ist der Mittelpunkt, sondern der Spieler selbst“ zu begründen, wirkt (noch) nicht überzeugend. Dazu zählt auch die Fixierung auf den Sharing-Button, der das zentrale Steuerungsobjekt im großen, von Sony geplanten Spielenetzwerk werden soll. Zumindest kann zukünftig jeder Spieler seine eigenen Let’s Play-Videos erstellen.

Zwar bedient Sony damit den großen Social-Media-Trend „Social Me“ (die totale Reproduzierung des Ich im Social-Media-Universum) – aber ob das diejenigen überzeugt, die gestern Nacht den Stream verfolgten, wage ich ebenfalls zu bezweifeln. Im Grunde wartete doch jeder auf den visuellen Eindruck der neuen Hardware. Die erstaunlich offen kommunizierten Innereien ergeben dann eben doch kein apple’sches „Will ich haben“-Gefühl. Wir wissen jetzt: Da kommt Ende des Jahres ein technisch sehr potentes Produkt, das Ideen wie Facebook, Kinect und Tablet-Controller ein Stücken weiterdreht.

Ein optisches Laufwerk ist dabei

Ein wirklicher Knaller, ein wirkliches Killer-Feature fehlte. Dafür mussten (Hardcore)-Spieler ein paar Kröten schlucken: Die Befürchtung, immer online sein zu müssen, scheint sich zu bestätigen – aber eine richtige Antwort lieferte die Show gestern Nacht noch nicht. Klar ist allerdings: Die Zukunft der PlayStation ist eng mit Streaming verbunden. Da es aber illusorisch wäre zu glauben, dass schon Ende 2013 alle PlayStation-Gamer derart leistungsfähige Onlineverbindungen besitzen, um ein PlayStation-4-Spiel zu streamen, muss es zumindest eine Zwischenlösung geben. In der offiziellen Pressemeldung ist von einem Blu-ray-Disc-Laufwerk die Rede. Zudem werden wohl die PlayStation-3-Spiele auf der PS4 nicht spielbar sein – lediglich als Cloud-Version.

Wird die neue PlayStation-Kamera Microsofts Kinect-Weiterentwicklung Paroli bieten können? Ende 2013 werden wir es erfahren.

Apropos Software: Zumindest eine unserer Erwartungen wurde erfüllt: Killzone Shadowfall, also der vierte Teil der Serie, wurde gezeigt. Was zu sehen war, ist durchaus beeindruckend. Abseits des grafischen Zuckerguss‘ waren die gezeigten Szenen aber jenes Gameplay, das seit über einer Dekade fast jedem Shooter zu Grunde liegt: Run and Gun. Das Ubisoft-Brett Watch Dogs wird auch für die PlayStation 4 kommen – wer sich allerdings für Games interessiert, kennt es schon.

Ich werde dennoch zuschlagen

Dass hochrangige Entwickler allerdings schön erklären, was uns zukünftig erwartet, ist eine gelungene Aktion. Mein persönlicher Entwicklerheld David Cage war übrigens auch vor Ort. Er zeigte ein beeindruckendes Gesichts-Animationsvideo – aber leider kein neues Spiel. Dabei warte ich doch so emotional erregt auf Kara. Na ja, bis Ende 2013 gilt es noch etliche Messen, auf denen Sony die Fehlerchen ausbügeln kann. Und wenn mich die neue Konsole – wie immer sie auch aussehen mag – im Laden anfunkelt, werde ich ohnehin schwach werden. Das ist jetzt schon sicher.

 

Share this
arrow_upward