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photokina 2014 – Neue Zielgruppen, frischer Humor: Eine Branche im Umbruch

Date Posted: 19 September, 2014
© Koelnmesse
© Koelnmesse

Knapp 175 Jahre nach der Erfindung der Fotografie ist eine Erkenntnis unumstößlich: 2014 ist jeder ein Fotograf. Zumindest potenziell. Die Statistiken beweisen es: Nie zuvor wurden mehr Bilder aufgenommen als heute. Mit dem Smartphone, mit Kompakt- und Bridge-Kameras bis hin zu Spiegelreflex-Flaggschiffen – Fotografie ist Mainstream. Beste Voraussetzungen für eine Fotofachmesse wie die photokina und deren Aussteller. Oder?

Montag, Dienstag und Mittwoch waren die Kollegen und ich auf der Messe unterwegs – hauptsächlich für den Kunden Canon. Aber auch, um Aufnahmen für das neue Web-TV-Format wildcardTV zu machen.

Canons offizielle Pressekonferenz gab am Montag schon die Stoßrichtung einer ganzen Branche vor: viele Neuigkeiten im DSLR-, Top-DSC- und WiFi-Bereich. Damit reagieren die Großen der Branche auf Entwicklungen, die seit der letzten photokina auch messbar sind: Es werden zwar mehr Fotos geschossen, insgesamt aber weniger Kameras verkauft. Wie das Manager Magazin berichtet, sorgen vor allem günstige Kompaktkameras für einen Einbruch der Verkaufszahlen. Dieses Produkt-Segment muss sich den Smartphones geschlagen geben. Der Absatz der hochwertigen Mittelklasse-DSCs und Spiegelreflexkameras steigt dagegen leicht an. Eine dazu passende Beobachtung konnte ich in den Messehallen machen: Mir fielen eigentlich keine kleinen Kompaktkameras auf – ein Produktzweig, der wohl bis zur nächsten photokina 2016 kaum noch existent sein wird.

Vom Schrumpfwachstum eines Marktes

Hochklassige DSCs, wie die Canon PowerShot G7X oder auch die PowerShot SX60HS beeindrucken mit unglaublicher Schnelligkeit und Bildqualität. Damit stellt sich diese Kamera-Art tatsächlich erfolgreich dem Kampf mit dem Smartphone und bildet die Brücke zu den professionellen Geräten. Hier stellt Canon das neue APS-C -Flaggschiff EOS 7D Mark II vor. Eine Kamera, die voll und ganz auf die anspruchsvollen Anforderungen eines Vollprofis zugeschnitten ist.

Hochgradig expansiv zeigt sich zudem der Markt für Action-Cams. Ich würde dieses Marktsegment tatsächlich als Boom-Markt bezeichnen: Action-Cams gab es auf der Messe nicht nur von GoPro zu sehen, sondern auch von Panasonic und Ricoh. Hersteller, die sonst eher im klassischen Fotografie-Bereich unterwegs sind. Sogar ein alter Bekannter hat seine eigene Version der Action-Cam in petto: Polaroid. Der Clou des Polaroid Cube: Ein Magnet erlaubt, den kleinen Würfel an nahezu jeder metallischen Oberfläche anzubringen. Wer sich dafür entscheidet, bekommt 35 Millimeter Kantenlänge für knapp 100 Euro.

Von der Action-Cam ist der Weg zur Drohnenfotografie nicht mehr weit. Zwar sind Messehallen ein beschränktes Demonstrationsgebiet für die fliegenden Augen – doch auf den Gängen selbst wurde das Thema eifrig diskutiert. Hier bleibt festzuhalten: Drohnen polarisieren. Während die einen den Nutzen dieser Geräte erfassen, sind andere von zwei Dingen genervt: Zum einen produzieren viele Drohnen ein gut hörbares Geräusch. Gerade auf größeren Veranstaltungen wird das Surren von einigen Menschen als störend empfunden. Zum anderen transportiert das Thema Drohne das Reizwort „Überwachung“. Diesem Argument gab Zeiss auf der Messe auch neues Futter. Die 3D-Brille Cinemizer empfängt Bilder eines Quadrocopters, der per Smartphone steuerbar durch die Luft saust.

Neue Zielgruppe, frischer Humor

Eine weitere Veränderung zu 2012 war ebenfalls auffällig: ich sah auf der photokina deutlich mehr Jugendliche als vor zwei Jahren. Zwar liegen noch immer Welten zwischen den Besuchern einer gamescom und denen einer photokina, doch auch hier ist die Veränderung deutlich zu sehen. Das liegt zum einen daran, dass durch Smartphone-Fotografie neue Zielgruppen erschlossen werden, aber auch daran, dass viele Aussteller neben Produkten auch Entertainment-Zonen einrichteten. So war es am Canon-Stand möglich, sich im Mirrorhouse so fotografieren zu lassen, als klettere man eine Hauswand hinauf. Das Ganze wurde durch den cleveren Einsatz eines Spiegels ermöglicht. Auch sehr beliebt – die Capture Cam. Während den Freiwilligen ein starker Luftstoß ins Gesicht geblasen wurde, drückte ein Canon-Mitarbeiter den Auslöser. Heraus kam ein Selfie der besonderen Art.

Die Branche zeigt sich also mit ausreichend Humor ausgestattet, um die potenzielle, junge und große Zielgruppe zu erobern.

Weitere Messeeindrücke liefern wir demnächst an dieser Stelle in Form von bewegten Bildern. Die erste Folge von wildcardTV wird sich mit der gamescom und der photokina 2014 beschäftigen.

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