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OnePlus One: Extravagantes Marketing

Date Posted: 3 November, 2014
© 2014 OnePlus
© 2014 OnePlus

Würden Sie Ihr bisheriges Smartphone zerstören, um ein neues zu bekommen? Was sich erst einmal merkwürdig anhört, meinte das chinesische Start-Up OnePlus mit der Einführung des neuen Smartphone One vollkommen ernst. Und tatsächlich haben sich über 100.000 Menschen für die „Smash the past“-Aktion beworben. Sie erklärten sich dazu bereit, ihr aktuelles Smartphone nach der Bewerberauswahl durch OnePlus vor laufender Kamera mutwillig zu zerstören. Letztendlich hat sich OnePlus aus all den Einsendungen 100 Bewerber herausgesucht. Sie erhielten nach der Zerstörung ihres Handys für einen Dollar ein neues OnePlus One im Wert von 269 Euro. Diese Aktion zog viele Kritiker mit sich, die OnePlus wegen Ressourcenverschwendung und Missachtung des Umweltschutzes anprangerten.

Zuvor hatte sich das Unternehmen mit der „Ladies First“ Aktion ebenfalls schon nicht mit Ruhm bekleckert. Hierbei wollte man das Interesse der weiblichen Nutzerschaft steigern und startete eine Aktion, bei der sich Frauen das Firmenlogo auf den Körper oder lediglich einen Zettel malen und sich damit fotografieren sollten. Die 50 besten Fotos sollten von den OnePlus-Mitarbeitern „bewertet“ werden und am Ende zu den Gewinnern zählen. So weit kam es allerdings nicht, denn das Unternehmen musste sich recht schnell Sexismus-Vorwürfe gefallen lassen und blies die Aktion nach Protesten aus den sozialen Netzwerken ab.
Rein marketingtechnisch gilt die Verkaufsstrategie des Unternehmens als ein Volltreffer. In etlichen sozialen Netzwerken wurde darüber diskutiert und so das Mobiltelefon weltweit bekannt gemacht. Außerdem wurde die virale Reichweite durch das Einstellen eines freien Verkaufs auf kreative Weise gesteigert: Bis zuletzt war es nicht möglich, das gefragte Smartphone einfach so zu bestellen. Eine Einladung zum Kauf des OnePlus One war die Grundvoraussetzung. Jeder der 100 „Smash the past“-Teilnehmer erhielt drei weitere Einladungen, die er an seine Freunde und Bekannte weitergeben konnte. Durch dieses Einladungs-System entstand ein kleiner Markt: Viele Interessenten suchten in Foren und Verkaufsplattformen wie eBay nach den begehrten Invite-Codes. So verbreitete sich der Name des Smartphones nicht nur enorm schnell, das Unternehmen hatte durch die gezielte Verkaufsstrategie auch nahezu keine Probleme mit der Auslieferung der Geräte.

Der Hype hinter dem OnePlus One

Das neue OnePlus One, das vom Hersteller als „Flagship Killer“ bezeichnet wird, kann in einigen Labortests herausragend abschneiden. Vor allem das Preis-Leistungs-Verhältnis wird hochgelobt: Für das Smartphone mit drei Gigahertz getaktetem Snapdragon 801-Prozessor, 3 Gigabyte Arbeitsspeicher, 3100 mAh starkem Akku und einer wertigen Verarbeitung sind in der 16-Gigabyte-Version nur 269 Euro fällig. Für nur 30 Euro mehr ist das OnePlus One mit 64 Gigabyte integriertem Speicherplatz zu haben. Vergleichbare Smartphones sind in der Regel um einige Hundert Euro teurer.

Der in der Jahresmitte aufgeflammte Hype um das neue CyanogenMod-Smartphone aus Asien kocht jetzt erneut auf: OnePlus hatte für den 27. Oktober einen freizugänglichen Vorverkaufsstart seines neuen 5,5 Zoll großen Flaggschiffs angesetzt. Viele Kunden des neuen Smartphones – oder zumindest die, die es werden wollten – fanden am 27. Oktober allerdings nur eine Serverüberlastung auf der OnePlus-Website vor. Vielen half auch die Erweiterung des Vorverkaufs von einer auf zwei Stunden nichts. Das vom ehemaligen Oppo-Manager Pete Lau gegründete Unternehmen entschied sich daraufhin, Mitte November eine neue Vorverkaufsaktion mit verbesserten Servern zu starten. Ob dieses Serverproblem zum Teil des Marketings gehört, wäre vorstellbar, aber eher unwahrscheinlich.

Spannend ist außerdem, wie es im nächsten Jahr weitergeht: Zwei Mitarbeiter von OnePlus sollen auf der Internet-Plattform Reddit für Mitte nächsten Jahres den Verkaufsstart des OnePlus Two angekündigt haben. Wir sind gespannt, wie das Marketing um dieses Smartphone aussehen wird.

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