News & views

Oldschool-PR – gibt‘s das noch?

Date Posted: 22 März, 2013

Okay, ich gebe es zu: Ich bin alt. In PR-Jahren gezählt 20. Und wie unsere Altvorderen mit leicht verklärtem Blick davon erzählen, dass früher alles anders war, so habe ich neulich vor Junioren und Volontären in der Redaktionskonferenz berichtet, wie anders mein Job „zu meiner Volo-Zeit“ eigentlich aussah. Damals. Und ich habe versprochen, ein bisschen aus dem Nähkästchen zu plaudern und hier eine kleine Liste mit Sachen aufzumachen, die damals die Ansprache der Medien ausmachte.

So, jetzt beginne ich erst einmal … Ihr seid hiermit herzlich eingeladen, zu ergänzen. Auch aus der Sicht der Medienvertreter.

Viel Spaß und herzlich willkommen in einem kleinen Ausschnitt meiner Vergangenheit. 🙂

Pressemitteilungen

Früher: Nix SEO-Keywords, keine Hyperlinks, kein Upload in PR-Portale. Dafür zugegebenermaßen gegen jeden ökologischen Appell tonnenweise Ausdrucke. Und der Inhalt bezog sich selten auf das, was den Leser interessierte, beinhaltete keine eigenen Standpunkte, sondern war ganz ausgerichtet auf das Wording, Duktus und Botschaft des Unternehmens.

Mailings

Ein Mailing damals: Pressemeldung pro Seite ausdrucken (natürlich gab es immer drei bis acht(!) Seiten). Danach sortieren, manuell tackern, kuvertieren, Kuvert mit individuellem Adressaufkleber versehen, Briefmarken aufkleben, jedes Kuvert zukleben, Postkurier telefonisch bestellen und auf den Beleg warten. Das dauerte bei einem 1000-seitigen Mailing etwa einen ganzen Tag.

Und wenn’s richtig schlecht lief, war fast alles fertig und der Chef bemerkte einen Vertipper auf Seite drei. Und man begann von vorn.

Ein Mailing heute: Pressetext lektorieren, Meldung ins Template passen, Datenbank selektieren, Testlauf gemacht, Knöpfchen gedrückt und heraus damit.

Clippings

Früher: Schnippelten sich fleißige Aushilfen durch Berge von Magazinen und sortierten Artikelbelege  nach Auflagen. Und den Report dazu gab es einmal im Monat.

Heute: Gibt es glücklicherweise auch noch Print-Magazine, aber es gibt auch Links und Screenshots. Es gibt Online-Monitoring, das uns fast in Echtzeit Resonanzen und Sentiments vermittelt.

Events

Einladungen liefen nicht etwa per amiando verschickt, Agenden wurden nicht gemeinsam festgelegt, sondern die Rückläufe kamen per Fax herein und die Agenda wurde so gestrickt, dass der Caterer das Essen warmhalten konnte.

Produktfotos

Immer ein Freistellerfoto und der Bildtitel wurde hinten draufgeklebt. Damit belieferte man häufig noch eigene Verteiler mit Bildredakteuren und hoffte, das Bild auch irgendwann einmal zu sehen.

Heute gibt es auch noch den berühmten Freisteller, aber auch viel Stimmung und Atmosphäre. Und statt postalischer Aussendungen stellt man die Bilder gut vertaggt selbst hoch auf Pinterest, Flickr und in andere Bilddatenbanken.

Zielgruppen

Früher: Festangestellte Redakteure, ganz selten Freelancer. Heute sind dies Redakteure, Journalistennetzwerke und Blogger. Nutzer und Kritiker in einer Person.

Und ich gebe zu, bereits vor 2005 Handys, dann Blogs, Facebook und Twitter umarmt zu haben. Aber trotzdem glaube ich, relativ resistent gegen das „Shiny Object Syndrom“ zu sein – für mich in diesem Fall die allgegenwärtige Verlockung: Statt auf Beziehungen auf Technologien zu setzen. Statt auf Strategien auf Kampagnen zu setzen. Aber natürlich sind heute auch die Kanäle mannigfaltiger, kann quasi jeder zum Herausgeber werden, erlauben es moderne Kommunikationstechnologien, den Dialog in beide Richtungen zu führen und dies auch noch zeitgleich zu beobachten.

Und das doch irgendwie immer gleiche lässt sich natürlich ebenso finden:

Die Not unkonkrete Geschichten konkret und anfassbar zu machen, kreativ genug zu sein, um aufzufallen, wo viele um Aufmerksamkeit buhlen …

Pressekonferenzen werden vielleicht nicht mehr in selber Regelmäßigkeit und Pracht abgehalten, in der sich Marken zelebrierten wie Könige vor der Krönung. Aber die Notwendigkeit ist geblieben, sich regelmäßig zusammenzusetzen, von Mensch zu Mensch und nicht nur von Marke zu Medium zu sprechen. Trotz oder gerade aufgrund aller Digitalisierung. Filmmaterial war damals notwendig – und ist es heute mehr denn je. Zwar kann heute theoretisch jeder beliebig viele Filme mit der Smartphone-Kamera zusammenwackeln, aber Qualität, Geschichte und Image sollten auch in YouTube-Zeiten nicht außer Acht gelassen werden. Nur sieht man es manchen Filmen vielleicht heute nicht mehr ganz so sehr an, dass sie von Unternehmen stammen. Hier haben sich Sprache, Dramaturgie und Bild stärker angepasst. Trotzdem würden wir auch heute wohl kaum einen CEO den Gangnam-Style tanzen lassen – obwohl … 😉

Und so mehr möchte ich zum Abschluss eine Lanze dafür brechen, sich immer wieder neu erfinden zu können. Denn die alten Zeiten – so lange sind sie auch noch nicht her und die PR-Dinosaurier noch nicht ausgestorben. Sie sind einfach moderner und wandlungsfähiger geworden.

Share this
arrow_upward