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Obama, Merkel und der Datenschutz

Date Posted: 21 Juni, 2013

Barack Obama – bei seinem letzten Berlin-Besuch wurde er als Anti-Bush gefeiert. Am Mittwoch kehrte er als auf Normalmaß gestutzter Politiker in die deutsche Hauptstadt zurück. Wie waren die Reaktionen? Wie gab sich das US-Oberhaupt? Und wie wirkte sein deutsches Pendant?

Man musste kein PR-Profi sein, um das ganze Szenario als Image-Eierlauf wahrzunehmen. Ist ein amerikanischer Präsident in Berlin zu Gast, liegt immer etwas Kennedy und Reagan in der Luft. Doch diese Auftritte sind lange her. Die neuere Geschichte verbindet Deutschland und die USA nur noch historisch. Aktuell sind die Diskrepanzen groß. Vor allem im Streitfall Prism, Datenschutz.

Seit John F. Kennedy in Berlin den berühmten Satz sprach und Reagan ein paar Worte an Gorbatschow richtete, erwartet jeder von einem US-Präsidenten-Besuch in Berlin den medialen Showdown. Der war auch gegeben – allerdings ohne historischen Satz seitens Obama. Weder sagte Obama „Mr. Wowereit, open  Berlin-Brandenburg airport“, noch bezog er den Satz „Ich bin ein Berliner“ auf sich selbst.

Der historische Satz kam von jemandem anderem.

Wie wurde der Datenschutz kommuniziert?

Live-Ticker, Twitter, Facebook, Roadsmaps – alles, was Schreiben und Fotografieren kann, war auf die gepanzerte Glasscheibe gerichtet, hinter Obama am Brandenburger Tor stand. Obama war – wie immer – rhetorisch brillant. Er wählte auch die richtigen Themen: Atomare Abrüstung, Rechte von Homosexuellen, Witzchen und Volksnähe – wäre am Mittwoch nicht ohnehin Hochsommer gewesen – man könnte sagen, Obama definierte „gut Wetter machen“ neu. Seine PR-Abteilung leistet nach wie vor hervorragende Arbeit. Er bewies einmal mehr, dass er das absolute Gegenteil von Angela Merkel ist. Inhaltlich ist diese Aussage ohne Wertung. Erfolgreich sind beide.

Am deutlichsten wurde der kommunikative Unterschied zwischen beiden beim Thema Prism – also beim Datenschutz. Obamas Rechtfertigung bezüglich Prism war kommunikativ ein cleverer Schachzug. Wird die Aktion des NSA dafür kritisiert, sie trete den Datenschutz – vor allem von Nicht-Amerikanern – mit Füßen, konterte Obama einfach mit dem Schutz von Menschenleben. Aus dem Mund eines smarten US-Präsidenten wirkt das anders als wenn es ein mürrischer Hans Peter Friedrich oder Menschen wie Rainer Wendt solche Argumente anführen. Obama ging in die Offensive. Seine deutsche Kollegin tat dies nicht. Sie wollte Obama beim gemeinsamen Treffen hinter den Kulissen „kritisch auf Prism“ ansprechen. Was dort vorfiel, wissen wir nicht. Vor der Presse gab sie sich moderierend und analytisch, wie Merkel nun mal ist. Sie versuchte sie sich zwischen Kritikern und Befürwortern zu positionieren und zog mit dem Satz „Das Internet ist für uns alle Neuland“ die Häme der Netzgemeinde auf sich. Dass, auch nur den Eindruck zu erwecken, man drucke im Kanzleramt Webseiten noch aus, ein absolutes NoGo ist, hat Merkels PR-Abteilung nun wohl gelernt.

Während die einen der Kanzlerin zur Seite springen und sich die anderen in #neuland-Witzchen ergehen, bleibt unter dem Strich für unsere Daten nur ein Schluss: Es gibt keine Trennung zwischen Offline- und Onlineleben. Was im Netz veröffentlicht wird, kann potenziell von anderen, die nicht aktiv adressiert wurden, gelesen werden. Privates sollte so weit wie möglich Privates bleiben. Oder sehr gut verschlüsselt werden – man muss es nicht so wortwörtlich nehmen, wie in unserem Communicartoon, aber schon mit einer, dem Thema gebührenden Ernsthaftigkeit.

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