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NFC – Zwischen Sicherheit und endlosen Möglichkeiten

Date Posted: 24 September, 2014
© ldprod - Fotolia.com
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Als Apple am 9. September seine neue Smartphone-Generation vorstellte, wurde aus dem Gerücht um ein mobiles Zahlungssytem des Technikriesen endlich Realität. Der im neuen iPhone 6 verbaute NFC-Chip (Near Field Communication) soll es ermöglichen, Zahlungen über die Anwendung Apple Pay vorzunehmen, ganz bequem vom Smartphone aus. Egal ob an der Supermarktkasse oder im Buchladen, das Handy soll dabei herkömmliche Zahlmethoden ersetzen. Die schwierige Balance zwischen Sicherheit, Zugänglichkeit und Image beim Kunden könnte sich für die Bezahlfunktion in Europa zu einer enormen Herausforderung entwickeln. Dabei ist die NFC-Technik keine neue Erfindung von Apple, sondern wird bereits seit Jahren in verschiedensten Technologien zur direkten Kommunikation verbaut.

Die Entwicklung

Zu Beginn der 80er Jahre wurde bereits das erste Patent in der Nahfeldkommunikation ausgestellt, was schließlich zur Nutzung der RFID (Radio Frequency Identification) Technologie in Bereichen wie Flughäfen oder Mautstellen führte. Es dauerte bis in die 2000er Jahre, bis sich die ersten großen Firmen an den Verbau von NFC-Chips wagten. Nachdem Nokia 2006 das erste Mobiltelefon damit ausrüstete, zogen mit den Jahren auch andere Hersteller nach. Die Chips befinden sich inzwischen in vielen Geräten in Deutschland zum direkten Datenaustausch. Für die breite Öffentlichkeit war NFC bisher kein großes Thema, doch das änderte sich mit dem Verbau im iPhone 6 schlagartig. Im Gegensatz zur bekannten, deutlich langsameren Bluetooth-Technologie müssen die verbundenen Geräte nicht mehr umständlich manuell eingerichtet werden, sondern kommunizieren direkt miteinander auf kurze Distanz von ca. 10 cm. Bei Spielen wie Activisions erfolgreicher Digital-Spielzeug-Marke Skylanders funktioniert dies bereits hervorragend, so dass der Konkurrent Disney ein ähnliches Konzept umsetzte und auch Nintendo demnächst ein eigenes NFC-unterstütztes Spielzeug auf den Markt bringt.

Angezogene Handbremse

Android-Handys arbeiten schon lange mit NFC-Möglichkeiten, die sich jedoch trotz ordentlicher Verbreitung als sehr umständlich für den Kunden erwiesen haben Der NFC-Chip ist demnach nur für Apples Kommunikationsgeräte eine echte Neuerung. Im Gegensatz zur Konkurrenz setzt das Unternehmen aus Cupertino seine Prioritäten auf einfache Zugänglichkeit, praktische Handhabungen und vor allem Sicherheit und Datenschutz. Ein dynamisches Codesystem ohne Speicherung von Daten und die Verifizierung per Touch-ID sind dabei die zentralen Elemente. Apple bestätigte, dass die bisherige Primärfunktion des Chips, der Datenaustausch zwischen Geräten ohne Bezahlvorgang, in Deutschland vorerst deaktiviert bleiben wird. Eine Verbindung mit anderen Geräten wie beispielsweise der von NXP vorgestellten NFC-Waschmaschine oder Bluetooth-Lautsprechern ist somit noch nicht möglich. Die Anfang kommenden Jahres erhältliche Apple Watch könnte diesen Umstand mit der von Apple hervorgehobenen, nahtlosen Verbindung zum iPhone schnell umkehren und das Smartphone so schnell zu einem zentralen Element in der NFC-Mediensteuerung im Alltag oder beim Gaming werden.

Safety First

Apple Pay wird vor großen Hürden stehen, da eine strukturelle Veränderung im stark regulierten Europa nötig ist, um das System zu etablieren. Das Funktionsdreieck zwischen dem Mobiltelefon, der Anwendung und dem Lesegerät ist das erste Hindernis, das bereits jetzt Schwierigkeiten bereitet. Nicht jedes Kassensystem ist mit einem modernen NFC Chip ausgerüstet, nicht jeder Anwender ist bereit, sich umzugewöhnen, der NFC-Chip muss seine volle Funktionsfähigkeit besitzen und es braucht mehr sinnvolle Anwendungen als nur Apples Zahlsystem, um es breitflächig nutzend einzuführen. Die Vorbehalte möglicher Nutzer sind enorm hoch, da die Angst vor Kriminalität, Mißbrauch und möglichen Sicherheitslücken vorhanden ist.

Entsprechend wichtig ist es, frühe Aufklärung durch Kommunikationsexperten betreiben, um die Hemmschwellen zu senken, Ängste abzubauen und stattdessen die vielfältigen Chancen und Möglichkeiten des Chips in den Vordergrund zu stellen, beispielsweise die starke Vereinfachung von Prozessen, die kürzeren Datenwege und leichteren Diagnosen. Eine derartige Vorbereitung wäre genau jetzt entscheidend, da der Release von Apple Pay in Europa noch bevorsteht und vorerst ab Oktober nur die iPhone Besitzer in den USA in den Genuss kommen. Angeblich laufen allerdings bereits Verhandlungen zwischen Apple und diversen Kreditkartenunternehmen, um Europa flächendeckend einzugliedern. Damit dürfte Apple nicht nur NFC zu einem endgültigen Standard etablieren, sondern vor allem auch die Konkurrenz im Mobilfunkbereich sowie Anbieter alternativer mobiler Bezahlmöglichkeiten hinter sich lassen.

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