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Mobile World Congress 2017: wildcards dritter Tag

Date Posted: 2 März, 2017

Umfragen und Statistiken sind ein mächtiges Kommunikationsinstrument. Sie fassen aktuelle Trends in die universelle Sprache der Zahlen und leiten dabei Handlungsempfehlungen ab. Außerdem generieren sie Newswert. Man schreibt darüber. So wie ich jetzt gerade.

Als mir gestern Vormittag die dritte Ausgabe der MWC-Messezeitschrift Mobile World Daily in die Hände fiel, stieß ich darin auf die Umfrage „The State of the Nation“. Wenn ich mir die Fragen und die Ergebnisse dazu anschaue, scheint mir der Titel zwar etwas übertrieben, aber die Ergebnisse decken sich mit den Eindrücken, die ich aus Barcelona mitnehme. Wie steht es also um die „Mobile Nation“?

Welche Fragen beschäftigen die Mobile Industry?

Die Teilnehmer bekamen zunächst die Frage nach der größten Aufgabe gestellt, die die Mobile Industry zu lösen habe. 37 Prozent antworteten auf die Frage mit „Security“ – also Sicherheit. Welche Sicherheit ist hier gemeint? Feiner aufgeschlüsselt, sehen die Befragten hier vornehmlich den Angriff durch Hacker (38%) und Identitätsdiebstahl (22%). Erst an dritter Stelle liegen Malware und Viren. Wie sollen sich aber Unternehmen oder Privatpersonen schützen? Die Befragten nannten hier zumeist Verschlüsselung, Biometrik und Firewalls. Erstaunlich: Auf die Frage, ob es jemals eine komplett sichere mobile Umgebung geben wird, geben sich 85 Prozent der Befragten keiner Sicherheits-Utopie hin: Wenn für eine Bedrohung eine Lösung gefunden wurde, nimmt eine neue Bedrohung die Position der alten ein. Im Security-Business wird man quasi nie arbeitslos.

Deutlich positiver war die Stimmung beim zweiten Fragenkatalog: „Welches Neugeschäftsfeld ist für Sie 2017 am attraktivsten?“ Fast jeder Zweite nannte das Internet of Things (IoT). Das ist nicht verwunderlich, denn auf der Messe ist das IoT überall präsent. Doch ich muss ganz ehrlich sagen: Bei vielen Ständenwird zwar deutlich, dass sie „irgendwas mit dem IoT“ machen – doch viele Journalisten und Blogger, mit denen ich sprach, verstehen nicht, was genau es im Stand zu sehen gäbe, nähme man sich die Zeit, es darauf anzulegen. Nicht etwa, weil die Medienschaffenden begriffsstutzig wären – hier sind die Unternehmen in einer Bringschuld. Kaum ein Journalist oder Blogger hat auf dem MWC die Zeit, sich stundenlang Sachverhältnisse erklären zu lassen. Eine logische Antwort wären visuelle Kommunikationsformate. Immerhin nehmen wir visuelle Informationen bis zu 60.000-mal schneller auf, als Text.

KI und Mobile Payment im Fokus

Und nach dem IoT? Die Befragten sehen zwei Bereich gleichauf: Künstliche Intelligenz und Mobile Payment. Auch das scheint absolut plausibel: Gerade, um neue Geschäftsfelder zu erschließen und diese auch auszubauen, sind mobile Zahlungsmöglichkeiten dringend notwendig, da Wachstumsmärkte wie Afrika das gesamte stationäre Internet übersprungen haben. In manchen Teilen der Welt liegt die Marktsättigung laut der „The State of the Nation“-Umfrage bei nahezu 100 Prozent. Also müssen die noch nicht erschlossenen Märkte umso effektiver ausgebaut werden. KI wird bei vielen Unternehmen zukünftig eingesetzt, um Ressourcen zu sparen – Kundenanfragen werden beispielsweise voll automatisiert beantwortet. Unheimlich? Nicht, wenn man sich einem der neusten Heim-Roboter gegenüber sah . Hat man erstmal mit den drolligen Gesellen geplaudert, löst die Faszination die Angst vor einem Skynet-Szenario ab.

Eine weitere interessante Frage war, wann die Teilnehmer denn denken, dass 5G in ihrem Geschäftsmodell eine Rolle spielen könne. 38 Prozent der Befragten antworteten, frühestens im Jahr 2020. Zwei Prozent zeigten sich sehr pessimistisch und sagen sogar nach 2025. 19 Prozent zeigen sich mehr als optimistisch und sagen 2018. Zumindest für Deutschland dürften solche Starts unrealistisch sein. Die Gründe? 38 Prozent nannten die Kosten: Nach den Unsummen, die in LTE investiert wurden, sind nur wenige Provider in der Lage, direkt auf 5G umzustellen. Sehr oft wurde zugegeben, den Nutzen von 5G noch nicht erfasst zu haben. Schlicht mehr Geschwindigkeit überzeugt manchen Entscheider nicht. Ihnen fehlen Use Cases. Dass 5G aber kommen wird, steht fest: Nur 0,7 Prozent der Befragten antworteten, dass 5G überflüssig sei.

 

 

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