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Mark Zuckerberg – Held oder Marketing-Genie? Oder beides?

Date Posted: 9 Dezember, 2015

Am 3. Dezember sorgte Mark Zuckerberg – Gründer und CEO des sozialen Netzwerks Facebook – nicht nur mit dem ersten öffentlich zugänglichen Foto seiner neugeborenen Tochter Max für Aufsehen. Vor allem der in Kombination mit diesem Foto hochgeladene offene Brief – adressiert an seine Tochter, aber scheinbar für die ganze Welt bestimmt – und die darin angekündigte Spende von 99% seiner Facebook-Anteile sorgen für kontroverse Reaktionen in der digitalen (Medien-)Welt. So wird er in Amerika hauptsächlich als Held und Menschenfreund gefeiert und bejubelt. Viele namhafte Persönlichkeiten wie Melinda Gates, Shakira oder Arnold Schwarzenegger gratulieren zur Geburt und bekunden dabei ihre Zustimmung und loben Zuckerbergs Engagement.

Von anderer Seite wird ihm jedoch unterstellt, es handele sich dabei schlicht um einen PR-Gag und diene nur der Selbstinszenierung als (jüngster) Philanthrop der Welt. Vor allem die deutsche Presse äußert sich in höchstem Maße kritisch und keineswegs erfreut. Das Handelsblatt nennt die Spende beispielweise „das höchste Marketing-Budget der Welt“ und auch für die FAZ sei karitatives Engagement bei Amerikanern ein Weg zur sozialen Anerkennung; verwiesen wird dabei auf Bill Gates. Besonders häufig wird Zuckerberg vorgeworfen, er wolle mit dieser Spende in großem Stil Steuern sparen.

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Nach der Veröffentlichung des Films „The Social Network“ haftete Zuckerberg lange das Image als Soziopath und Egomane an – trotz bereits 2012 getätigter großzügiger Spenden. Zudem ist seine „Datenkrake“ Facebook Datenschützern mehr als nur ein Dorn im Auge. Will der 31-jährige nun so sein Bild in der Öffentlichkeit aufpolieren oder hat er tatsächlich ob der Vaterfreuden, wie er selbst schreibt, seine moralische Verantwortung erkannt? Die Ziele, die er sich setzt, klingen durchaus erstrebenswert: Investition in Bildung, die Bekämpfung von Krankheiten, das Zusammenbringen von Menschen, alles durch neue Technologien und für die nächste Generation – die Generation seiner Tochter. Die Motivation und Vorgehensweise zur Umsetzung dieser Ziele werden jedoch kritisiert.

Wirkliche Spende oder nur Steuern sparen

So werden von deutschen Medien einige Punkte wiederholt aufgegriffen. Sie weisen darauf hin, dass der Facebook-CEO die 45 Mrd. Dollar nicht sofort spenden wird, sondern im Laufe seines Lebens – laut Zuckerberg, um Turbulenzen an der Börse zu vermeiden. Weiterhin merken sie an, dass er das Geld nicht an bestehende Organisationen spendet, sondern an die von ihm und seiner Frau neu gegründete „Chan Zuckerberg Initiative“. Er hat also weiterhin die volle Kontrolle darüber, was mit diesem Geld geschehen soll und worin investiert wird. Zudem handelt es sich nicht um eine Non-Profit-Organisation, sondern um eine Limited Liability Company (LLC), was der deutschen GmbH ähnelt. Zuckerberg selbst äußerte sich aus seiner Elternzeit heraus vorab zu den Vorwürfen der Steueroptimierung und betonte, diese Vorgehensweise sei schlicht der gewünschten Flexibilität geschuldet und diene keinesfalls der Vermeidung von Steuern. Non-Profits können beispielsweise keinen Gewinn erzielen, nicht in private Unternehmen investieren und sich nicht politisch engagieren. Genau diese Möglichkeit des politischen Engagements wird von deutschen Medien jedoch wiederum kritisch kommentiert.

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Auch LeFloid hat eine Meinung

Im Einvernehmen mit der deutschen Presse äußert sich beispielweise auch YouTuber LeFloid eher negativ und weist auf die Steuersünden des Unternehmens Facebook hin. Das Geld, das den Ländern durch dessen „Trickserei“ entgeht, könnte eigentlich in die Zukunft und Bildung junger Menschen investiert werden – für genau die Ziele also, die Zuckerberg selbst so energisch vertritt. LeFloid hält es für falsch, sich mit Steuerpiraterie nun zum Helden küren zu lassen, fragt aber auch nach den Meinungen seiner Zuschauer. In den Videokommentaren entbrennen daraufhin einige Diskussionen. Einige Zuschauer halten Zuckerbergs Spende für sinnvoll und sind sogar der Meinung, dass er das Geld sicher weit besser einsetzen werde als der Staat dies mit den Steuergeldern getan hätte; als Negativbeispiele angeführt werden hier der Berliner Flughafen oder die Rüstungsindustrie. Sie können seinen Wunsch nach Kontrolle über seine Spenden nachvollziehen und bezeichnen sein Handeln als „heldenhaft“. Man solle froh sein, dass überhaupt in die genannten Ziele investiert werde, von wem und warum, sei doch letztlich egal. Andere beharren jedoch darauf, dass Zuckerberg gefälligst Steuern zahlen solle, niemand habe eine Sonderbehandlung verdient. Spenden könne er ja trotzdem noch. Zudem warnen sie vor der Macht, die Zuckerberg damit über zukünftige Entwicklungen bekommt.

Steuerflüchtling oder Philanthrop? Ehrliche Vaterfreude oder Instrumentalisierung? Was haltet ihr davon?

Weitere Meinungen?

Es lässt sich leicht argumentieren, dass dies auch erreicht wäre, wenn Facebook nicht um jeden Cent Steuern tricksen würde oder Zuckerberg das Geld einfach direkt an bereits aktive Stiftungen gegeben hätte – andererseits hätte er es auch behalten können.

Finanzen 100

Zuckerberg und Co. tun also alles denkbar mögliche, um selbst so wenig Geld wie möglich an den Staat zu zahlen und beklagen dann öffentlichkeitswirksam die Probleme, für deren Lösung der Staat kein Geld mehr übrig hat. Das ist schizophren, das ist zynisch, das ist abartig.

Nachdenkseiten

When a multi-billionaire puts out a press release saying that eventually they will transfer all-but-a-billion-or-so into a „charitable foundation“ that they also completely control, that is not a donation, that is just moving your money from one bank account to another! And it’s not even that, it’s claiming that he’s fixin‘ to get ready to do that some day.

I’ve even seen people saying, „I feel better about using Facebook now!“ Fuck you.

This is just how billionaires launder money. It buys you good press and also gives you great opportunities to hand out million-a-year management salaries and board positions to your lesser cronies

 Save your applause for when he’s actually built a desalinization plant or something, rather than being one of the primary drivers of the Public-Private Surveillance Partnership. (ehemaliger Mozilla-Chefentwickler Jamie Zawinski,

JWZ.org

 

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