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Manipulation vs Transparenz: Die gefälschte Meinung

Date Posted: 21 November, 2014
© stockWERK - Fotolia.com
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Moral und Ethik – jeder Berufsstand besitzt einen Kodex. Oder sollte ihn zumindest besitzen. Auch die Kommunikation im Allgemeinen und die PR im Speziellen besitzt einen solchen: den „Code d’Ethiques“. Dann könnte es beinahe überraschen, wie viele PR-Kollegen genau in jener gefährlichen Grauzone ihre Kampagnenzelte aufschlagen und Kunden – wie Verbraucher – an der Nase herumführen. Ob über sogenannte Flogs (Kurzform für „Fake Blogs“) oder über gefälschte Verbraucherbewertungen von Produkten und Leistungen. Der aktuelle Stein des Anstoßes kommt diesmal aus der Nachbarschaft: Das österreichische Magazin Datum deckte mehrere Fälle gezielter Beitrags- und Forenbeitragsmanipulation auf. Hier wurden mehrere Mitarbeiter dafür bezahlt, unter falscher Identität Staatsunternehmen, Parteien, Banken und Pharmakonzerne positiv erscheinen zu lassen. Immer zugeschnitten auf das jeweilige Thema, schrieben die Angestellten der engagierten Agentur mal wie pubertierende Jugendliche und kurze Zeit später wie alteingesessene Rentner – inklusive Rechtschreibfehlern, um nicht aufzufallen. Ein Posting für die ÖBB Personenverkehrs AG soll beispielsweise so ausgesehen haben: „Schön das seitens der ÖBB versucht wird, den Güterverkehr mehr Richtung Schiene zu bringen, das wird auch uns Autofahrern eine Erleichterung bringen“.

Unsere Branche steht nach diesem jüngsten Vorfall in Österreich also wieder einmal im Verdacht der Schönfärbei oder Verschleierungstaktik.

Der Absender muss klar zu erkennen sein

Natürlich verstößt dieses Vorgehen fundamental gegen die Richtlinien des deutschen Kommunikationskodex in Sachen Transparenz: „PR- und Kommunikationsfachleute sorgen dafür, dass der Absender ihrer Botschaften klar erkennbar ist.“ Noch detaillierter greift der dreizehnte Satz des Code d’Etique: „(Jedes Mitglied sollte es unterlassen) …irgendwelche Methoden oder Mittel anzuwenden, mit deren Hilfe unbewusste Antriebe manipuliert oder hervorgerufen werden können, wodurch der einzelne seiner Urteilsfähigkeit und der Verantwortlichkeit für sein Handeln beraubt werden könnte.“

Aber gerade die Transparenz wird auf dem Weg zum Erfolg viel zu oft vernachlässigt oder per Definition überdehnt. Dass diese Manipulation kein Einzelfall ist und auch sehr namhafte Unternehmen betroffen sind, beschreiben Medien immer wieder, wie die Süddeutsche Zeitung oder NTV, WISO in eigenen Beiträgen. Amazon beweist Humor und präsentiert die gesammelten Werke der schlechtesten gefälschten Bewertungen in einer eigenen Liste. Verivox gibt eine Checkliste heraus, wie man falsche Bewertungen besser identifizieren kann.

Fraglos: PR wird an ihrem Erfolg gemessen. Um diesen zu haben, muss PR kreativ sein. Sie muss sich immer wieder neu erfinden und lebt auch von gewissen Risiken. Sie muss aber auch ehrlich sein. Denn dann ist sie glaubhaft und authentisch. So erwirbt sie sich das Vertrauen ihrer Adressaten. Sie muss so handeln, dass den Interessen beider Seiten – des Auftraggebers und der Öffentlichkeit – Rechnung getragen wird. Denn Reputation sollte in jedem Fall das höchste Gut und Moral die Richtschnur für Handlungen sein.

Die eigene Moral hinterfragen

Dass diese Prinzipien unter wirtschaftlichem Druck oder zu hohen Erwartungen in der Praxis in allen Kommunikationsberufen in steter Regelmäßigkeit immer wieder angegriffen werden, wird sicher jeder Kommunikator bestätigen: Egal ob auf Unternehmensseite, in den Redaktionen oder in Agenturen. Public Relations ist nichts für Feiglinge, aber noch weniger etwas für Menschen ohne moralische Werte.

In diesem Zusammenhang wird einmal mehr deutlich, wie zeitlos und Rat gebend da doch Kants kategorischer Imperativ ist:

„Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“

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