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Kommunizieren kann (nicht) jeder! Oder: eine kleine Geschichte der alltäglichen Selbstüberschätzung

Date Posted: 13 April, 2012

Gerade eben hatte ich wieder eines dieser bezeichnenden Gespräche mit meinem Söhnchen. Der Dialog: Ich: „Sohn, [Geschichte und Aufgabe erzähl], so – weißt Du wie das geht?“. Sohn (etwas genervt): „Jaaa.“. Ich: „Ja, super. [Meinen Sohn kennend frage ich nach] Wie denn?“. Sohn (ganz freudig): „Wie denn?“. Ich (leicht irritiert): „Ähm, ok. Also erkläre ich… .“.

Er ist vier, nun fast fünf Jahre alt, und verfügt über das altersgemäß sehr ausgeprägte Selbstbewusstsein bei gleichzeitig freudiger Ahnungslosigkeit. Das ist ganz fein so –  Hier kommt jetzt aber die interessante Analogie. In meinen nun beinahe 20 Jahren als Kommunikator, der täglich mit Menschen arbeitet, stelle ich die gleiche Haltung regelmäßig bei immer mehr Mitmenschen fest (hier nehme ich mich keineswegs aus). Bedeutet das etwa, dass wir bis ins Erwachsenenalter dieselben Kommunikationsmuster beibehalten? Ahnungslosigkeit gepaart mit einer gehörigen Portion Selbstüberschätzung und einem gewissen Unvermögen, die Situation auf sich wirken zu lassen, sich einzulassen und auch zuzulassen, dass man nicht alles im ersten Anlauf verstehen muss.

Es entwickelt sich in mir die Überzeugung, dass wir vielfach dazu neigen, die Bedeutung der Kommunikation und ihre potentiellen Konsequenzen vollkommen zu unterschätzen, während man sich dabei als „Experte“ in der Handhabung derselben gerne überschätzt. Ist Kommunikation etwas, das man in die Wiege gelegt bekommt? Frei nach dem Motto: Ich rede, also kann ich’s? Oder erwerben wir alle nur das Toolset (also die Sprache an sich)? Und muss ich mich immer wieder eingehend damit befassen, diese im Austausch und in der Situation entsprechend gar erst erlernen?

Dazu brauchen wir nicht erst eine Begegnung der „Dritten Art“, um zu verstehen, dass Kommunikation zwischen mindestens zwei Partnern durchaus zu Problemen und Missverständnissen führen kann.

Ist die Sprache an sich die Hürde, z.B. unterschiedliche Sprachebenen bei fehlender gemeinsamer Schnittmenge) oder ist zwar das gegenseitige sprachliche Verständnis vorhanden, aber die tiefere Bedeutung der unterschwellig eingeflochtenen Absicht das Problem.

Prominente wie weniger prominente Beispiele gibt es viele. Hollywood oder Literaten haben uns ebenfalls genügend Anlass zum Schmunzeln bis Wundern gegeben. Aber wir müssen gar nicht so weit weg schauen. Wie eingangs geschrieben reicht es, in das Umfeld mit den täglichen Kommunikationspartnern einzutauchen, dann fällt auf: Kommunikation ist nicht leicht. Sie ist erlernbar oder man überlässt es besser jemandem, der es kann.

Dann aber ist sie eine tolle Möglichkeit, eine prima Waffe, ein hilfreicher Verbündeter, eine pragmatische Hilfe, um jede, auch noch so schwierige Situation zu meistern.

Was heißt das denn für uns und die täglichen Herausforderungen im Job eines „Kommunikators von Berufswegen“? Wir verbinden Menschen mit Marken mit Themen – im Zentrum stehen immer der Mensch und die Aufgabe, die sogenannten „Stakeholder“ richtig, also verständlich anzusprechen. Mit dem Ziel, eine Erkenntnis, eine Handlung zu befördern. Auch hier geht es also um das zwischenmenschliche Miteinander und die Bereitschaft zu lernen, zuzuhören und Dinge weiter zu entwickeln. Kommunikation ist der Austausch von Informationen, von Emotionen, von Impulsen, von Wünschen, Befindlichkeiten oder einfach nur der Schrei nach Aufmerksamkeit. Kommunikation ist Dialog – oder sollte es sein. Als Unternehmer kommuniziere ich mit vielen, oft sehr unterschiedlichen (Geschäfts)Partnern. Offline wie online, direkt oder indirekt, mit Multiplikatoren (beispielsweise der Presse), mit dem Team oder direkt mit den Auftraggebern.

Alleine über die vielfältigen sozialen Netzwerke, ergeben sich so viele neue Gelegenheiten, zu kommunizieren und auch hier sind die Ansätze schnell gut gemeint, nicht immer gut gemacht, weil man die zusätzliche Besonderheit hat, eben direkte, aber nicht-persönliche Interaktion zwischen Einzelnen und in der gesellschaftlichen Umgebung des Einzelnen führen zu müssen.

Damit erweitern sich die Anforderungen an die Kommunikation, an die Qualifikation zu kommunizieren und an die Kenntnisse der Handwerkzeuge und der möglichen Stolpersteine in der Kommunikation. Hier kommen die Experten ins Spiel. Denn im Verbund, im Team, da kann ich Fähigkeiten und Expertise sammeln, bündeln und multiplizieren. Also, sammeln wir uns, bilden Teams und werden wir kommunikativ. Im professionellen Sinne!

Wir freuen uns drauf.

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