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JIBO und die Zukunft mit Robotern

Date Posted: 20 Oktober, 2014
© Jibo
© Jibo

Roboter sind seit jeher ein Zeichen für technischen Fortschritt – aber auch ein Stellvertreter für dystopische Zukunftsvisionen, die eine Welt ohne menschliche Emotionen und Interaktionen darstellen. Speziell, wenn es um Arbeitsplätze in der Industrie geht, hat die Integration von Robotern nicht nur komplexe Arbeitsvorgänge vereinfacht, sondern auch sicherer gemacht. Bei großen Automobilherstellern wie BMW übernehmen Roboter bereits seit Jahren Schweiß- oder Lackierungsarbeiten und sollen immer weiter in den Produktionsablauf integriert werden.

Invasion der Hausroboter

Für den privaten Gebrauch sind Roboter indes noch nicht besonders verbreitet. Sony verkaufte bereits Ende der Neunziger den Roboterhund Aibo, der zwar nichts mehr als ein Spielzeug war, aber für die damalige Zeit durchaus eine große Faszination auslöste. Selbstverständlich war er kein Hundeersatz – das sollte er aber auch nicht sein. Viel mehr war er ein intelligentes Stück Technik, das die Form des beliebtesten Vierbeiners nachahmte und dadurch, trotz futuristischem Aussehen, weniger einschüchternd wirkte.

Nach Aibo beschränkten sich viele Hersteller auf kleinere Haushaltsroboter, die in den letzten Jahren und Monaten für etwas Aufsehen sorgten. Ganz vorn dabei: Staubsaugerroboter, die ihrem Besitzer das normale Staubsaugen noch nicht vollständig abnehmen. Auf der diesjährigen IFA wurde unter anderem eine neue Generation des Rasenmähroboters Robomow vorgestellt, der ganz bequem mit einer App über das Smartphone bedient werden kann.

Erfolgsprojekt: Familienroboter JIBO

Vor ein paar Wochen ging die äußert erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne für den Hausroboter JIBO auf Indiegogo zu Ende. Das ursprüngliche Ziel von 100.000 US-Dollar wurde weit übertroffen und am Ende nahmen die Entwickler des sozialen Roboters weit über zwei Mio. US-Dollar ein – und schlossen damit die erfolgreichste Technologie-Kampagne auf Indiegogo ab. JIBO möchte mehr sein, als ein einfaches Gerät und wird von den Machern zwischen alltäglichen, technischen Geräten und Mitglied, oder Assistent der Familie positioniert.

JIBO sitzt am Tisch und macht Fotos, wenn man ihn dazu auffordert oder erinnert seine Besitzer an Termine. Für Kinder wird es spezielle Applikationen geben, mit denen sie entweder lernen können oder unterhalten werden. Auch Videochat mit Familienmitgliedern wird durch den Roboter intuitiver: JIBO kann zum einen den Kamera-Feed desjenigen anzeigen, mit dem gechattet wird, zum anderen bietet er die Möglichkeit, per Fingertipp mit seiner Kamera auf einzelne Personen zu zoomen. Allerdings erkennt JIBO auch wer spricht und schwenkt dementsprechend um. Nach einem langen Arbeitstag kann er Essen bestellen oder Sprachnachrichten von verpassten Anrufen abspielen.

Organisationstalent

Anders als Organisationsapps für Tablets und Smartphones soll JIBO dem alltäglichen Chaos, speziell in größeren Familien, entgegenwirken. JIBO erkennt die Familienmitglieder durch eine Gesichtserkennungssoftware, weiß also wen er an etwas erinnern muss oder wer ihm eine Aufgabe gegeben hat. Fotografiert er eine Gruppe Menschen, erkennt er wann diese Lächeln und findet so das richtige Timing für ein gutes Foto. Im Grunde kann JIBO all das, was Smartphones und Tablets bereits seit Jahren können, allerdings leiht er ihnen eine sympathische Stimme und viel mehr Persönlichkeit als es andere Geräte bisher konnten. Er übernimmt Aufgaben und Termine auf Zuruf und spricht jede Person direkt an. Auf dem Display ist eine Kugel zu sehen, die sich je nach Stimmung verfärbt oder –formt und die Interaktion dadurch noch vertrauter macht.

All die gezeigten und erwähnten Features sind aber noch nicht vollends eingebaut. JIBO soll im September des nächsten Jahres erscheinen, bis dahin ist also noch viel Zeit für Feintuning der Software. Dennoch ebnet der kleine Familienroboter einen interessanten Ausblick in die Zukunft und zeigt vor allem, dass es die persönliche Kommunikation ist, die Bindungen aufbaut – auch zu Geräten. Denn: Auch wenn JIBOs Hauptfunktionen von jedem aktuellen Smartphone übernommen werden könnten, wäre es die individuelle Ansprache, die Jung und Alt mit dem Roboter harmonieren lassen würden.

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