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Industrie 4.0 – Zentrales Thema auf der Hannover Messe 2015

Date Posted: 17 April, 2015

Auf der diesjährigen Hannover Messe dominiert das Thema Industrie 4.0. Das Internet der Dinge, die vom Menschen unabhängige Kommunikation zwischen Maschinen über das Internet, wird die Industrie in den kommenden Jahren beschäftigen. Um schon jetzt zu zeigen wo die Reise hingeht, bemüht sich die Industrie, die technischen Innovationen an der Natur entlehnten Beispielen zu demonstrieren.

Hannover Messe
© Deutsche Messe

Von der Natur lernen

Die vierte industrielle Revolution, kurz Industrie 4.0, ist der Sammelbegriff für die Entwicklungen, die den selbständigen Informationsaustausch von Maschinen und Produkten ermöglichen. Im Internet der Dinge werden industrielle Steuerungsprozesse dezentralisiert. Die Relevanz von Industrie 4.0 wird durch Fachleute zurzeit noch als gering bezeichnet, in den nächsten fünf Jahren ist jedoch ein Bedeutungszuwachs zu erwarten.

Emotion Butterflies
© Festo AG & Co. KG

Das schwäbische Unternehmen Festo präsentierte an ihrem Stand auf der Hannover Messe Emotion Butterflies und Bionic Ants. Die Schmetterlinge umkreisen einander, wie ihre natürlichen Vorbilder. Überwacht werden sie dabei von zwölf Infrarotkameras, die ihre Daten an einen Zentralrechner senden, der die Flugbahnen koordiniert. Das von Festo Indoor-Gps genannte System könnte als Leitsystem in vernetzten Fabriken genutzt werden.

Individualisierte Produktion durch Arbeit im Kollektiv

Die bionischen Ameisen arbeiten nach einem ähnlichen Prinzip, im Gegensatz zu den Schmetterlingen tragen sie die erforderliche Technik jedoch in sich. Die Berechnungen werden von Cortex-M4-Prozessoren angestellt, die Kommunikation der Ameisen erfolgt autonom. Angetrieben werden sie durch Piezoelemente, auf Karbonplatten angebrachte Keramiken. Unter Spannung gesetzt verbiegen sich diese leicht und ermöglichen die Fortbewegung durch Hebelübersetzungen.

Bionic Ant
© Emotion Butterflies

Die bionischen Ameisen werden abseits von Präsentationen wie der auf der Hannover Messe nicht selbst zum Einsatz kommen, sie dienen nur als Beispiel für durch dezentrale Intelligenz operierende Maschinen. Die verwendeten Algorithmen ermöglichen unabhängige Zusammenarbeit im Kollektiv, einen zentralen Aspekt der Industrie 4.0. Mittels dieser und ähnlicher Techniken können auf den Produktionsstraßen in Zukunft individuelle Produkte hergestellt werden, ohne dass ein Eingreifen von außen nötig wird.

Weitere Innovationen auf der Hannover Messe

Diese und andere Maschinen entstanden im Rahmen des von Festo Verbund mit Hochschulen, Instituten und Entwicklungsfirmen betriebenen Bionic Learning Networks. In den vergangenen Jahren wurden u.a. ein robotisches Känguru und ein einem Elefantenrüssel nachempfundener Greifarm präsentiert. Ziel ist die Entwicklung neuer Technologien unter Bezugnahme auf Vorbilder aus der Natur.

Neben diesen wurden auch weitere Innovationen auf der Hannover Messe präsentiert. Das Unternehmen Lithoz stellte einen 3D-Drucker vor, mit dem Keramikobjekte hergestellt werden können. Der Druck erfolgt auf Grundlage eines photosensitiven Harzes, in dem Keramikpartikel gleichmäßig verteilt sind und der mittels LED-Lichts ausgehärtet wird. Die fertigen Produkte könnten in der Biomedizin zur Anwendung kommen. Das Startup-Unternehmen Wearality zeigte seine Virtual Reality-Brille wearality sky. Diese bietet ein größeres Sichtbild als z.B. Google Glass und kann mit einem Smartphone kombiniert werden.

Industrie 4.0: Chancen und Risiken

Wearality Sky
© Wearality

Während im Umfeld der Hannover Messe die positiven Aspekte der Industrie 4.0 und des Internets der Dinge hervorgehoben wurden, gibt es auch kritische Stimmen. So bemängelte die EU-Industriekommissarin Bienkowska die Rahmenbedingungen für die wirtschaftliche Vernetzung in den EU-Mitgliedsstaaten. Diese würden das Ausschöpfen der Potenziale der EU behindern und eine Zersplitterung des Marktes nach sich ziehen. Kritisiert wurden öffentliche Äußerungen Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) zur Industrie 4.0, in denen er sich stark auf Deutschland bezogen hatte.

Um Aufträge fürchten müssen kleine Zulieferer. Diese können den Anschluss verpassen, wenn sie nicht auch die neuen Maschinen und die benötigte Software aufrüsten. Doch auch das ist keine Garantie auf Erfolg, da noch keine Standards für Industrie 4.0-Konzepte existieren. Eine Investition in moderne Technik birgt das Risiko aufs falsche Pferd zu setzen. Und selbst nach der Etablierung von Standards bleiben Risiken für Subunternehmer bestehen. Einheitliche Technik erleichtert den Kunden die Auswahl ihrer Zulieferer, was zu einem verschärften Preiskampf führen kann.

Wie mit den Chancen und Risiken von Industrie 4.0 und des Internets der Dinge umgegangen wird, bleibt abzuwarten. Viele Veränderungen geschehen schon jetzt und werden in Zukunft weitere Branchen betreffen.

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