News & views

IKEA Hackers – Markenrecht vs. Blogger Relations

Date Posted: 26 Juni, 2014
© Katsiaryna - Fotolia.com
© Katsiaryna – Fotolia.com

Shitstorms haben selbst großen Unternehmen schon oft den Wind aus den kommunikativen Segeln genommen. Kürzlich erst war es Microsoft, die die Xbox One zunächst als Online-Only-Konsole angekündigt hatten und vor ein paar Wochen auch das ursprünglich zwingend notwendige Kinect aus ihrer Vision der Konsole strichen. Firmen und Kunden stehen sich heutzutage näher als es beiden Seiten oft bewusst ist. Dass Nähe nicht immer gut tut, musste IKEA vor einigen Tagen feststellen.

Shitstorms: bequem und wirkungsvoll

Sucht man heute nach „Shitstorm“ auf Google, erscheinen direkt drei aktuelle Ergebnisse. Darunter auch banale Themen, wie der berufliche Status von Cathy Fischer, der Freundin des Nationalspielers Mats Hummels. Hier bewirkt der Shitstorm nichts, hier ist er lediglich Werkzeug der Internetgemeinde, um ihrer Antipathie gegen eine Person Ausdruck zu verleihen. Gleichzeitig ist das auch die Krux des Shitstorms: Er gibt der Netzgemeinde nicht nur die Möglichkeit auf wichtige Themen aufmerksam zu machen, sondern ermöglicht der anonymen Masse auch haltlose und wüste Beschimpfungen gegen Einzelpersonen. Der Shitstorm gegen die NSA im letzten Jahr dagegen schuf Aufmerksamkeit und eine Auseinandersetzung mit der Thematik und förderte zwar wütende, aber dennoch nachvollziehbare und fundierte Blogbeiträge.

Möbel von IKEA gehackt

Kritik an Unternehmen wird heute allzu gern öffentlich auf sozialen Plattformen ausgetragen. Auf Facebook-Seiten, über Twitter oder Blogs wird nahezu in Echtzeit über Missstände geschrieben. Im schlimmsten Fall sind es haltlose Beleidigungen, die den Firmen entgegengeworfen werden. Beispiel: IKEA mahnte den Fanblog IKEA Hackers ab und zog so eine Welle des Protestes auf sich. Die Rechtsabteilung des schwedischen Möbelhauses forderte, dass das Blog seinen Domainnamen abgibt und jegliche Werbebanner entfernt. Allerdings handelt es sich bei IKEA Hackers um ein Fanblog, das Möbel aus dem IKEA-Sortiment umfunktioniert und –kombiniert. So entstanden Zäune aus Betten, oder Betten aus Regalen. Die Seitenbetreiberin konnte nach einigen Jahren bereits von den Werbeeinnahmen leben. IKEA selbst hat immer wieder Fotos und Hacks des Blogs über soziale Netzwerke geteilt. Dann wurde die Bloggerin plötzlich abgemahnt, sollte den Domainnamen abgeben und Werbebanner entfernen.

Mit der Androhung rechtlicher Schritte hat IKEA auf einen Schlag gezeigt, dass die internen Abläufe der Firma in Sachen Social Media stark verbesserungswürdig ist. Wie kann es sonst passieren, dass die Rechtsabteilung ein Blog abmahnt, obwohl man deren Tätigkeit schon seit Jahren wahrnimmt und auf den eigenen sozialen Netzwerken sogar teilt? Die Community hinter dem Fanblog sprach sich schnell und lautstark gegen das Vorgehen des Konzerns aus. Dem sonst so beliebten Möbelhaus drohte ein Proteststurm. IKEA ruderte schnell zurück, als das Vorgehen immer höhere Wellen schlug und auch die traditonelle Presse nach und nach darüber berichtete. Eine richtige Lösung wurde bisher noch nicht gefunden, allerdings hat sich IKEA bereits bei der Bloggerin entschuldigt. Das Blog soll unter seiner bisherigen Domain weiterlaufen – ob die Seiteninhaberin auch weiter Werbung schalten darf, ist noch nicht entschieden.

Auf der einen Seite ist es verständlich, dass IKEA seine Marke schützen will – immerhin ist es eine der bekanntesten Marken weltweit. Allerdings haben es die Schweden durch die Androhung rechtlicher Schritte verpasst, eine Feel-Good-Story in Sachen Blogger Relations zu kreieren. Was auch immer das Unternehmen nun als Lösung und Wiedergutmachung anbietet – es wird den faden Beigeschmack einer Schadensbegrenzung haben. Eine große Community, die sich über die normalen Anleitungen und Ideen von IKEA hinaus mit deren Produkten auseinandersetzt und noch mehr Kreativität für die Firma und Content für deren soziale Plattformen bringt – es wäre doch der perfekte Kooperationspartner für den Konzern gewesen.

Share this
arrow_upward