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IFA 2015: Die Innovation liegt im Detail

Date Posted: 7 September, 2015

Es war eine Nachricht, die zu erwarten war: IFA zum achten Mal nacheinander ausgebucht. Volle Hallen, gut gefüllte Ausstellungsregale – Unterhaltungselektronik erfreut sich weltweit großer Beliebtheit. Zwar wäre es vermessen, aktuell von einem Boom zu sprechen – aber die Zeichen stehen weiterhin auf Wachstum.

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Die offizielle IFA-Pressemeldung zitiert Hans-Joachim Kamp, Aufsichtsratsvorsitzender des IFA-Veranstalters gfu Consumer & Home Electronics GmbH mit den Worten: „Von der IFA erwarten wir 2015 wichtige, positive Impulse. Innovative Produkte, neue Anwendungen und Lösungen sowie zukunftsweisende, spannende Trends und Entwicklungen der vernetzten Welt stehen bei der IFA im Fokus. Mit ihrer einzigartigen Mischung und ihrer starken globalen Position bereitet die IFA die nachhaltige Basis für erfolgreiche Geschäftsentwicklungen, denn Wachstum kommt nur von Innovationen und die haben auf der IFA Premiere – seit über 90 Jahren“.

Die Zahlen sind positiv, die Neuigkeiten zu diskutieren

Doch bei allen positiven Zahlen, sind die wirklichen Innovationen im Jahr 2015 noch schwerer auszumachen als 2014. Die großen Revolutionen bleiben seit zwei Jahren aus. Zwar zeigen viele IFA-Aussteller Verbesserungen ihrer Vorgängermodelle, doch ein großes übergreifendes Thema – wie „Smart“ vor zwei Jahren – fehlt. Würde man sich auf ein Thema festlegen müssen, wäre es allerdings das Trendthema aus dem Jahr 2013: „Smart“. Wer offenen Auges durch die Hallen läuft oder das tägliche IFA-Magazin durchblättert, stößt auffällig oft auf Haushaltswaren. Neben bekannten Herstellern wie AEG, Miele oder Bauknecht mischen sich für den Haushalts-Laien auch unbekannte Namen wie Changhong ins Line Up. Zwar bauen die Chinesen auch Flat-Screens und MP3-Player, aber eben auch Haushaltsgeräte, wie Kühlschränke.

Der FC Barcelona und die Waschmaschinen

Hersteller wie Beko – in Großbritannien und Polen immerhin Marktführer in der weißen Ware – will nun auch in Deutschland weiter durchstarten. Die Anzahl der gezeigten smarten Waschmaschinen und Robot-Staubsauger produzierte sogar den Begriff „Clean Lifestyle“. Die Vermarktung in Richtung Zielgruppenerweiterung geht sogar so weit, dass Beko auf einem Werbemotiv Waschmaschinen, Kühlschränke und Backöfen auf einen Fußballplatz verfrachtet und Spieler des FC Barcelona damit posieren lässt. Vor 30 Jahren waren Backöfen noch die Bezahlung für weibliche Fußballspieler – heute lässt ein solches Motiv noch schmunzeln, doch Kochstationen mit diversen Mann-gerechten Smart-Funktionen sind zeigte IFA-Realität. Genau wie die passenden 3D-Drucker für Nahrungsmittel.

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Aber nicht alle Funktionen modernen Haushaltsgeräte belaufen sich auf Connectivity. Haier zeigt mit einer Waschmaschine ein Feature, bei dem man sich fragt, weswegen noch niemand zuvor eine solche Idee hatte: Das Gerät erlaubt dank zweier Trommeln die Wäsche von zwei Ladungen gleichzeitig: eine normale und eine Buntwäsche. Der Name Haier „Duo“.

Innovative Raumkonzepte und erweiterte Produktpaletten auf der IFA

Panasonic versucht sich nun auch als Raumausstatter. Panasonics Präsident Tetsuro Homma verkündete auf der IFA, die Lebenswelten vor allem europäischer Menschen zu harmonisieren. Den Anfang sollen eine Küche, ein Esszimmer und ein Wohnzimmer machen. In der Praxis werden diese „Space Solutions“ traditionelle japanische Architektur und Panasonics Einzelprodukte kombinieren. Diese Idee ist Teil von Panasonics Plan, den Absatz von Consumer Products 2016 zu verdoppeln.

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Auch bei LG finden sich Staubsauger, Waschmaschinen und Kleiderschränke völlig selbstverständlich neben neuen 8K-Displays und Kurzdistanz-Beamern. Moment, Sie sind gerade über den Begriff „Kleiderschrank“ gestolpert? Tatsächlich bietet LG Kleiderschränke an, die das perfektionieren was jede Hausfrau rät: Anzüge nicht Bügeln – lieber eine halbe Stunde in ein mit heißem Wasserdampf gefülltes Badezimmer hängen. Sprich: Eine Düse flutet den Schrank mit den Klamotten mit wohlriechendem Dampf, während ein beweglicher Kleiderbügel die Stoffe schüttelt: So wird die Kleidung gelüftet und von Knitterfalten befreit. Allerdings muss der Käufer damit leben, dass das Innere wie ein Kühlschrank aussieht.

Mobiles 4K und Smartwatches

Weiterhin große Themen: Smartphones, Smart-TVs (viele davon bleiben dem Curved-Design treu und sind ultrahochauflösend) und Wearables. Gerade im Bereich Smartphones zeigt sich auf der IFA 2015 die Innovationssackgasse, in der sich die Hersteller befinden. Sony zeigt mit dem Sony Xperia Z5 Premium ein Gerät mit 4K-Display. Die Frage nach dem „Warum“ wurde oft gestellt und nicht beantwortet. 4K-Inhalte fehlen weiterhin – für den Videomarkt und erst recht für kleine Handy-Displays wie das eines Smartphones. Also kann es nur ein Antwort auf das „Warum“ geben: „Weil wir es können!“ Der Stromhunger eines solchen Displays, und das damit verbundene Akkuproblem, ist freilich ein ganz anderes Thema.

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Erstaunlicherweise gehen die großen Namen der Branche allesamt mit neuen Smartwatch—Modellen ins Rennen. Die Uhren starten jetzt bei ca. 150 Euro. Zwar werden die Uhren von den Medien allesamt prominent gefeatured, aber es bleibt abzuwarten, ab sich diese Produkte wirklich durchsetzen werden.

Innovation im Kleinen

Richtig sinnvoll erscheinen auch Steel Mates „Bluetooth-Ventilkappen“ für Autos. Die prüfen automatisch den Luftdruck der Reifen und kommunizieren das an ein Smartphone. Sinkt der Druck, meldet sich das Handy durch ein Signalton.

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Diese Art der „Sinnvoll-Innovation“ bieten auch Hersteller wie Intenso. Hier gibt es mit der Memory Safe eine externe Festplatte zu sehen, die sich per Nummern-Pad mit einem 256-Bit AES-Code sichern lässt. Vorteil: Die Sicherungsart ist vielen Usern vom Handy bekannt und es ist unmöglich für jemanden, der den Code nicht kennt, an die Daten zu kommen. Nach 100 falschen Eingabeversuchen wird die komplette Platte unwiderruflich gelöscht.

James Bond hätte sicher Spaß daran.

 

 

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