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IAA 2015: Mobilität verbindet – vor allem Millenials

Date Posted: 30 September, 2015

Zweifellos: Deutschland, Auto-Land. Ob BMW, Mercedes Benz oder der zuletzt im Licht der Öffentlichkeit stehende VW-Konzern – wer die neusten und besten Autos sehen will, muss nach Deutschland kommen. Genauer: Auf die Internationale Automobilausstellung in Frankfurt. Wenn gleich der Abgasskandal aller Orten Thema war – auf der IAA ging es umso viel mehr: 219 Weltpremieren gab es in Frankfurt zu sehen – vieles davon softwareseitig. Bedeutet das, aus den Hardware-Konzernen werden Software-Konzerne, wie es Sascha Lobo empfiehlt? Nein. Noch nicht – aber die Auswirkung ist interessant.

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Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) macht mit seinem abschließenden Statement deutlich: Allem Widerspruch zum Trotz – das klassische Messeprinzip ist auch im Jahr 2015 keinesfalls tot. „Die 66. IAA Pkw hat unsere Erwartungen mehr als erfüllt. Bei bestem Messewetter brachte das letzte IAA-Wochenende noch einmal einen großen Besucheransturm. Mit insgesamt 931.700 IAA-Besuchern kamen über 50.000 Gäste mehr zur weltweit wichtigsten Mobilitätsmesse als vor zwei Jahren, ein Plus von rund sechs Prozent. Das ist das beste Ergebnis seit acht Jahren. Die IAA-Besucher sind jünger geworden und im Schnitt 34 Jahre alt – bei der letzten IAA lag das Durchschnittsalter noch bei 37 Jahren. Das IAA-Motto ‚Mobilität verbindet‘ wurde umfassend eingelöst – die Vernetzung und Digitalisierung der Mobilität prägten diese IAA und weisen weit nach vorn“, fasst Wissmann zusammen. Übrigens: Eine sehr interessante Zusammenfassung liefert auch Tom Schwede auf 1300.ccm.

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Junge Besucher, junge Themen

Exakt das ist auch unser Eindruck: Die Hallen waren voll – und die Besucher im Schnitt recht jung. Welcher Umstand nun was bewirkt, darf diskutiert werden: Sorgt die Betonung der Connectivity für jüngere Zielgruppen, oder reagiert die Automobilindustrie auf die jünger werdenden IAA-Besucher? Wie dem auch sei: Die Zukunft der Branche liegt in den Bereichen Connectivity und Software. Immer wieder beklagt die Automobilindustrie, das Auto habe als Statussymbol bei den 16- bis 38-jährigen ausgedient. Das ist eine korrekte Analyse. Die Verkaufszahlen beweisen das.

Der Zielgruppe der Millenials ist eine Eigenschaft gemein: Sie sind wenig markentreu. Das bezieht sich nicht nur auf Automobile. Auch Mode und Technik.

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Wichtig: Diese Zielgruppe benötigt praktische Szenarien, um Produkte in ihre Lebenswelten einzubeziehen. Der Ansatz der Connectivity ist exakt jener, der Fahrzeuge wieder für jüngere Menschen interessant macht und sei es nur, um auf der IAA einen Blick darauf zu werfen. Wer sich zuletzt Mitte der Nullerjahre ein Auto kaufte, wird staunen, wenn er sich in ein aktuelles Modell setzt – dabei ist es fast unerheblich, um welches Fabrikat es sich handelt. Der Umstieg lässt sich gut vergleichen: Es ist ein bisschen, als steige man von der Schreibmaschine auf einen modernen PC mit Touchscreen und 3D-Brille um. Keine Frage: Um nicht den Kontakt zu älteren Zielgruppen zu verlieren, muss die Auto-Industrie aufpassen, die Fahrzeuge nicht zu Science Fiction-artig zu fertigen. Zwar sind die jungen Smartphone-Nutzer von heute die Käufer von morgen – doch einen Neuwagen mit aktueller Ausstattung muss man sich finanziell erst leisten können. Diese Solvenz ist selten zwischen 18 und 30 Jahren voll gegeben.

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Endlich ein DeLorean

Doch all die heute in Fahrzeugen verbaute Technik fasziniert junge Menschen. Ob nun SEAT, die auf der IAA ihre Connect-Sondermodell-Reihe präsentierten und auf diesem Gebiet eng mit Samsung zusammenarbeiten oder BMW, die im neuen Flaggschiff der 7er Serie erstmals und exklusiv Gestensteuerung zeigten – Automobile sind längst in den Fokus technikverliebter Medien und potenzieller Käufer geraten. Mehr zum 7er BMW auf der IAA gibt es auf Bimmertoday.

Die IAA 2015 war auch die Messe der „Concept Cars“, wie auch Daniel Bönnighausen auf Autophorie zeigt.

Natürlich war das Thema Elektromobilität in aller Munde. Vor allem, weil Tesla-Chef Elon Musk parallel zur IAA Siegmar Gabriel in Berlin besuchte. Tesla eilt ein schon fast prophetischer Ruf voraus – auch wenn Jan Gleitsmann auf Mobilegeeks Teslas neuem SUV „Model X“ die Luft aus den Reifen lässt.

Doch bei aller Diskussionswürdigkeit darüber, wie die Automobil-Industrie im Allgemeinen und die deutsche im Speziellen mit dem Thema Emissionen umgeht – an einer Stelle ist man sich dann doch einig – auch die Millenials: Der Umstieg muss kommen. Nur wann wie und wie schnell – das bleibt die Frage. Auf der IAA wurde auch sie nicht abschließend beantwortet.

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