News & views

Himmlisches Gezwitscher – der twitternde Pontifex

Date Posted: 14 Dezember, 2012

Es gibt sicher viele Benedikts auf Twitter. Die Anzahl derer, die bürgerlich Joseph Aloisius heißen, dürfte geringer sein. Aber nur einer verschickt seine 140 Zeichen aus dem Vatikan heraus. Zugegeben, auch ich musste die Nachricht vom twitternden Papst zwei Mal lesen. Ein drittes Mal sogar – nur um sicherzugehen, dass es wirklich stimmt. Ich war überrascht.

Papst Twitter
Der päpstliche Account: Benedikt twittert nun auch auf Deutsch.

Irgendwie ist die Sache auch gleichzeitig spannend. Vor allem aus kommunikativer Sicht. Sechs Jahre nach dem ersten weltweiten Tweet nutzt auch der Papst einen eigenen Twitter-Account. Bisher twitterte er nur über den Account des Vatikans. Über ganz persönliche Papst-Tweets freuen sich nicht nur potenziell 1,2 Milliarden Katholiken, sondern (vielleicht) auch Apple und die vielen Papst-Kritiker.

Die vom Vatikan veröffentlichten Bilder des ersten heiligen Tweets zeigen den Papst an einem iPad. Glauben wir Hollywood-Filmen, dann ist der Papst nun offiziell einer von den Guten – denn die Bösen nutzen im Kino der Legende nach Zeugs von Microsoft. Ob die Tweets ihrer Heiligkeit wirklichen Inhalt liefern, darf diskutiert werden. Bisher verbreitet der Papst seine Nachrichten auf dem schnellsten Medium der Welt mit gerade zu störrischer Gemütlichkeit. Sieben Tweets am ersten Tag. Danach nichts mehr. Sieben Accounts existieren. Jeder in anderer Sprache. Darunter auch Deutsch. Der Papst folgt dabei übrigens nur seinen eigenen sieben Accounts. „Liebe Freunde! Gerne verbinde ich mich mit euch über Twitter. Danke für die netten Antworten. Von Herzen segne ich euch“ lautete der erste Tweet am 12.12.2012. Mit diesen Zahlen und Daten ließe sich problemlos ein neuer Dan-Brown-Roman schreiben. Da bin ich mal auf den siebten Tag gespannt.

 

Diese ganze Entwicklung ist keineswegs überirdisch. Der Ex-Fox News- und Time-Journalist Greg Burke stammt aus Missouri und ist nun für die Kommunikation des Vatikans verantwortlich. Mit der schnellen Reaktionsmöglichkeit per Twitter will Burke wohl in Zukunft dafür sorgen, dass die vatikanischen Pannen der jüngsten Vergangenheit schneller ausgebügelt werden können. Sollte der Vatikan Twitter tatsächlich dafür nutzen, grundsätzliche Dinge schneller klarzustellen, als das bisher geschah, wird es sich lohnen, Benedikt XVI@Pontifex_de zu beobachten. Sollten Burke und sein Team aber nur Bibelzitate auf 140 Zeichen eindampfen, dürfte das jeden, der nicht mit dem Rosenkranz vorm Rechner sitzt, recht schnell langweilen.

Papst Twitter
Die Website vatican.va ist schon länger online.

Burke ist Profi. Er weiß, dass sich der Papst mit allen Auftritten in sozialen Netzwerken angreifbarer macht als hinter den Mauern des Vatikans. Viele Twitter-User nutzen die Situation auch schon, mit Hohn zu reagieren. Aber auch hier bleibt zu hoffen, dass die Papst-Kritiker die Gelegenheit sinnvoller nutzen, als substanzlosen Spott zu twittern. Den Papst zu kritisieren, ist wichtig. Ihn zu verspotten, leicht. Mit ihm wirklich in einen Dialog zu treten, dürfte schwer werden. Der nächste große päpstliche Twitter-Clou dürfte der alljährliche Weihnachtssegen werden. Und was will man dagegen auch haben?

Share this
arrow_upward