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Herr Spielberg und die Zukunft der digitalen Unterhaltungsindustrie

Date Posted: 30 Juli, 2013
Foto: Electronic Arts

Treffen die Herren George Lucas und Steven Spielberg bei einer Podiums-Diskussion zusammen, entsteht immer ein gewisser Nachrichtenwert. Vor allem, wenn noch Don Mattrick – der ehemalige Xbox-Chef – dabei ist. Wie am 12. Juni in der USC School of Cinematic Arts von Los Angeles. Interessanterweise wäre dieses Treffen weitgehend unbeachtet geblieben, wäre da nicht eine Satire-Seite namens Pixeled Courier. Diese thematisierte die Podiums-Diskussion wiederum am 21. Juli und erweiterte sie um erfundene Zitate der Herren Lucas und Spielberg. Schon war das Thema wieder aktuell. Diese erweiterte Version der Diskussion trat im Netz erneut die Debatte „Sind Videospiele Kunst?“ los. Viele Webseiten und Blogs mischten mit. Die meisten fielen auf die Satire rein. Die Zitate wurden immer wieder ungefiltert weitergegeben. Erst Tage später wurden die Artikel aktualisiert oder ganz gelöscht. Die Spielerschaft stritt über die vermeintlich ewig-gestrigen Aussagen zweier Entertainment-Dinosaurier. Was bisher aber weitgehend unbeachtet blieb: Die Aussagen Spielbergs gehen viel tiefer. Sie waren ein Kunststück der Eigen-PR.

Ja, Games sind Kunst

Was spielte sich da am 12. Juni in Los Angeles genauer ab? Nun, die USC School of Cinematic Arts lud ein, um über die Zukunft der Unterhaltungsindustrie zu plaudern. Da weder Lucas noch Spielberg Schriftsteller oder Maler sind, ging es natürlich um Filme – oder, dank Mattrick: um interaktive Unterhaltung. Dabei ging es nie um die Frage, ob Games Kunst sind, sondern darum, ob die Multi-Millionen-Dollar-Produktionen Hollywoods in der heutigen Form eine Zukunft haben. Auch wenn Pixeled Courier beide Regisseure als absolute Games-Gegner dastehen ließ – das sind sie natürlich nicht. Beide engagieren sich stark in Games-Produktionen. Zudem sind beide Geschäftsmänner und viel zu professionell, um sich einfach der Kritik der internationalen Spielerschaft auszusetzen. Vor allem, da die Frage in den USA und in Deutschland offiziell schon beantwortet ist. Hier sind Computerspiele mittlerweile als Kunst und Kulturgut anerkannt. Der Deutsche Kulturrat nahm Videospiele bereits im Jahr 2008 als Mitglied auf. Selbst das Museum Of Modern Art hat vor einiger Zeit 14 Klassiker angekauft und nimmt die Titel in ihre Sammlung auf. Darunter Pac-Man (1980), Tetris (1984) und Portal (2007). Weitere sollen folgen.

Steven Spielberg engagiert sich schon länger in der Games-Industrie. Hier ist er mit dem Spiel Boom Blox Bash Party zu sehen.
Bild: Electronic Arts

Chapeau, Herr Spielberg!

Nein: Wer die Xbox One – Vorstellung verfolgte, dem fiel vielleicht auf, dass sich Steven Spielberg hier zukünftig stark einbringen wird. Es wird wohl nicht nur bei einer Halo – TV-Serie bleiben – Spielberg will mehr. Daher dürfte es nicht verwundern, dass er die Unterhaltungsindustrie aktuell als nicht allzugut aufgestellt sieht. Klassische Filme zu drehen, würde immer mehr zum finanziellen Risiko und Games würden in aktueller Form niemals das künstlerische Rundumpaket eines Films bieten können. Den Grund für Ersteres sieht Spielberg im größeren Unterhaltungsangebot von heute: Die Leute hätten zu wenig Zeit ins Kino zu gehen. Es gäbe schlicht zu viele Unterhaltungsangebote, die um unsere Zeit konkurrieren.

Und was hindert Games daran, das künstlerische Rundumpaket eines Films bieten zu können? Das sieht er im Controller begründet. Der würde den Spieler daran hindern, wirklich in die Erzählstruktur des Mediums einzutauchen. Da kam Don Mattrick ins Spiel: Microsoft hat Kinect – also die Möglichkeit freihändig zu spielen. Wenn die Giganten George Lucas und Steven Spielberg auch nur durch ein Nicken in Richtung Don Mattrick diese These bestätigen, hat das Symbol-Charakter. Nicken sie dann noch die These ab, Controller-freies Spielen fördere den Kunstanspruch eines Spiels, kann das nur noch durch eines überboten werden: durch die Verschmelzung von Spiel und Film ist die Zukunft des Kinos zu retten. Man muss man kein Hellseher sein, um zu erahnen, worin bald verstärkt investiert werden wird. Mattrick fasste dann noch mal zusammen: Das nächste Level wird die Fusion von Film, TV und Interaktivität sein. Chapeau, Herr Spielberg! Glückwunsch Microsoft!

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