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Google Glass – Gute Kommunikation verändert die Sichtweise

Date Posted: 13 Mai, 2013

Mein Augenarzt hat an meiner Sehstärke nichts auszusetzen. Ich eigentlich auch nicht. Ich würde dennoch eine Brille sehr gerne ausprobieren. Die von Google. Google Glass – so stelle ich mir das vor – bietet mir, was ich aus dem Spiel Deus Ex kenne, das ich damals schon faszinierend fand wegen „Augmented Reality“.

„Ich werde mit niemandem mehr reden, der dieses Ding trägt“, sagen die Einen. Dagegen freut sich der typische Early Adopter (Übertragung per Knochenschall – muss ich haben!) auf die schier unendlich scheinenden Möglichkeiten, die sich aus der Brille ergeben. Von dem Science-Fiction-Flair ganz zu schweigen. Die kritischen Stimmen werden haben Sorge um heimliche Videos, die per Zwinkern aufgenommen werden, oder befürchten Nacktscan-Apps. Sogar Casinos wollen das Gerät schon verbieten. Glas(s)klar: Google Glass polarisiert. Vor allem, wenn man sieht, was einen Typen mit einer Brille, die Glass ähnlich sah, in Paris passierte.

Spaltet Google Glass die Gesellschaft?

Spaltet Google Glass die Gesellschaft?
Bild: Google

Wie verhindert man am besten diesen von der ZEIT geschilderten Gesellschaftsgraben, der sich aufzutun droht zwischen den ums Private und Datenrecht Besorgten einerseits und den Technik Bejahenden (oder Hörigen) andererseits, die Sascha Lobo am Mittwoch in seiner SPON-Kolumne ansprach?

Die dort von ihm proklamierte Lösung wundert und verstört mich so sehr, dass ich sie näher betrachten möchte. Er schreibt:

„Google Glass braucht kein Marketing, sondern Aufklärung.“

Ich frage mich, wie bitteschön sollte Aufklärung denn dann angeliefert werden?

Bei aller Hochachtung für Ihre Stimmgewalt, Herr Lobo: Mit Ihrer Aussage liegen Sie meines Erachtens nach falsch. Denn Marketing definiert Wege und Themen hin zum Gegenüber, ob dieses nun potenzieller Käufer oder Kritiker sein werden. Gablers Wirtschaftslexikon beschreibt Marketing so: „Der Grundgedanke des Marketings sei die konsequente Ausrichtung an den Bedürfnissen des Marktes.“ Ist also das Bedürfnis des Marktes an Aufklärung ausgerichtet, so wäre Aufklärung die Zielsetzung des Marketings und Marketing nicht ihr Widersacher.

Alles andere wäre eine Sisyphos würdige Arbeit, wenn wir es ohne die Ausrichtung an den Bedürfnissen und mit den vielen Wegen der Kommunikation zu den Zielgruppen der Käufer, Kritiker, Unwissenden, Ängstlichen versuchten.

Drum würde ich differenzieren. Ja Herr Lobo, es ist unbedingt richtig, eine neue Technologie mit der Macht von Google Glass braucht Aufklärung. Gerade weil sie das erste Massenmarkt taugliche Device ist, das als permeable Membran quasi zwischen Realität und Netzwirklichkeit geschaltet wird. Dafür benötigen wir unbedingt Aufklärung der Risiken und Gefahren ebenso wie der Chancen und Stärken. Durchaus auf allen Ebenen, der rechtlichen, gesellschaftlichen wie technologischen. Soweit bin ich bei Ihnen. Aber dabei Marketing auszukoppeln, halte ich für einfältig verkehrt.

Denn es braucht die emotionale Ansprache, Wunscherweckung und Abbau von Ängsten und Vorurteilen. Es braucht darum gerade das Marketing. Und es braucht PR. Natürlich gute.

Sprich: Es ruft nach einem smarten, auf einander abgestimmten Kommunikationsmix. Denn nichts weniger liefert Aufklärung und kann wortwörtlich die Sichtweise von Kritikern oder Fürsprechern ändern. Ergebnisoffen.

Die Gesellschaft muss sensibilisiert werden

Allerdings produziert Google derzeit mit verstecken Programmcodes alles andere als eine der Sache dienliche Kommunikation. War anfangs noch gesagt worden, Glass funktioniere nur per Sprachsteuerung („Glass, take a picture“), tauchte recht schnell ein Stück Code auf, der eben die gefürchteten Fotos oder Videos per Zwinkern erlaubt. Datenschützer schreiben auf. Zu recht. Jetzt ist es an Google, glaubwürdig zu kommunizieren, dass man sich tatsächlich dafür einsetzt, solchen Angstfaktoren den Wind aus den Segeln zu nehmen. Etwa indem wirklich betont wird, dass es strikte Regeln für die Glass-App-Entwicklung gibt: Don’t be evil – ein Spruch alleine, reicht da nicht aus.

Übrigens: Bis ich mir vielleicht diese Brille kaufen werde, versuche ich mich erst mal an Flass (Fake Glass) und sage „Danke Cashy für den Tipp“. 🙂

 

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