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Google: Don’t be evil – oder doch?

Date Posted: 4 Januar, 2013

Die US-Kartellbehörde Federal Trade Commission (FTC) hat das Verfahren gegen den Netzgiganten Google eingestellt. Es stimmt. Ich habe es gegoogelt.

Warum dieses Verfahren überhaupt lief, fragen Sie? Alleine, dass ich nicht schreibe, ich habe diese Nachricht im Netz „gesucht“, sondern „gegoogelt“, dürfte Antwort genug sein: Google besitzt unbestritten eine Suchmaschinen-Dominanz. Ergo: ein Machtmonopol. Und nicht nur Spider-Mans Opa wusste, dass aus großer Macht große Verantwortung folgt. Google soll diese Macht missbraucht haben. Das werfen dem Suchmaschinen-Giganten unter anderem Microsoft, Expedia und Yelp vor. Konkret: Google habe – um eigene Produkte in den Suchanfragen nach oben zu hieven und die der Konkurrenz gezielt schlechter zu listen – Rankings manipuliert. Die FTC sprach Google nun von diesem Vorwurf frei. Allerdings ist gleichzeitig zu hören, dass die vorgenommenen „Anpassungen“ legitim seien. Da stellt sich für mich ein grundlegende Frage: Erwarte ich von Google ein fast schon wohltätiges Verhalten gegenüber der Konkurrenz oder nehme ich Google als das, was es ist: ein an der Börse notiertes Wirtschaftsunternehmen.

Allerdings ist diese Frage etwas zu kurz gegriffen. Denn wer sich die Diskussion um (alte) Massenmedien, Microsoft in den 90er Jahren oder die Macht der Banken seit der Lehman Brothers-Pleite anguckt, wird in der Diskussion erstaunliche Parallelen entdecken. Wie geht man also mit Machtblöcken um, die nicht nur eine wirtschaftliche Beeinflussung der Konkurrenz ermöglichen, sondern auch eine gesellschaftliche? In Europa, speziell in Deutschland, tun wir uns da mit der Antwort erfahrungsgemäß etwas schwerer. Das ist wohl auch der Grund, warum die Vorwürfe gegen Google hier noch nicht vom Tisch sind. Die EU und Google streiten noch. Das mag kleinkariert sein. Von Seiten der (Print)Verleger auch technikfeindlich klingen, doch der Umstand, dass über 90% aller Suchanfragen in Deutschland per Google gemacht werden, legitimiert natürlich, dass man Manipulationsvorwürfe ausführlich prüft. Auch wenn es mal länger dauert.

So bunt, so harmlos? Die EU sieht es (noch) anders.

Wolfgang Schulz, Direktor des staatsorientierten Hans-Bredow-Instituts für Medienforschung in Hamburg, wurde schon 2005 (ein Jahr nachdem „googeln“ in den Duden aufgenommen wurde) von Golem.de mit sehr interessanten Aussagen zitiert. Beispielsweise, dass Suchmaschinen damals schon ein wichtiges Recherchemittel für Journalisten gewesen seien – und diese im Umgang mit ihnen noch fremdeln. Die implizierte Frage: Waschen sich so durch das „Ergoogeln von Informationen“ weniger populäre Informationen im ständigen Medienbetrieb aus? Schulz sprach auch die schöne Formulierung aus, die von Suchmaschinen ausgespuckten Ergebnisse böten zwar keinen Journalismus, aber ein „Interpretationsangebot der Realität“. Was also, wenn dort wirklich über die Maßen manipuliert würde?

Eine Frage, die sich auch Suchmaschinenspezialist Philipp Klöckner stellt. Auf seinem Blog wirft er Google Doppelmoral vor. Klöckners Eintrag ist eine regelrechte Anklageschrift. Wer einmal alle Vorwürfe gegen Google in einem Rutsch herunterlesen will, dem sei Klöckners Beitrag empfohlen. Mal sehen, ob Sie dann noch einmal google.de in Ihren Browser tippen…

Dennoch: Es wird und kann keinem User per Gesetz vorgeschrieben werden, welche Suchmaschine er verwenden soll. Diese Entscheidung obliegt dem digital aktiven Individuum. Was aber durchaus vernünftig klingt, ist, dem User klarzumachen, wie er selbst Suchergebnisse beeinflusst. Und da wartet noch ein großes Stück Arbeit.

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Beeinflusst Googles Monopol die Wahrnehmung der Welt?

Ich fragte mich selbst, weshalb ich eigentlich schon seit einer gefühlten Dekade auf Google setze und Yahoo, Altavista, Fireball oder Bing ausschlug. Mir fielen folgende Begründungen ein: Die Google-Startseite ist herrlich aufgeräumt. Die Konkurrenz ist oftmals völlig mit Werbung und Content überladen. Selbst Bing wirkt nach Google oftmals nervig. Das ist natürlich mobil noch mal doppelt so wichtig.

Auch, wenn Google noch heute werbefrei wirkt – seit dem Jahr 2000 ist das nicht mehr so. Die Werbung ist nur viel unauffälliger. Im Hintergrund werkeln tatsächlich etliche Monetarisierungsmodelle, sie sind für Laien aber nahezu nicht zu durchschauen. Spreeblick hat es wohl am trefflichsten formuliert: „Google hat die Währung des Webs, Links nämlich, mit AdWords und Adsense clever in Bares verwandelt.“

Doch die Antwort auf die Frage, wie sich unsere Gesellschaft durch diese Entwicklungen verändert, lässt sich nicht einfach ergoogeln – sie muss in Diskussionen mit Menschen ausgefeilt werden. Da wünsche ich mir endlich eine breite, gesellschaftliche Debatte. Lassen Sie uns doch an dieser Stelle damit beginnen.

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