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Google – Das selbstfahrende Auto

Date Posted: 2 Juni, 2014
Bild: © Google Inc.

Wurde in der Vergangenheit von „Autopiloten“ gesprochen, waren meistens Flugzeuge oder Schiffe gemeint. Während sie in Flugzeugen dafür sorgen, dass diese stabiler navigiert werden können, übernimmt die automatische Steuerungsanlage bei Schiffen die Steuerung nach einem festen Kurs. Google will nun noch drei Schritte weiter gehen und feilt seit einigen Jahren an einem Auto, das ohne menschliche Steuerung selbstständig fahren kann – und sich dabei an die Verkehrsregeln hält.

100 Prototypen –  100.000 Testmeilen

In der letzten Woche gab Google eine Vielzahl von Informationen zu ihrem Smart Car bekannt. Bevor die Autos auf den Markt kommen, werden noch einige Jahre vergehen. Momentan arbeitet Google an mehreren Prototypen um herauszufinden, wie so ein selbstfahrendes Auto überhaupt aussehen soll und welche Ausstattung notwendig ist. Der vorgestellte Prototyp zum Beispiel ist weder mit einem Lenkrad noch mit Pedalen ausgestattet. Google ist derweil nicht das einzige Unternehmen, das an solchen Lösungen arbeiten. Tech-Riese Intel vermeldete kurz nach Googles Ankündigung, dass man an Software-Lösungen zur Unterstützung arbeitet. Ein eigenes Intel-Car ist wahrscheinlich noch nicht spruchreif, Software zur Unterstützung von autonomem Fahren allerdings schon.

Die von Google installierte Sensoren, erkennen Objekte und Hindernisse aus einer Entfernung von zwei Fußballfeldern. Sie lassen es zu, dass das Auto auch auf stark befahrenen Straßen den Überblick behält und seine Insassen auch im dichten Stadtverkehr sicher ans Ziel bringt. In den nächsten Jahren soll das Testprogramm in Kalifornien ausgeweitet werden. Die Testfahrer sollen zukünftig auch Fahrzeuge mit manuellen Steuerungselementen testen können. Laut Google will man in den nächsten Jahren verstärkt nach Partnern aus der Industrie suchen, so dass die Technologie nach und nach in den Massenmarkt eingeführt werden kann.

Komfort gegen Sicherheit?

Die Idee eines selbstfahrenden Autos ist zu gleichen Teilen interessant und beängstigend. Sie birgt neben möglichen Gefahren nämlich auch sehr viele Möglichkeiten, vor allem für Menschen mit körperlichen Einschränkungen, wie zum Beispiel Blinde. Gerade im Stadtverkehr könnten die Fahrzeuge eine Revolution sein. Lässt die Ehrfurcht ob der technischen Möglichkeiten erst einmal nach, stellen sich viele Fragen: nach Sicherheit, nach Umsetzbarkeit in Massenproduktion und technischen Einschränkungen. Kann eine solche Technologie überhaupt ein kommerzieller Erfolg werden? Bjoern Habegger beschreibt und vergleicht treffend die Entwicklung, die Google als Suchmaschine und auf dem Handy-Markt anstieß und die Stellung, die sich der Konzern mit stetigen Innovationen und dem Android-Betriebssystem aufgebaut hat. Vielleicht ist Google in 30 Jahren das Unternehmen, das die Massenproduktion von selbst fahrenden Autos initiiert hat und genau dafür am bekanntesten ist – selbst wenn die großen Automobilhersteller noch keine Angst vor dem Google-Auto zu haben scheinen.

Weiterhin gibt es auch noch eine Vielzahl an Dingen, die das Auto nicht kann und Probleme, die wahrscheinlich erst adressiert werden, wenn die Modelle serienreif sind. In den Bergen, bei Schnee und Nebel zum Beispiel funktioniert der Laser-Sensor, der seine Umgebung sonst weitreichend abtastet, sehr viel unpräziser als im sonnigen Kalifornien. Auf engen Bergrouten ist das kein beruhigender Gedanke – zumindest ohne Lenkrad und Gas- oder Bremspedal. Wirklich aufgeschmissen sind Auto und Fahrer bei fehlender Netzverbindung: Ohne ständige Kommunikation mit Googles riesigen und detaillierten Arsenal an Maps kommt das Auto nicht mehr voran.

Google gibt an, das Fußgänger oder Fahrradfahrer, selbst wenn sie sich nicht an die Regeln der Straßenverkehrsordnung halten, erkannt und berücksichtigt werden – doch wie schnell und mit welchem Abstand solche Gefahrensituationen erkannt werden, ist noch nicht klar. Interessant wird es zudem auch unter bürokratischen Aspekten und der Art des Führerscheins. Werden Minderjährige Führer eines Google-Fahrzeuges sein können? Benötigt man überhaupt ein Führerschein für die Bedienung der vollautomatischen Geräte? Wie reagiert das Auto, wenn ein Unfall passiert? Wer haftet, wenn aufgrund technischer Probleme Personen zu Schaden kommen? Das selbst fahrende Auto von Google ist in jedem Fall ein aufregender Blick in die Zukunft und ein weiterer Schritt in eine Realität, wie sie bisher nur in den kühnsten Science-Fiction-Vorlagen vorkam. Jetzt scheint es, als sei der Konzern überzeugt von seiner Technologie und dem bisherigen Fortschritt – vermutlich wird es in den kommenden Monaten und Jahren immer wieder neue Informationen und Erfolgsmeldungen geben. Das hilft zum einem dem Konzern, der nun nicht nur auf Feedback und Akzeptanz der Allgemeinheit angewiesen ist, sondern auch auf die Resonanz von Gesetzgebern und Partner in der Automobilindustrie.

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