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Google auf Schönwetter-Tour: „Sei kein Glasshole“

Date Posted: 21 Februar, 2014
Screenshot: wildcard / Quelle: http://www.google.com/glass/start/how-it-looks/

Ich gestehe: Ich sehne das Zeitalter der Wearables herbei. Warum? Weil ich ziemlich Technik-affin bin. Diese Affinität übersteigt zumal die Sensibilität gegenüber Datenschutz-Thematiken. Ob das nun gut für mich ist, darüber kann man diskutieren. Vielen anderen geht es eventuell ähnlich. Mir ist allerdings auch bewusst, dass es eine Menge Menschen gibt, bei denen es sich umgekehrt verhält. Diese Menschen hegen gegenüber Technologien wie Kinect oder auch Google Glass einen (berechtigten) Argwohn. Sie haben sogar einen eigenen Ausdruck für Leute erfunden, die öffentlich Google Glass tragen und sich dabei sehr verdächtig verhalten: das Glasshole. Keine schöne Entwicklung für Google. Doch jetzt macht Google aus der Not eine Tugend. Und die ist hochinteressant.

Don’t be a glasshole

Kinect steht nur in meinem Wohnzimmer, Google Glass aber trage ich mobil durch die Gegend und trete so in direkten Kontakt mit Menschen – und genau das stört diese Menschen. Die Bedenken: heimlich gefilmt oder fotografiert zu werden. Schlicht: die Privatsphäre zu verlieren. Das stört auch Google – denn die Stimmungsmache gegen das „NSA-Nasenfahrrad“ könnte den Erfolg der Google Glass gefährden. Die erste uns bekannte Erwähnung des Begriffs „Glasshole“ fand vor über einem Jahr auf Techcrunch statt. TheWire erklärt den Werdegang des Begriffs. Gerade in den USA  entwickelte sich das Wort langsam zu einem sehr negativ behafteten Ausdruck.

Jetzt reagierte Google – und veröffentlicht in einem Blogbeitrag einen Google-Glass-Knigge. Damit will der Onlineriese aktuelle Glass-Tester und spätere Käufer dazu animieren, gute Produkt-Ambassadoren zu sein. Da hat jemand seine Hausaufgaben gemacht.

Google Glass – Image ist alles

Wir haben schon mehrmals darüber gebloggt, dass gute Kommunikation für ein Produkt wie Google Glass für dessen Erfolg wichtig werden wird. Doch keine noch so gute Werbekampagne wird die Skepsis der Menschen gegenüber Technologien, die missbraucht werden könnten, so glaubhaft abbauen können, wie durch die Nutzer, die sie anwenden. Hier ist kommunikative Empathie gefragt.

Deshalb ist Googles Schritt so richtig. Gute Produktbotschafter zu gewinnen, sollte Bestandteil einer jeden zielgerichteten Kampagne sein. Ob es nun der Umgang mit dem Smartphone, mit neuen Medien, mit Videospielen oder eben neuen Technologien wie Google Glass ist – Menschen muss bewusst werden, dass mit neuen Möglichkeiten auch neue Verantwortung einhergeht. Google macht noch eine Sache richtig: Der Blogbeitrag ist in Do’s und in Don‘ts aufgeteilt. Google bringt Glass also nicht nur mit negativen Situationen in Verbindung, sondern beschreibt auch die großen Chancen, den Spaß und den Nutzen für die Allgemeinheit. Die, bei den Do’s gelisteten Punkte, hätten allerdings noch Potenzial nach oben. Da könnte ich mir eine ganze Blogreihe vorstellen.

Die kommunikative Blaupause

Ich glaube, Google schafft mit dieser Aktion eine kommunikative Blaupause für andere Hersteller, die zukünftig Wearables produzieren und vor allem auch verkaufen wollen. Das Image eines Wearable-Produkts ist wichtiger als die reinen Produktfeatures – denn die schüren in diesen Fällen Ängste.

Dass diese diffusen Ängste zu konkreten wirtschaftlichen Problemen werden können, zeigt der Fall Xbox One. Auch, dass die Toleranz gegenüber Datenschutzthemen endlich ist, beweist der aktuelle Erfolg des Whatsapp-Konkurrenten Threema.

Ich zumindest habe mich entschieden – ich möchte Google Glass so schnell wie möglich selbst testen, ohne dabei zum Glasshole zu werden. Versprochen!

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