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Geschäftsmodelle in der Spieleindustrie

Date Posted: 6 Oktober, 2014
© Serjik Ahkhundov - Fotolia.com
© Serjik Ahkhundov – Fotolia.com

Die Spieleindustrie unterliegt einem ständigen Wandel – getrieben von besserer Technologie und immer auf der Suche, neue interessante Wege zu finden, um Geld zu verdienen. Die Branche ist schon lange nicht nur kreativ, wenn es um Spielinhalte geht, sondern auch darin, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Zusätzliche Downloadinhalte, Free-2-Play-Modelle, Mikrotransaktionen, episodische Spieleinhalte, Vorbestellerboni und Crowdfunding sind mittlerweile gang und gäbe.

Was die Spielerschaft will

Durch Plattformen wie Kickstarter oder Indiegogo ist es für Fans und Spieler möglich, mitzuentscheiden, welche Projekte sie fördern und unterstützen möchten. Dadurch entstehen im Idealfall Spiele, die vor allem auf den Wünschen und Hoffnungen der Spieler basieren und somit auch gerne gespielt werden. Die Spieler besitzen auf diese Weise eine gewisse Macht, die sich wiederum auf die strebsame Entwicklung von guten Spielen auswirkt. Eine Branche demokratisiert sich – zuvor konnte der Spieler seiner Ablehnung lediglich durch den Nicht-Konsum Ausdruck verleihen. Die neueste, kritisch zu betrachtende Entwicklung in diesen Bereich ist der „Early Access“, in der Spieler als Früh/-Vorabtester gegen Gebühr fungieren. Die Vorteile: Die Möglichkeit, sich früh in die Entwicklung eines Spiels einzuklinken, dabei die Fortschritte live verfolgen und aktiv an der Verbesserung beteiligt zu sein. Dieser Schuss kann aber auch leicht nach hinten losgehen, da eine aktive und spielerfreundliche Betreuung in dieser Phase nötig ist, um den Eindruck zu vermeiden, es ginge lediglich um das Abschöpfen weiterer Gelder.

Free-2-Play ist Free-2-Pay

Neben diesem enormen Anstieg an Crowdfunding-Titeln hat sich vor allem das Free-2-Play-Modell hervorgetan. Angekurbelt von starken Free-2-Play-Titeln wie League of Legends, Hearthstone oder auch Browsergames wie Candy Crush Saga begeistern sie vor allem mit einfacher Zugänglichkeit, Kurzweil und natürlich der Möglichkeit, nichts bezahlen zu müssen. Allesamt starke Argumente, denn wer möchte nicht ein Spiel mit Potenzial vollkommen kostenfrei antesten? Dadurch erhält das Spiel im Gegenzug die Chance, seine Qualität unter Beweis zu stellen, Spieler langfristig an sich zu binden und im Bestfall aus Spielern Kunden zu generieren, die mit so genannten Mikrotransaktionen auch Geld bezahlen. Oft handelt es sich dabei um kosmetische Verbesserungen wie veränderte Charaktermodelle in League of Legends. Für den Spieler entscheidend: Das Modell sollte nicht in den Bereich Pay-2-Win abrutschen, in dem echtes Geld benutzt werden kann, um sich spielerische Vorteile zu verschaffen. Eine solche Entwicklung strebt dem Free-2-Play Modell zuwider.

Neue Ära?

Dem Spieler die Freiheit zu lassen, für Inhalte zu bezahlen oder nicht, ist immer eine Gratwanderung. Allerdings auch eine, bei der sich Qualität und geschickte Modelle durchsetzen können. Spieler geben mitunter ein Vielfaches mehr Geld innerhalb eines Free-2-Play-Titels aus, einfach weil die Möglichkeit dafür besteht und die Angebote durchaus fair sein können. Gegenmodelle wie normale Vollpreistitel ohne Zusätze, haben es schwerer, da die preisliche Hürde durch die Sensibilisierung des Kunden mithilfe von Free-2-Play-Titeln oder Browsergames schwerer ins Gewicht fällt. Entsprechend haben auch diese Titel Anpassungen vorgenommen, zumeist durch zusätzliche Inhalte (DLC – Downloadable Content), die ein paar Wochen nach Veröffentlichung des Haupttitels separat erhältlich sind. Plattformen wie Steam, aber auch die modernen Konsolen mit ständiger Internetanbindung, bieten sich dafür an, da optionale Inhalte per Knopfdruck gekauft und runtergeladen werden können. Das dritte zentrale Modell, ein Monatsabonnement, wie es beispielsweise lange Zeit die großen Online-Rollenspiele benutzt haben, fällt nahezu gänzlich aus der Rechnung. Lediglich Platzhirsch World of Warcraft kann es sich weiterhin erfolgreich leisten, ein Abonnement-System beizubehalten. Der Gedanke, monatliche Gebühren für ein bereits erworbenes Spiel zu bezahlen, nur um es überhaupt spielen zu können, erscheint den meisten Spielern heutzutage abwegig.

Einer der größten Spielehersteller der Welt, Electronic Arts, bemüht sich seit Jahren, verschiedene Modelle zu etablieren. Beispielsweise mit Premium-Paketen für Battlefield 4 oder Mikrotransaktionen für Modi wie Ultimate Team im neuen FIFA 15. Der Branchenriese hat erkannt, dass dem Spieler heute mehr geboten werden muss und ein fertiges, erschienenes Spiel noch lange nicht das Ende einer Entwicklung ist. Spieler mögen Dauerhaftigkeit, Langlebigkeit und eine sich immer weiter entwickelnde Spielstruktur, in der sie sich austoben können. Auch EA Access, eine Quasi-Spieleflatrate mit exklusiven Inhalten, ist ein weiterer Schritt auf der Suche nach neuen Geschäftsmodellen. Welches Modell sich schlussendlich langfristig durchsetzt oder ob sich letztlich Mischformen etablieren, werden aber erst die kommenden Jahre zeigen.

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