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GEMA gegen alle – das Image ist ruiniert

Date Posted: 22 April, 2013

Ziemlich wackere Überschrift, nicht wahr? Trifft aber den Kern der Sache – zumindest den gefühlten Kern. Im Netz, vor allem in den sozialen Netzwerken, hat die GEMA (Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte) wenig Freunde.  Aktuell sind es auf Facebook 11.067 – ein nicht unerheblicher Teil wird „Gefällt mir“ geklickt haben, um seinen Unmut dort kund zu tun. Und das, obwohl die GEMA in ihrer Funktion rund 65.000 Musiker und Autoren vertritt. Im Grunde eine gute Sache, denn Musik und Texte können im Netz einfach so geteilt werden. Irgendjemand muss ja drauf achten, dass die Urheber auch ein Stück von ihrem selbst gebackenen Kuchen abbekommen.

Viele Clubbesitzer protestieren
Bild: Sven Väth Homepage

So wird die GEMA aber nicht wahrgenommen. Alleine auf OpenPetition.de haben 305.120 Menschen gegen die GEMA-Tarifreform 2013 unterschrieben. Ich denke, mittlerweile ist sie schon unbeliebter als die ehemalige GEZ und Uli Hoeneß zusammen. Vor allem, wer auf YouTube surft, wird die GEMA nicht mögen – dort sind etliche Videos gesperrt. „Dieses Video ist in Deutschland nicht verfügbar, weil es möglicherweise Musik enthält, für die die erforderlichen Musikrechte von der Gema nicht eingeräumt wurden.“ Das Resultat ist Schimpf und Schande – gegen die GEMA. Dass die GEMA die Videos gar nicht sperrt, sondern YouTube bzw. Google dieses in einer Art vorauseilendem Gehorsam tut, geht in der Wut, „Gangnam Style“ in Deutschland nicht abrufen zu können , unter. Die GEMA wollte diese Sperrtafeln gerichtlich verbieten. Das sei reine Stimmungsmache. Youtube konterte, man könne YouTube einfach eine Liste Songs geben, die auf YouTube gegen GEMA-Rechte verstoßen. Schwierig – denn die fordert pro Klick auf ein Video 0,375 Cent. Das würde in Deutschland teuer für YouTube. Angeblich dreimal so teuer wie im Vergleich zu Großbritannien. Hätte YouTube die Liste der tatsächlich betroffenen Tracks, könnte man alle diese Songs vom Netz nehmen. Für die GEMA gäbe es dann nichts mehr zu holen. Dieser Rechtsstreit läuft weiterhin. Eine Einigung ist nicht abzusehen. Da machen die GEMA-Gegner wirklich die bessere PR.

Tarifstreit – erste Entscheidung steht

Im Grunde findet im Netz ein großer Image-Krieg zwischen der GEMA und Google statt. Mittlerweile hat die GEMA eine echte Netz-Allianz gegen sich: Vor allem DJs und Diskotheken machten in den letzten Monaten mobil. Mit dabei namhafte DJs wie Sven Väth oder Dr. Motte. Das Resultat war ein riesiger Shitstorm gegen die GEMA, der darin gipfelte, dass die Seite „1.000.000 Menschen gegen die GEMA“ von Facebook selbst gelöscht wurde. Keine Frage: Die geplante Tarifreform der GEMA löste große Proteste aus. Von bis zu 2000% Abgabensteigerung für Clubs war da die Rede. Die Idee der GEMA, das bisherige Elf-Stufen-Modell auf zwei Stufen zu vereinfachen, ist in Wahrheit schwer zu durchschauen. Jetzt gibt es zumindest einen Vorentscheid. Hoch interessant ist, wie beide Seiten diesen Entscheid darstellen. Zuerst hier die offizielle Pressemeldung des Deutschen Hotel und Gaststättenverbands. Hier die der GEMA.

Wer sich unabhängig über diesen Streit informieren will, sucht natürlich möglichst unabhängige Quellen. Die Musikwoche hat sich da als gute Quelle herausgestellt. Auch die De:Bug zeigt journalistisch großen Einsatz.

Aber auch die GEMA soll nicht ohne Lob bleiben: Das Social-Media-Team hat alle Hände voll zu tun – und muss eine Menge einstecken. Auch das Instrument Blog nutzt man regelmäßig.

Ein neues Schlachtfeld ist auch gefunden: Twitters Musikdienst – in Deutschland noch nicht erhältlich. Wegen der GEMA…munkelt man.

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