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Gehört Virtual Reality die Zukunft?

Date Posted: 22 Juli, 2015

Virtual Reality-Headsets sind medial überpräsent. Nachdem Oculus Rift vor zwei Jahren erfolgreich auf Kickstarter finanziert wurde, kündigten verschiedene große Hersteller eigene Geräte an. Sonys Morpheus soll 2016 in den Handel kommen, Valve hat begonnen Entwicklerexemplare des HTC Vive auszuliefern. Mitbewerber Microsoft verfolgt mit der HoloLens einen anderen Ansatz, beeindruckt aber ebenfalls. Wer wird das Hardware-Rennen für sich entscheiden können?

© Innovated Captures
© Innovated Captures

Neustart für Virtual Reality durch Oculus Rift

Schon vor der Übernahme seitens Facebook im Jahre 2014, hat Oculus VR viel Aufmerksamkeit erhalten. Als das junge Unternehmen im Jahre 2012 die Kickstarter-Kampagne für Oculus Rift startete, war Virtual Reality praktisch tot. In den 1990ern hatte das Thema u.a. durch Filme wie „Der Rasenmähermann“große Aufmerksamkeit erfahren. Geräte wie der Virtual Boy von Nintendo oder der VFX1 zerstörten mit ihren technischen Unzulänglichkeiten die Traumvorstellungen von künstlichen Realitäten. Oculus schaffte es zwei Jahrzehnte später, erneut Begeisterung für Virtual Reality zu entfachen. Inzwischen existieren bereits zwei Entwickler-Varianten des Headsets, die allgemein mit Begeisterung aufgenommen wurden. Zum geplanten Release Anfang 2016, soll Oculus Rift standardmäßig mit einem Xbox One-Controller ausgeliefert werden. Optional können auch die separat erhältlichen Oculus-Touch-Controller genutzt werden, die bei Demonstrationen einen positiven Eindruck hinterließen. Durch Sensoren registrieren diese sogar Fingerbewegungen und ermöglichen ein noch tieferes Eintauchen in die Spielwelt. Mit der Übernahme durch Facebook Anfang 2014 hat Oculus bei Fans Sympathien einbüßen müssen. Zudem wurde bekanntgegeben, dass die Nutzung von Oculus Rift sehr leistungsstarke Hardware voraussetzt. Können diese Faktoren den anfangs sicher geglaubten Siegeszug der VR-Brille doch noch vereiteln?

© Oculus VR
© Oculus VR

Sony Morpheus: VR auf der Konsole

Auch der Elektronikgigant Sony hat ein VR-Headset in Entwicklung: Morpheus soll in der ersten Jahreshälfte 2016 in den Handel kommen und konnte schon auf der diesjährigen E3 getestet werden. Technisch erreicht das Gerät nicht das Niveau des direkten Konkurrenten Oculus Rift. Entwicklerlegende John Carmack, seit 2013 Mitarbeiter von Oculus VR, gab zu bedenken, dass die Leistungsfähigkeit der PS4 nicht ausreichen würde, moderne Spiele VR-gerecht umzusetzen. Dafür sorgt die Verknüpfung von Morpheus mit Sonys Konsolenflaggschiff für eine breite Nutzerbasis und eine für alle Nutzer einheitliche Spieleerfahrung. Auch hier sind die Spieler nicht auf klassische Controller-Steuerung angewiesen. Einerseits hat der Dualshock 4-Controller der PS4 einen eingebauten Sensor, der Bewegungen erkennt. Andererseits sammelte Sony bereits Know-how im Bereich alternativer Steuerungsmethoden durch das Peripheriegerät „Move“, mit dem Gestensteuerung möglich ist. Einige Demos für Morpheus nutzten die Move-Steuerung. Ob diese nach Veröffentlichung ein zentrales Feature wird und ob es gar ein „Move 2“ geben wird, ist nicht bekannt.

© Sony Computer Entertainment
© Sony Computer Entertainment

Valve drängt auf den Virtual Reality-Markt mit HTC Vive

Als Valve sein in Kooperation mit HTC entwickeltes VR-Headset „Vive“ ankündigte, ging ein Raunen durch die Gemeinde der Computerspielbegeisterten. Das Washingtoner Softwareunternehmen hatte mit seiner 2003 gestarteten Internet-Vertriebsplattform „Steam“ den PC-Spielemarkt revolutioniert und dominiert heute den digitalen Vertrieb in diesem Bereich. Dass Valve auch im Bereich VR ein ausgereiftes, konkurrenzfähiges System präsentieren würde, stand für viele im Vorhinein fest. Und so überraschte es wenig, dass die HTC Vive auf ersten Präsentationen durchweg überzeugen konnte. Besonderes gelobt wurde die Minimierung der Latenz – der Verzögerung zwischen Eingabe am Controller und Umsetzung auf den Bildschirmen des Headsets. Diese löst, wenn sie zu groß ist, die sogenannte „Motion Sickness“ aus, bei der Nutzern von VR übel wird. Laut Valve-Chef Gabe Newell sei dieses Problem für die HTC Vive allerdings gelöst worden, in ersten Tests wurde dieser Eindruck bestätigt. Erreicht wird dies durch das „Lighthouse“-System, das aus zwei im Raum positionierten Laser-Tracker besteht. Diese gehören ebenso zum Lieferumfang von Vive, wie zwei Motion-Controller, die ebenfalls von vielen Testern gelobt wurden.

© HTC
© HTC

Augmented Reality mit Microsofts HoloLens

Einen anderen Weg schlägt Microsoft mit der HoloLens ein. Im Gegensatz zur Konkurrenz setzt der Redmonder Konzern nicht auf Virtual, sondern auf Augmented Reality. Bei dieser Erweiterung der Realität wird der Nutzer nicht vollständig von der Außenwelt abgeschottet. Durch die HoloLens werden beim Blick in die reale Welt Anzeigen, Gegenstände oder Figuren eingeblendet, wie auf der Spielemesse E3 eindrucksvoll präsentiert wurde. Am Beispiel von Minecraft zeigte Microsoft, wie die Interaktion mit den virtuellen Objekten abläuft und präsentierte dabei sowohl Controller-, als auch Gestensteuerung. Wann die HoloLens erscheinen soll ist noch nicht bekannt. Auch zur Frage, ob das Peripheriegerät nur mit Windows-PC kompatibel oder auch an der Xbox One genutzt werden kann, hat Microsoft noch nicht Stellung bezogen. CEO Nadella äußerte jedoch kürzlich in einem Interview, dass nach Veröffentlichung der HoloLens der Fokus nicht auf Gaming liegen würde. Hier stünden vielmehr Entwickler, Firmen oder auch Einrichtungen im Medizinalbereich im Zentrum der Aufmerksamkeit. Gaming sei zwar Teil der Firmenstrategie, für HoloLens stehe jedoch vorerst der Unternehmensbereich im Vordergrund.

© Microsoft
© Microsoft

Der endgültige Durchbruch für Virtual Reality?

An dieser Stelle ein Fazit zu ziehen, fällt schwer. Bis jetzt ist keines der angekündigten Virtual Reality-Headsets erhältlich, allerdings zeichnen sich schon jetzt bei allen Produkten individuelle Vorzüge ab. Oculus Rift hat den neuen VR-Hype ausgelöst und mit Facebook einen mächtigen Konzern im Rücken. Durch die regelmäßige Veröffentlichung von Developer-Kits konnte die Öffentlichkeit die erzielten Entwicklungsfortschritte direkt beobachten und ist nah am Produkt. Sonys Morpheus trifft mit der PS4 auf eine breite Hardwarebasis. Von der Konsole wurden schon 22 Mio. Stück verkauft und da sie eine geschlossene Plattform ist, werden alle Playstation-Besitzer das Gerät ohne Probleme nutzen können. Die Ankündigung der HTC Vive kam relativ überraschend, aber Valve präsentierte ein bereits sehr ausgereiftes Produkt. Zudem hat das Unternehmen um Gabe Newell durch Steam einen riesigen Kundenstamm, der um die Qualität von Valve-Produkten weiß. Dass Microsoft mit der HoloLens nicht direkt auf den VR-Zug aufspringt, ist ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal. Zudem ist der Augmented Reality-Ansatz deutlich sozialer, da der Nutzer sich mit ihm nicht von der Außenwelt abschottet. Demonstrationen des Geräts haben allenthalben für Begeisterung gesorgt. Alle der genannten Anbieter von Virtual bzw. Augmented Reality-Technik besitzen das Potential sich auf dem Markt zu behaupten. Wer diesen am Ende dominieren wird, bestimmt am Ende wie immer der Kunde. Ob sich VR überhaupt auf breiter Ebene durchsetzen wird, steht auf einem anderen Blatt. Doch ob Massenphänomen oder Nischenprodukt, vor dem Hintergrund der ausgefeilten Technik und vielfältiger Verwendungsmöglichkeiten kann eines als sicher gelten: Das Virtual Reality-Debakel der 1990er Jahre wird sich nicht wiederholen.

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