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Forssman, Suhrkamps Logbuch und was Unternehmen daraus lernen können

Date Posted: 7 Februar, 2014
Screenshot: Suhrkamp Verlag GmbH & Co. KG, Berlin / Logbuch; http://www.logbuch-suhrkamp.de/forum/warum-es-arno-schmidts-texte-nicht-als-e-book-gibt

Friedrich Forssmans Blogbeitrag auf dem von Suhrkamp betriebenen Blog Logbuch überfuhr mich regelrecht. Und nicht nur mich, wie sich schnell zeigte. Der Beitrag wird freudig kommentiert und im dreistelligen Bereich in sozialen Netzwerken geteilt. Im Vergleich mit anderen, auf Logbuch veröffentlichten Beiträge, geht Forssmans Beitrag regelrecht durch die Decke. Warum? Da hat sich jemand klar positioniert: E-Books seien Unfug, ein Beschiss und ein Niedergang, schreibt Forssman. Im Folgenden rauscht eine regelrechte Schmähwelle über die Digitalisierung im Allgemeinen, E-Books und „analphabetische Digitalhipster mit ADHS“ im Speziellen hinweg.  Dieser Artikel ist in mehrerer Hinsicht interessant und teilweise auch brisant.

Erstens: Autoren und persönliche Meinungen transparent machen

Erstens zeigt sich, wie brisant es für Unternehmen sein kann, wenn vermeintliche Mitarbeiter Meinungen veröffentlichen, die als offizielle Unternehmensmeinung gedeutet werden und dabei noch gegen die Geschäftspolitik und potenzielle Kunden gerichtet sind. Denn: Natürlich ist auch Suhrkamp schon ins digitale Geschäft eingestiegen. Friedrich Forssman, der an einigen Stellen als Suhrkamp-Mitarbeiter zitiert wurde, lässt aber an diesem (wichtigen) Geschäftszweig kein gutes Byte. Auch SPON-Redakteur Konrad Lischka nimmt Forssmans Beitrag nicht nur als persönliche Meinung wahr und twittert: „Nie hätte ich gedacht, dass in einem Suhrkamp-Forum gegen Menschen wegen abweichenden Verhaltens gehetzt wird“ oder „Sind Menschen Idioten, weil sie auch digital lesen?“.  Erst deutlich später twittert er: „Aha! Text im Verlagsblog hat nichts mit Verlag zu tun. Aber was ist denn die Suhrkamp-Meinung dazu?“ Lischka folgen auf Twitter immerhin 10.900 Menschen. Auch wenn Logbuch dem Artikel nun einen Absatz voranstellte, Forssman sei kein Suhrkamp-Mitarbeiter, ist das viel zu spät. Dass es sich um die persönliche Meinung eines Autoren handelt, muss klar kommuniziert werden.

Zweitens: Mutige Texte verfassen

Zweitens zeigt der Artikel, welche Art Text im Web großes Interesse hervorruft: Er muss klar Position beziehen. Forssman seziert nicht nur die Nachteile und Gefahren der Digitalisierung, sondern schmückt sie mit diversen Beleidigungen. Der Text ist geradezu eine Ode an die Polemik. Das soll allerdings nicht bedeuten, sämtliche Beiträge auf einem Corporate Blog müssten nun ebenfalls Oden der Polemik inklusive Verbalinjurien sein. Forssman schießt ganz klar über das Ziel hinaus. Vor allem Beleidigungen sind ein absolutes No Go. Quintessenz: Texte dürfen aber mutig sein und klare Meinungen beziehen. Nur so entstehen Dialoge und nur so entsteht Interaktivität im Netz. Es gibt aber dabei immer die Netiquette zu beachten.

Drittens: Der Gegenwind kann harsch sein

Drittens zeigt der Artikel: Wer sich klar positioniert, muss ein dickes Fell haben. Der Autor selbst bekommt nun neben dem Sonnenschein auch die Schattenseiten einer klaren Meinung zu spüren – und einen Eindruck der Wucht des digitalen Gegenwinds. In den Kommentaren steht nicht nur Schmeichelhaftes.  Das muss jedem, der bewusst polarisiert, schlicht klar sein.

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