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Das Fire Phone – Kaufmaschine oder Technik-Innovation?

Date Posted: 20 Juni, 2014
Bild: Amazon.com, Inc.

Nachdem sich wochenlang Gerüchte um ein mögliches Smartphone des Online-Dienstes Amazon rankten, gab es an diesem Mittwoch Klarheit: Amazon-Chef Jeff Bezos stellte das 4,7 Zoll große Fire Phone der Öffentlichkeit vor. Mit dem neuen Gerät, das unter anderem über 3D-Funktionen verfügt, will sich der Konzern direkt zwischen Apples iPhone und dem Samsung Galaxy S5 positionieren. Selbstverständlich ist das Fire Phone zudem ein idealer Amazon-Shopping-Begleiter. Zuvor war es das Kindle Fire Tablet, das den großen Herstellern Konkurrenz machen wollte.

3D-Gimmicks – jetzt auch im Smartphone

Auf der Vorderseite des Smartphones verbaute Amazon vier Infrarot-Kameras und ermöglicht eine Funktion, die sich „Dynamic Perspective“ nennt. Damit können nicht nur Objekte auf dem Bildschirm in dreidimensionaler Tiefe angezeigt werden auch das Blättern oder Scrollen beim Lesen eines Textes entfallen. Die Infrarot-Kameras erkennen zu jeder Zeit die Position des Kopfes und lassen den Text, ähnlich eines Teleprompters, über den Bildschirm laufen. Wird der Kopf oder das Telefon zu einer bestimmten Seite geneigt, blättert das Gerät zur nächsten Seite. Das Ganze funktioniert nicht nur beim Lesen, sondern soll auch mit Spielen kompatibel sein und bei der Navigation durch das normale Menü helfen.

Firefly – scannen, erkennen, kaufen

Ein weiteres Novum ist die Firefly-Funktion: Laut Bezos umfasst die Datenbank der Anwendung zum Start 100 Millionen Artikel. Aktiviert man die Funktion mithilfe einer dedizierten Taste, können Bücher, URLs, Blu-rays, Lebensmittel, Kleidungsstücke, QR-Codes oder Telefonnummern gescannt und in Sekundenschnelle erkannt werden. Je nach gescanntem Inhalt weiß das Telefon entweder was damit zu tun ist oder schlägt dem Nutzer einige Optionen vor: Bücher können so direkt bei Amazon als Paperbacks oder Kindle-Editionen erstanden werden. Überspitzt gesagt: Man könnte durch verschiedene Läden streifen, Produkte mit Firefly scannen und einen Großeinkauf über Amazon erledigen. Daneben erkennt Firefly aber auch Musik oder Filme und Serien am Ton und verlinkt letztere augenblicklich mit dem Amazon-Dienst imdb.com. Selbstverständlich gibt es auch die Option, das jeweilige Produkt zu kaufen. Passend dazu lockt das Unternehmen mit einer einjährigen kostenlosen Prime-Mitgliedschaft, sollte man das Fire Phone kaufen.

Mit dem Fire Phone will Amazon sich direkt im Top-Segment der beliebtesten Smartphone-Hersteller platzieren. Auf den ersten Blick macht es einen guten Eindruck, besonders die 3D-Funktion und der Firefly-Companion beeindruckten unsere Redaktion. Auch wenn man sich preislich am High-End-Segment orientiert, ist es vor allem der Inhalt, auf den Amazon setzt. Die nackten Zahlen und die verbaute Technik sind den Konkurrenten kaum voraus – in einigen Aspekten hängt die Konkurrenz Amazon bereits ab. Ganz davon abgesehen, dass die Enthüllung des neuesten iPhones wahrscheinlich auch nicht mehr so lange auf sich warten lässt. Insgesamt scheint Amazon hier mit kleineren, beeindruckenden Innovationen aufzuwarten, um damit im Leben potenzieller Käufer präsent zu sein. Ob die 3D-Funktion mehr ist als ein Gimmick ist und wirklich so geschmeidig funktioniert wie in der Präsentation vorgestellt, wird sich erst zeigen, wenn das Smartphone auf dem Markt ist. Wann es in Deutschland erhältlich sein wird, ist bisher noch unklar. In den USA ist es bereits am 25. Juli soweit.

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