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Facebook vs. YouTube – Filme auf dem Vormarsch

Date Posted: 22 September, 2014
© Syda Productions - Fotolia.com
© Syda Productions – Fotolia.com

Diese Entwicklung ist nicht mehr aufzuhalten: Videocontent ist beliebt wie nie und wird vor allem in der Gruppe der 14-29 Jährigen immer relevanter. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Onlinestudie von ARD und ZDF. Ein Drittel der User in Deutschland besucht mindestens einmal pro Woche ein Videoportal – in besagter Gruppe sind es sogar drei von vier Personen.

Platzhirsch YouTube hält nach wie vor die Spitzenposition bei den täglichen Videoaufrufen (ca. Vier Milliarden), darf die Konkurrenz aus den sozialen Netzwerken jedoch keinesfalls unterschätzen. facebook investiert derzeit massiv in eine bessere Videoeinbindung, durchaus mit Erfolg, zwischen Mai und Juni 2014 haben die Videoabrufe um 50 Prozent zugelegt – auf inzwischen über eine Milliarde pro Tag. Die Ausrichtung ist klar definiert: 100 Millionen Videos werden auf der Plattform mittlerweile monatlich hochgeladen – Tendenz steigend wie auch facebooks Project Management Director (Video) Fidji Simo im Unternehmens-Blog bekräftigt: „We’recommitted to making Facebook the best place to share, discover and watch videos (…)“facebook soll also der Ort im Netz werden, an dem Videos am besten entdeckt und geteilt werden können. Ein klares Statement im Kampf um die Vorherrschaft im Bewegtbildsektor.

Schnell und einfach – Facebook jetzt schon mit Vorsprung

Analysiert man die Zahlen vor diesem Hintergrund nochmals, wird deutlich: Zu den Milliarden-Abrufen von Videos, welche auf facebook hochgeladen wurden, kommen auch alle Videos von YouTube, Vimeo und Co. für die das soziale Netzwerk strenggenommen schon jetzt der größte Traffic-Lieferant ist. Vor diesem Hintergrund dient facebook derzeit sogar nicht nur als reichweitenstärkste Kommunikations-, sondern auch als größte Bewegtbild-Plattform weltweit.

Hierbei profitiert facebook von seiner eigentlichen Kernkompetenz: Die schnelle Verbreitung von Inhalten innerhalb eines sozialen Netzwerkes. Aktuelles Beispiel (Quelle: lead-digital.de): US-Sängerin Beyoncé postete ein „behind the scenes“ – Clip im Vorfeld der MTV Music Awards. Dieses Video wurde innerhalb von 4 Stunden 2,4 Millionen mal auf facebook aufgerufen, auf Googles Videokanal hingegen nur einige tausend Mal. Selbst fünf Tage darauf konnte YouTube diesen Wert nicht annähernd erreichen, der Clip generierte „nur“1,4 Millionen Aufrufe. Der Grund: Die Video-Verlinkung in den Newsfeeds der Fans sorgte in diesem Fall für die schnelle und einfache Verbreitung – eine Möglichkeit, die YouTube seinen Nutzern so nicht bieten kann.

YouTube-Klassiker kann wichtig werden

Punkten kann facebook zudem mit neuen Videotools, die unter anderem das Monitoring einfacher gestalten werden. So sollen schon bald die Anzahl der Video-Abrufe angezeigt werden (ein Feature welches bei YouTube schon sehr lange Standard ist), so dass die Nutzer einen noch schnelleren Überblick erhalten, welche Videos derzeit angesagt sind. Auch für Firmenkunden und Werbetreibende ist dieser erstmals verwendete Zähler von großer Bedeutung, die Anzahl der Aufrufe gibt einen direkten Aufschluss darüber ob ein kommerzielles Video auf der Plattform „funktioniert“ oder nicht. Auch bei den Kanälen bekannter YouTuber könnte der Counter für einen Anstieg der Klickzahlen sorgen, Ihre Videos werden bei großer Beliebtheit auf Startseiten oder bei den empfohlenen „starken“ Videos angezeigt.

Nicht alles Für schlechte Laune sorgte hingegen die von facebook eingeführte Autoplay-Funktion im Bereich Video. Dieses Feature bewirkt das automatische Abspielen von Bewegtbild schon beim scrollen durch die „Neuigkeiten“ und führte zu Beginn der Einführungsphase bei vielen facebook Nutzern zu erhöhten Handyrechnungen. Schließlich nagt jedes Video am Nutzer-Datenvolumen, woraufhin facebook seinen Usern eine „Wlan-only“ Funktion ermöglichte, um den Download besser kontrollieren zu können. Der Sinn hinter dieser Autoplay Funktion steckt hingegen im Detail: Ein gutes Video fesselt den Betrachter schon innerhalb der ersten Sekunden, eine kurze Beschreibung im Titel und schon „weiß“ der Betrachter Bescheid ob es sich lohnt zu schauen oder nicht.

Ice Bucket Challenge ein großer Erfolg

Mehr als deutlich wurde die Stärke von facebook im Bereich Video im Rahmen der „Ice Bucket Challenge“, das weltweite Online-Sommer-Phänomen schlechthin. Millionen Menschen, Promis, Sportler und der Nachbar von nebenan, schütteten sich für den guten Zweck Eiswasser über den Kopf und produzierten im Zeitraum Juni bis September allein auf facebook mehr als 17 Millionen Videos. Diese „Kurzfilme“ wurden mehr als 10 Milliarden mal angeschaut, das Ganze von mehr als 440 Millionen Nutzern. Neben dem Effekt, dass man durch die Autoplayfunktion schnell sehen konnte was sich im Video abspielen wird, wurden zudem all diese Menschen mit dem Thema Video (wie poste ich ein Video?) vertraut gemacht.

Für YouTube ist diese Form der Konkurrenz Neuland. Der Marktführer gilt nach wie vor als wichtigste und größte Plattform im Bereich Bewegtbild, darf die Konkurrenz aber nicht aus dem Auge verlieren. Durch die neuen, innovativem Features wird facebook auf Dauer die Monopolstellung von YouTube attackieren und durch seine große Stärke, die Vernetzung, weiter punkten. Im Bereich Vermarktung hinkt facebook jedoch noch deutlich hinterher. Hier hat YouTube mit festen Kanälen und deren Followern  eine Art „Stammkundschaft“ die zum einen täglich mehrere Videos posten die dann automatisch mit Werbung verknüpft und angeschaut werden.  Diese Entwicklung ist bei facebook noch nicht abzusehen.

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