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Eine Frage des Systems – PlayStation 4 gegen Xbox One

Date Posted: 11 Juni, 2013

Selten waren die Präsentationen von Sony und Microsoft auf der E3 in Los Angeles so gefragt wie in diesem Jahr. Das hatte einfache Gründe: Wollten nun endlich alle die PlayStation 4 selbst sehen, sehnte man sich bei Microsoft nach Games. Im Vergleich zu ihren Premieren tauschten beide Hersteller in Los Angeles die Rollen. Eines vorweg, selbst das Design der neuen Playstation 4 wurde nach langem Warten endlich enthüllt.

Es war 9:30 Uhr Ortszeit Los Angeles als Don Mattrick von Microsoft die Bühne betrat und damit die nächste Runde im Kampf der Konsolen einläutete. Zuvor gab’s ein beeindruckendes Video des neuen Metal Gear Solid 5: Phantom Pain. So ging’s auch weiter: Spiele, Games und noch mal Spiele. Die folgenden 90 Minuten beschäftigte sich Microsoft hauptsächlich mit der Präsentation neuer Titel für die Xbox One. Verschiedene Entwickler kamen zu Wort, ein McLaren P1 wurde auf die Bühne gefahren und es wurden die neuen Funktionen der Xbox im Detail besprochen. Die neue Hardware, wie die Kinect Kamera mit der Spieler per Spracheingabe und Gesten das Spielgeschehen beeinflussen können und das SmartGlass – eine App, die ein Tablet oder ein Smartphone zu einem Xbox-Bediengerät werden lässt, wurden den Zuschauern im Betrieb vorgeführt. Die anwesenden Gäste honorierten die neuen Features der Xbox mit Applaus – was ich immer etwas befremdlich finde. Dennoch blieben am Ende der Präsentation ein paar Fragen offen. Zum Beispiel: Wie geht Microsoft mit gebrauchten Spielen um? So viel Bombast konnte Microsoft gar nicht abfackeln, um die Fragen nach der „Überwachungskonsole“ zu überspielen. Im Prism-Skandal ist alles verdächtig, was Daten sammeln könnte. Microsoft hätte einiges gerade rücken können. Jetzt ist der Spielraum für Kommunikative Missverständnisse noch größer geworden.

Eine Frage der Präsentation

Endlich wurde sie gezeigt: Die PlayStation 4 sieht gar nicht so anders aus als die Konkurrenz. Bild: Sony

An diesem Punkt kommt Sony ins Spiel. Die Japaner nutzen Microsofts vertane Chance in Sachen PR famos. Stellvertretend für die Konkurrenz beantwortet Andrew House diese Fragen auf der abendlichen Präsentation des japanischen IT-Giganten: Die PlayStation 4 hat keine Restriktionen was den Weiterverkauf von Spielen angeht, es gibt keinerlei Online-Zwang und sie ist mit 399€ ganze 100€ günstiger als die Konkurrenz. Damit nutzt Sony die Kritik, die nach der Präsentation der Xbox One am 21. Mai aufgekommen war. Microsoft hat es verpasst, klare Aussagen an die Spieler zu machen was Gebrauchtspiele und Online-Anbindung angeht. Zudem war die Präsentation der neuen Spiele auf der E3 etwas unglücklich, denn bei zwei Spielen gab es teils schwere Probleme mit dem Ton, sodass das Publikum versuchen musste, die Soundeffekte in der Halle nachzumachen. Dagegen brandete tosender Beifall und Jubel auf, als die Details der neuen PlayStation 4 genannt wurden. Sony konnte sich als Freund der Spieler präsentieren, indem sie sich vor ihre Kunden gestellt haben und nicht vor die Publisher, die an Weiterverkäufen der Spiele nicht profitieren können.

Ein weiterer Punkt, bei dem Sony nun aufholt, ist die betonte Unterstützung von Independent-Entwicklern. Das gezeigte Rollenspiel „Bastion“ des Indie-Studios Supergiant Games durfte ihr neues Spiel exklusiv auf der Bühne der E3 zeigen.

Während Microsoft in Los Angeles nur neue Spiele und den Preis der neuen Xbox zeigen konnte, hat Sony erst jetzt die richtig große Bombe platzen lassen, nachdem am 20. Februar die neue Konsole mit neuen Spielen und einer Strategie offiziell angekündigt wurde. Die Reaktion der Medien und Spieler auf die beiden Konsolen sind eindeutig. Die Playstation hat im Stimmungsbarometer eindeutig die Nase vorn. In diversen Foren, Kommentaren und Beiträgen sprechen einige Xbox-Nutzer sogar von einer Abwanderung zur Konkurrenz. Sony hat also im Nachhinein alles richtig gemacht.

Eine Frage des Designs

Eines müssen sich die Japaner allerdings eingestehen: In puncto Design ist das Gehäuse der PlayStation 4 mit ihrer eckige Optik etwas gewöhnungsbedürftige, da zeigte sich Microsoft geschmackssicherer. Microsoft muss sich ankreiden lassen, dass sie durch den höheren Preis und die unterdurchschnittliche Präsentation der neuen Konsole die Chance vertan haben, sich von Sony abzuheben.

Am Ende wird aber wahrscheinlich das Spiele-Lineup darüber entscheiden, welche Konsole den besseren Start hinlegt. Beide Systeme haben extrem interessante Titel in der Pipeline, die nur darauf warten, von den Spielern angespielt zu werden. Spätestens im Dezember diesen Jahres werden wir dann Gewissheit haben.

Übrigens: Wenn Microsoft sagt, die Konsole kommt im November, dann kommt sie auch hierzulande im November. Sagt Sony „Holiday Season“, bedeutet das Weihnachten 2013 in Japan und den USA. Für Deutschland bedeutet das Frühjahr 2014. Da steht die Xbox One wahrscheinlich schon vier Monate in den Läden.

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