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E-Magazine Flatrates – Printmedien in Gefahr?

Date Posted: 19 Dezember, 2014
© murphy81 - Fotolia.com
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Printmagazine hatten im vergangenen Jahrzehnt einen Rückgang zu verzeichnen. Digitale Medien bedrohen vordergründig die klassischen Printmedien. Da es im reinen Onlinebereich immer noch an überzeugenden Geschäftsmodellen fehlt, würden viele Verlage gerne auf Digitale Reader setzen. An digitalen Kiosken ließen sich sicher Magazine nach bekannter Manier verkaufen. Zudem sind sie praktisch: Sie sparen Platz und der Informationsgewinn ist direkter und schneller. Jetzt regt sich ein neuer Trend, der dieses Ziel gefährden könnte: e-Magazine Flatrates. Sie stellen das Verlagswesen vor Schwierigkeiten und könnten sich bei einer Durchsetzung als Problem für das Selbstverständnis der Verleger erweisen. Doch wenn man es ganz genau betrachtet, wäre ein richtiger Umgang mit den digitalen Trends genau der richtige Weg, um Online und Print im Einklang existieren und auch voneinander profitieren lassen zu können.

E-Kiosk

Werfen wir zunächst einen Blick auf die bisher vorgestellten Modelle, bevor wir weitere Möglichkeiten beleuchten. Amazon hat es mit seiner neu vorgestellten Kindle-Flatrate bereits vorgemacht. Ein fester Preis, eine gewisse Anzahl an Literatur oder Zeitungen, auf die die Nutzer jederzeit zugreifen können. Ein ähnliches Modell bietet nun der Dienst „Readly“ an. Für knapp zehn Euro im Monat haben Benutzer damit Zugriff auf Magazine vieler Verlage wie beispielsweise die Bauer Media Group oder IDG. Die deutschen Verlage scheinen sich dem Trend noch entgegenzustellen, so dass dem Anbieter nur etwa ein Fünftel der Möglichkeiten bei seinem Start zur Verfügung steht. In anderen Ländern ist diese Flatrate bereits veröffentlicht.

Etwas anders macht es das niederländische Start-Up „Blendle“. Der derzeit nur in den Niederlanden aktive Dienst setzt auf eine Bezahlung pro Artikel, so dass der Nutzer selbst entscheiden kann, was ihm sein Geld wert ist. In seinem Heimatland umfasst der Dienst bereits nahezu alle Magazine und Zeitungen. Namhafte Investoren wie die New York Times scheinen an das Konzept zu glauben und investieren in eine schnelle internationale Verbreitung.

Eine reale Zukunft?

Beide Modelle haben ihre Vor- und Nachteile. Neben der bei beiden offensichtlich schnellen Zugriffszeit und der großen Auswahl, müssen auch beide mit Kritik kämpfen. Readly starres PDF-Modell erschwert das Teilen und gezielte Suchen und Finden von Artikeln. Blendles offenes System setzt auf Individualismus und eigenständiges Zusammenstellen, etwas, das Zeitschriftenkäufer selten möchten. Blendle funktioniert in den Niederlanden hervorragend, Readly in Schweden ebenso. Die große Frage bleibt, ob Deutschland bereit ist für ein solches Modell, da Verlage sehr stark auf ihre monopolistisch wirkenden Inhaltskontrollen setzen. Deutschland ist ein großer Markt für Zeitschriften und Zeitungen und die stark steigende Verbreitung von Tablets und e-Readern ist ein entscheidender Punkt. Die positiven Zahlen jedenfalls sprechen für die beiden digitalen Modelle.

Umbruch

Printmagazine und Zeitungen haben ohne Frage Schwierigkeiten, mit den neuen Techniken im digitalen Bereich Schritt halten zu können. Das bedeutet allerdings nicht, dass sie dem Tod geweiht sind, denn bei genauer Betrachtung ist genau das Gegenteil der Fall. Das Printmagazin ist wichtig, denn es bereitet nicht nur zentrale Inhalte auf, sondern ist für den Leser oder Abonnenten ebenfalls eine Quelle von Zuverlässigkeit, Lifestyle und klarem, fundierten, gesicherten Wissen. Wir leben in einer Welt, in der man Informationen schnelllebig und oft auch nachlässig und leichtfertig behandelt, so dass gerade gedruckte Worte eine Form von Sicherheit bieten können, die kein Internetmedium erreichen kann. Wo stehen aber dann die e-Magazine in diesem Zusammenhang? Es ist ganz entscheidend, dass die Diskussion nicht auf ein „entweder-oder“ hinausläuft. Ob es e-Magazine, Print- oder Onlinemedien sind: sie alle sind wichtig und können sehr stark aufeinander aufbauen, wenn sie den Konkurrenzgedanken bei Seite lassen können. Selbst wenn die Zukunft im digitalen Bereich liegen mag, so hat das Print-Magazin immer noch eine wichtige Rolle im Lifestyle und Trendbewusstsein der Menschen. Nun gilt es die Brücke zu schlagen und einen produktiven Einklang zu gewinnen, der die Medienbereiche in die Zukunft führen kann. Journalismus ist medienübergreifend und erlebt einen entscheidenden Umbruch, der akzeptiert werden muss. Aber nicht in der Auswahl des Mediums, sondern in der produktiven Zusammenarbeit und dem Ausprobieren von Möglichkeiten aller Bereiche.

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