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Von Maden und Einschaltquoten – Z-Prominenz im Dschungelcamp

Date Posted: 11 Januar, 2013

Mal unter uns: Sie müssen sich nicht schämen, nach der Überschrift weiterzulesen. Das ist okay. Wirklich. Ganz unabhängig davon, dass unser Kunde blau.de einer der diesjährigen Hauptsponsoren ist.

Das Dschungelcamp – eigentlich könnte es auch eine Wiedereingliederungsmaßnahme der Agentur für Arbeit sein. Denn nichts anderes ist das Dschungelcamp: Suboptimal erfolgreiche Künstler aus Vergangenheit und jüngster Vergangenheit gehen freiwillig oder auf Geheiß ihrer ebenfalls am Hungertuch nagenden Manager in dieses soziale Bootcamp am anderen Ende der Welt. Ihre Ambition: Ich bin ein Star – gebt mir ein neues Engagement. Oder einen neuen Plattenvertrag. Oder Modellvertrag. Nur eines bringt der Aufenthalt zwischen Maden, Hunger und Luxusgut-Entzug nicht: Würde.

Apropos Würde. Würde ich es schauen? Ich hatte es eingangs beantwortet: Ja. Warum? Das ist meine innere Boulevard-Redaktionskonferenz. Das liegt auch ein bisschen an der RTL-Kommunikation. RTL schaffte es tatsächlich, diesem Format riesige Marktanteile zu verschaffen. 21% Marktanteil erreicht man nicht, indem man das vermeintliche TV-Prekariat vor die Glotze zerrt. Nein, RTL kommunizierte das Dschungelcamp als eines der wenigen moralisch vertretbaren Trash-Konzepte. Ich halte diese Kommunikation für gut – sie fußt auf Wahrheiten. Schauen wir uns mal die Ex-Dschungelkönige und Königinnen an: Costa Cordalis, Désirée Nick, Ingrid van Bergen oder auch Brigitte Nielsen: Da werden keine medial jungfräulichen Teenager von sonnengegerbten Pop-Terroristen mental gebrochen. Wer im Dschungelcamp einsitzt, weiß, was das bedeutet. Alle Insassen haben Medienerfahrung. Sie kennen dieses Haifischbecken. Sie wissen, was es bedeutet mit medialer Häme begossen zu werden. Viele der Teilnehmer haben in einem früheren Leben Millionen verdient, andere haben diese Beträge auf der persönlichen To-do-Liste stehen. Und genau deshalb fällt es uns so leicht, diese vermeintlichen Prominenten sich quälen zu sehen. Wir bekommen auf sehr unterhaltsame Weise aufgezeigt, dass Hochfliegen auch Tieffallen bedeuten kann. Dieses Gerechtigkeitsempfinden sitzt in vielen von uns.

Dass wir den Männern, Frauen, Jungs und Mädels im Dschungelcamp zusehen, hat natürlich viel mit ihrem kommunikativen Verhalten zu tun. Nur allzu gerne luden Patrick Nuo oder Fiona Erdmann die Medien dazu ein, uns über den Boulevard an ihrem (vermeintlich) glamourösen Leben teilzuhaben zu lassen. Und natürlich empfand der gemeine Mittelstand bei diesen Bildern einen gewissen Sozialneid. Wer würde denn die Geissen-Sippe nicht gerne aus dem Jetset in den Dschungel stürzen sehen? Wir haben sogar einen Fall von Bauernopfer in dieser Staffel dabei: Iris Klein – Daniela Katzenbergers Mutter.

Indem wir nun dabei zusehen dürfen, wie Olivia Jones ihr albern wirkendes Drag-Queen -Kostüm ausziehen muss und zu Oliver Knöbel – also zu einem von uns wird – zahlen wir es ihnen rückwirkend heim. Soll doch Georgina Bülowius in Gülle baden oder Claudelle Deckert Hoden würgen, während wir Pasta genießen.

Das Dschungelcamp ist außerdem immer wieder eine hochinteressante Sozialstudie. Anfangs herzen sich alle. Drücken sich die Daumen und supporten sich, dass sich die Baumhäuser biegen. Doch setzt erster Schlaf- und Nahrungsmittelmangel ein, treten die Differenzen zutage. Dann verspritzen die Zicken Gift und die Alphamännchen trommlen auf der Brust. Grabenkampf in Australien. Dann wird es interessant. Da mag zwar das eine oder andere Skript mitmischen, doch etliche Szenen sind (hoffentlich) nicht gestellt. Vor allem, wenn die Insassen sich an die Kameras gewöhnt haben und damit beginnen, den ersten Unfug zu quasseln.

Wem allerdings Lob gebührt, sind die Autoren von Sonja Zietlows und Dirk Bachs Verbal-Spitzen. Abseits jeglicher Political Correctness offenbarten die Moderationen der beiden schonungslose Ehrlichkeit. Ganz ehrlich: Würden die beiden über mich so reden, wie sie es über Katy Karrenbauer taten – ich würde ihnen keine Freundschaftsanfrage schicken. Apropos Dirk Bach. Ihn werde ich heute Abend schmerzlich vermissen. Wie wird sich Daniel Hartwich wohl schlagen? Bald Wetten, dass…?-Moderator oder in naher Zukunft selbst im Camp – mit dem Mund voller Maden.

© AK-DigiArt – Fotolia.com
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